Zusammenfassung
Bodegas de Familia Burgo Viejo ist ein Familienweingut in Alfaro, ganz im Osten der Rioja, wo die Subzone Rioja Oriental (früher Rioja Baja) an Navarra grenzt. 1987 taten sich sechs Winzerfamilien zusammen, die ihre Trauben nicht mehr abliefern, sondern selbst zu Wein machen wollten. Aus dieser Idee ist ein Betrieb mit rund 200 Hektar eigenen Weinbergen geworden, die sich vom Ebro-Tal bis an die Hänge des Monte Yerga ziehen. Kellermeister Gorka Etxebarria keltert daraus seit 2003 fruchtbetonte, unkomplizierte Rioja-Weine – vom jungen Tempranillo über die Crianza-Linie Burgo Viejo bis zu den Reservas von Palacio del Burgo und Licenciado –, die bei internationalen Wettbewerben regelmäßig Medaillen einsammeln.
Geschichte
Alfaro hat eine lange Weinbautradition, doch über Jahrzehnte lieferten die Winzer der Stadt ihre Trauben an Genossenschaften oder große Kellereien. Die Wurzeln von Burgo Viejo reichen in die 1950er-Jahre zurück, als sich Weinbauern aus Alfaro in einer örtlichen Kooperative organisierten. Der eigentliche Gründungsmoment kam 1987: Sechs Winzerfamilien – Castillo García, Galán Garijo, Gurría García, Marqués Malumbres, Rivas Marqués und Ruiz Casas – beschlossen, die Trauben ihrer eigenen Weinberge selbst zu vinifizieren und unter eigenem Namen zu vermarkten. Der Name spielt auf das „alte Viertel“ an, den historischen Kern von Alfaro.
Aus dem Zusammenschluss von sechs Familien ist ein mittelgroßes Familienunternehmen geworden, das heute nach eigenen Angaben von rund sechzehn Winzerfamilien getragen wird. Ein wichtiger Schritt war Ende 2003 die Verpflichtung von Gorka Etxebarria als leitendem Önologen. Unter seiner Regie wurde die Kellerei an der Calle Concordia modernisiert, das Sortiment in klar getrennte Marken gegliedert und der Export ausgebaut – heute gehen die Weine unter anderem nach Großbritannien, Belgien, Dänemark, in die USA, nach Japan und China.
Lage & Terroir
Alfaro liegt am äußersten Ostrand der Rioja, dort, wo der Ebro die Grenze zu Navarra bildet. Die Subzone Rioja Oriental ist die wärmste und trockenste der drei Rioja-Zonen: mediterran geprägtes Klima, viel Sonne, weniger Niederschlag als in der Rioja Alta oder Alavesa. Genau das macht sie zum klassischen Garnacha-Land – und zu einem Gebiet, in dem Tempranillo besonders reif und weich wird.
Die rund 200 Hektar von Burgo Viejo verteilen sich über das gesamte Gemeindegebiet von Alfaro. Sie reichen von den fruchtbaren Schwemmlandterrassen des Ebro-Tals bis hinauf an die Hänge des Monte Yerga, des Bergzugs südlich der Stadt, der zum Sistema Ibérico gehört. Dieser Höhenunterschied sorgt für eine große Vielfalt an Böden und Mikroklimata: Im Tal dominieren tiefgründige, kiesdurchsetzte Lehmböden, an den Hängen werden die Böden karger, kalkhaltiger und steiniger, und die kühleren Nächte in der Höhe bremsen die Reife. Die Rebstöcke sind im Schnitt über 30 Jahre alt; einige Parzellen mit alten Garnacha-Reben kommen auf bis zu 90 Jahre und mehr. Weil fast der gesamte Rebbesitz den Familien selbst gehört, hat die Bodega die Traubenqualität vom Rebschnitt bis zur Lese in der eigenen Hand.
Stil & Philosophie
Burgo Viejo versteht sich als Brücke zwischen Rioja-Tradition und moderner Kellertechnik. Die Familien sprechen von einer „neuen Art, Rioja zu verstehen“: Der Stolz auf die jahrhundertealte Weinbaugeschichte von Alfaro trifft auf den Anspruch, saubere, fruchtbetonte Weine zu machen, die auch ohne lange Flaschenreife Spaß machen.
Im Weinberg heißt das: sortenreine Parzellen, angepasste Erträge und ein wachsendes Augenmerk auf ökologische Bewirtschaftung – jüngere Anlagen mit Graciano und Tempranillo Blanco werden nach eigenen Angaben biologisch bewirtschaftet. Im Keller setzt Gorka Etxebarria auf temperaturkontrollierte Gärung in Edelstahl, schonende Extraktion und einen Ausbau in Barriques, der die Frucht stützt, statt sie zu überdecken. Die Crianzas werden nach den Regeln der DOCa mindestens ein Jahr im Fass ausgebaut, die Reservas entsprechend länger. Das Ergebnis sind Rioja-Weine mit reifer roter und schwarzer Frucht, weichem Tannin und moderatem Holzeinfluss – typisch für den warmen Osten der Region, aber mit der Frische, die die Höhenlagen am Monte Yerga beisteuern.
Dazu kommt ein hoher Anspruch an Prozessqualität: Die Kellerei ist nach den Lebensmittelsicherheitsstandards BRC und IFS zertifiziert. Und Burgo Viejo ist ein offenes Haus – die Bodega lässt sich besichtigen und wird in La Rioja als barrierefrei zugängliches Weingut geführt.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist in mehrere klar unterscheidbare Marken gegliedert:
- Burgo Viejo – die klassische Basislinie des Hauses: junger Tempranillo, Rosado und Weißwein aus Viura sowie der Burgo Viejo Crianza, der bekannteste Wein der Bodega – Tempranillo mit Anteilen von Garnacha und Graciano, rund ein Jahr im Barrique gereift
- Palacio del Burgo – die Reserva-Linie mit längerer Fass- und Flaschenreife, dazu weitere Abfüllungen bis hin zum Crianza
- Licenciado – eigenständige Reserva-Marke mit klassischem, gereiftem Rioja-Profil
- Palacio de Primavera – Crianza-Linie mit Schwerpunkt auf Frucht und Trinkfreude
- Finca Vidales – eigene Crianza-Marke, benannt nach einer Finca der Familien
Insgesamt produziert die Bodega jährlich rund 155.000 Kisten zu neun Litern. Der größte Teil bleibt in Spanien, ein wachsender Anteil geht in den Export.
Auszeichnungen
Burgo Viejo gehört zu den Rioja-Erzeugern, die bei den großen internationalen Wettbewerben Jahr für Jahr auftauchen: Die Weine wurden mehrfach bei Decanter World Wine Awards, International Wine Challenge und Mundus Vini mit Medaillen bedacht. 2016 wurde die Bodega im Rahmen von Mundus Vini als Golden League Top Producer in der Kategorie der Betriebe bis 250 Hektar ausgezeichnet. Einzelne Weine erreichten zudem beim Wine Advocate (Robert Parker) und beim International Wine Cellar (Stephen Tanzer) Bewertungen von über 90 Punkten – für Weine in dieser Preisklasse ein starkes Signal.
