Zusammenfassung
Das Weingut Bischel im rheinhessischen Appenheim gehört zu den Betrieben, die den Ruf der Region in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert haben. Die Brüder Matthias und Christian Runkel führen das Familiengut seit dem Jahrgang 2006 und haben es von einem soliden Ab-Hof-Betrieb zu einer der gefragtesten Adressen Rheinhessens gemacht. Auf rund 20 Hektar entstehen trockene, kompromisslos auf Herkunft gebaute Weißweine – vor allem Riesling, dazu Silvaner, Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc sowie Spät- und Frühburgunder. Zum 1. Januar 2019 wurde das Gut in den VDP aufgenommen.
Geschichte
Die Familie baut in Appenheim seit mehreren Generationen Reben an, doch das Weingut in seiner heutigen Form ist vergleichsweise jung. 1968 legte Großvater Karl-Heinz Bischel den Grundstein; seine Trauben gingen zunächst noch an die Genossenschaft. Aus dem landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb formten seine Tochter Heike und ihr Mann Hartmut Runkel ein eigenständiges Weingut. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre begann die Familie, ihre Weine selbst auf Flaschen zu füllen – der Name Bischel blieb dabei als Marke erhalten.
Der entscheidende Sprung kam mit der nächsten Generation. Matthias und Christian Runkel studierten beide an der Hochschule Geisenheim und sammelten Erfahrung außerhalb der Heimat: Matthias unter anderem beim VDP-Weingut Keller in Flörsheim-Dalsheim und in Neuseeland, Christian bei Tim Adams im australischen Clare Valley und auf dem südafrikanischen Weingut Backsberg. Seit dem Jahrgang 2006 verantworten die Brüder gemeinsam Weinberg und Keller. Sie reduzierten die Erträge, stellten auf Handlese um, kauften Parzellen in den besten Lagen der Umgebung hinzu und richteten das Sortiment konsequent auf trockene Herkunftsweine aus. 2019 folgte mit der Aufnahme in den VDP die offizielle Bestätigung dieses Wegs.
Lage & Terroir
Appenheim liegt im nordwestlichen Rheinhessen, auf halber Strecke zwischen Mainz und Bingen und damit in einer der trockensten und wärmsten Ecken Deutschlands. Prägend ist hier der Kalkstein: Die Hügel rund um Appenheim und Gau-Algesheim liegen auf mächtigen Kalk- und Mergelschichten, die im Untergrund Wasser speichern und den Weinen ihre kühle, salzige Signatur geben. Auf diesen Böden fällt der Riesling schlank, straff und beinahe kristallin aus, während der Silvaner eine kräuterwürzige Tiefe entwickelt.
Ganz anders der Binger Scharlachberg am Rand des Rheinknies: Hier bestimmen Quarzit und Schiefer das Bild, dazu eine steile Südexposition. Die Weine aus dieser Lage sind dunkler, würziger und kraftvoller – ein deutlicher Kontrast zur kühlen Präzision des Kalks. Genau diese Spannbreite macht das Portfolio des Guts aus: zwei Große Lagen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, gekeltert nach demselben Prinzip.
Stil & Philosophie
Die Arbeitsweise der Brüder Runkel ist bewusst reduziert. Im Weinberg bedeutet das eine naturnahe Bewirtschaftung mit Begrünung, konsequenter Ertragsreduzierung und Handlese in mehreren Durchgängen. Im Keller folgt daraus möglichst wenig Eingriff: spontane Gärung mit den weinbergseigenen Hefen, langes Hefelager, Ausbau im Edelstahl und im gebrauchten großen Holzfass, wenig Schwefel und kein Kaschieren von Herkunft durch Technik.
Das Ergebnis sind Weine, die eher über Struktur und Salzigkeit als über Frucht funktionieren. Die Gutsweine sind klar, trinkfreudig und unkompliziert, die Orts- und Lagenweine gewinnen mit einigen Jahren Flaschenreife deutlich an Tiefe. Neben dem Riesling verdient vor allem der Silvaner Aufmerksamkeit – eine Sorte, die auf rheinhessischem Kalk zu Höchstform aufläuft. Bei den Roten setzt das Gut auf Spätburgunder und den frühreifen Frühburgunder, die eher schlank und würzig als üppig ausfallen.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist nach der VDP-Pyramide gestaffelt: Gutswein, Ortswein, Erste und Große Lage. Zu den wichtigsten Lagen des Guts zählen:
- Appenheimer Hundertgulden – die Paradelage auf Kalkstein, Ursprung eines kühlen, mineralisch geprägten Riesling-Großen-Gewächses
- Binger Scharlachberg – Quarzit und Schiefer, steil und südexponiert, für kraftvolle, würzige Rieslinge
- Appenheimer Drosselborn – kalkgeprägt, oft für Silvaner und Riesling
- Gau-Algesheimer St. Laurenzikapelle, Goldberg und Johannisberg – weitere Lagen im Umfeld
Die beiden Großen Gewächse aus Hundertgulden und Scharlachberg gelten als Aushängeschilder des Guts und werden regelmäßig als Referenz für Rheinhessen genannt.
Auszeichnungen
Der Aufstieg des Guts lässt sich gut an den Weinführern ablesen. Der Eichelmann kürte die Weißweinkollektion des Guts zur Kollektion des Jahres, und auch Falstaff, Vinum und Gault&Millau bewerten die Weine seit Jahren im Spitzenfeld – das Riesling Große Gewächs aus dem Appenheimer Hundertgulden erhielt bei Falstaff etwa 94+ Punkte für den Jahrgang 2022. Die wichtigste Auszeichnung bleibt jedoch die Aufnahme in den VDP zum 1. Januar 2019, mit der Bischel endgültig im Kreis der deutschen Spitzenbetriebe angekommen ist.
