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Weingut Wagner-Stempel – Riesling vom Porphyr aus Siefersheim

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
1. August 2026
wagner-stempelrheinhessenriesling

Weingut Wagner-Stempel in Siefersheim: mineralische Bio-Rieslinge vom Porphyr aus Heerkretz und Höllberg. Geschichte, Stil, Lagen und Steckbrief im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Familienbetrieb in Siefersheim im äußersten Westen Rheinhessens, geführt von Daniel und Cathrin Wagner in der neunten Generation.
  • 2Rund 25 Hektar auf vulkanischem Porphyr (Rhyolith) – ein Gestein, das nur einen Bruchteil der rheinhessischen Rebfläche ausmacht.
  • 3Etwa die Hälfte der Fläche steht im Riesling, dazu Burgundersorten und Silvaner.
  • 4Seit 2004 VDP-Mitglied, seit 2008 ökologisch zertifiziert; komplette Handlese.
  • 5Große Gewächse aus den VDP.Großen Lagen Siefersheimer Heerkretz und Höllberg sowie dem Binger Scharlachberg.

Steckbrief

Region
Rheinhessen – Siefersheim (Rheinhessische Schweiz), Deutschland
Gegründet
Ursprünge der Familientradition um 1845; Flaschenweinvermarktung ab 1985, konsequente Neuausrichtung seit Anfang der 1990er-Jahre
Inhaber / Winzer
Daniel und Cathrin Wagner, neunte Generation; Daniel Wagner verantwortet Weinberg und Keller
Rebfläche
rund 25 Hektar rund um Siefersheim sowie im Binger Scharlachberg
Leitrebsorten
etwa 50 % Riesling, rund ein Viertel Burgundersorten, dazu Silvaner; kleinere Anteile Spätburgunder, Frühburgunder und St. Laurent
Weinstile
überwiegend trockene Weißweine vom Gutswein bis zum Großen Gewächs, dazu fruchtsüße Prädikate, Rotweine und Sekt
Klassifikation
VDP-Mitglied seit 2004 mit Großen Gewächsen; EU-Bio-zertifiziert seit 2008, zusätzlich FairChoice
Besonderheit
Riesling und Silvaner von vulkanischem Porphyr – ein Bodentyp, der in Rheinhessen extrem selten ist

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Zusammenfassung

Das Weingut Wagner-Stempel liegt in Siefersheim, ganz im Westen von Rheinhessen, dort wo das Anbaugebiet in die hügelige, fast raue Landschaft der Rheinhessischen Schweiz übergeht. Auf rund 25 Hektar arbeitet Daniel Wagner mit seiner Frau Cathrin in der neunten Generation – und zwar auf einem Untergrund, den es sonst kaum irgendwo in Rheinhessen gibt: vulkanischem Porphyr. Aus diesem Gestein entstehen Rieslinge mit kühler Frucht, feiner Kräuterwürze und einer salzigen Mineralität, die dem Betrieb innerhalb von zwei Jahrzehnten den Sprung an die Spitze des Gebiets ermöglicht hat. Seit 2004 ist das Gut VDP-Mitglied, seit 2008 arbeitet es ökologisch zertifiziert.

Geschichte

Die Familientradition reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück: Als Ausgangspunkt des Weinguts gilt das Jahr 1845. Lange war der Hof in Siefersheim aber kein reiner Weinbaubetrieb, sondern eine gemischte Landwirtschaft, wie sie in dieser Ecke Rheinhessens üblich war. Wein war ein Standbein unter mehreren, und der größte Teil der Ernte ging als Fasswein weg. Erst 1985 begann die Familie, eigene Flaschenweine zu vermarkten.

Der entscheidende Bruch kam Anfang der 1990er-Jahre, als Daniel Wagner die Verantwortung übernahm. Er konzentrierte den Betrieb vollständig auf den Weinbau, reduzierte die Erträge, stellte auf Handlese um und legte den Fokus konsequent auf die steilen Porphyr-Parzellen oberhalb des Ortes. Der Aufstieg ging schnell: 2004 wurde Wagner-Stempel in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen, 2008 folgte die ökologische Zertifizierung. Heute führen Daniel und Cathrin Wagner das Gut in der neunten Generation.

Bemerkenswert ist dabei, dass Siefersheim vor dieser Entwicklung praktisch keinen Namen hatte. Dass der Ort und seine Lagen heute in einem Atemzug mit den bekannten Riesling-Gemeinden Rheinhessens genannt werden, ist zu einem großen Teil das Verdienst dieses Betriebs.

Lage & Terroir

Siefersheim liegt im äußersten Westen Rheinhessens, nur wenige Kilometer südlich von Bad Kreuznach und damit näher an der Nahe als an den bekannten Weinorten des Rheinufers. Die Landschaft ist hier anders als im flachwelligen Kernland: steile Kuppen, Heideflächen, aufgelassene Steinbrüche und offen liegende Felswände prägen das Bild. Es ist eine der höher gelegenen und kühleren Ecken des Anbaugebiets – ein Vorteil in wärmer werdenden Jahrgängen, weil die Trauben ihre Säure und Aromatik behalten.

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal steckt im Boden. Unter den besten Lagen liegt Porphyr, auch Rhyolith genannt: ein hartes, kieselsäurereiches vulkanisches Ergussgestein, das nur auf einem winzigen Bruchteil der rheinhessischen Rebfläche vorkommt. Porphyr speichert kaum Wasser – Regen läuft schnell durch, die Reben müssen tief in die Klüfte wurzeln. Genau daraus entsteht der Charakter der Weine: wenig fette Frucht, dafür Zug, Kräuterwürze und eine salzig-mineralische Länge. In den flacheren, etwas milderen Zonen sorgen Löss- und Lehmauflagen für rundere, zugänglichere Weine.

Stil & Philosophie

Daniel Wagner beschreibt seine Arbeit als handwerklichen Weinbau in überschaubarem Maßstab. Konkret heißt das: vollständige Handlese, niedrige Erträge, schonende Verarbeitung und ein Keller, der möglichst wenig eingreift. Die Weine gären langsam und reifen je nach Herkunft in Edelstahl oder im traditionellen Holzfass, mit langem Hefekontakt. Ziel ist eine transparente Übersetzung des Bodens ins Glas – kein aufgesetzter Kellerstil.

Stilistisch sind die Weine eher zurückhaltend als laut. Junge Große Gewächse wirken oft geradezu verschlossen und brauchen Zeit; erst nach einigen Jahren zeigen sie ihre Tiefe. Neben dem Riesling gilt der Silvaner als heimliche Spezialität des Hauses – auf Porphyr bekommt die Sorte eine würzige Präzision, die man ihr in Rheinhessen nicht überall zutraut. Dazu kommen Weißburgunder und Chardonnay, kleinere Mengen Spätburgunder, Frühburgunder und St. Laurent sowie eine eigene Sektlinie.

Bio seit 2008

Die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung passt zur Lage: Die kargen, steinigen Hänge mit ihrer Heidevegetation sind ein empfindliches Umfeld, in dem Begrünung, Bodenleben und Artenvielfalt unmittelbar auf die Rebe zurückwirken. Der Betrieb ist EU-Bio-zertifiziert und zusätzlich im Nachhaltigkeitsprogramm FairChoice gelistet; ein eigenes Nachhaltigkeitsleitbild fasst die Ziele zusammen.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment folgt der VDP-Pyramide: Gutsweine, Ortsweine aus Siefersheim, Weine aus Ersten Lagen und an der Spitze die Großen Gewächse. Zu den wichtigsten Lagen zählen:

  • Siefersheimer Heerkretz – die klassische Große Lage des Guts, der südliche Teil des Porphyrbergs, extrem steinig und karg
  • Siefersheimer Höllberg – die wärmste Lage der Gemarkung, etwas weniger steinig, mit früher Reife und mehr Fülle
  • Binger Scharlachberg – eine berühmte Steillage über dem Rhein, ebenfalls als Große Lage klassifiziert
  • Erste Lagen rund um Siefersheim sowie in Neu-Bamberg und Fürfeld

Ein guter Einstieg in die Handschrift des Guts ist der Riesling „Porphyr“, der aus jüngeren Reben der beiden Spitzenlagen stammt und deren Stil im Kleinen vorführt – zu einem Bruchteil des Preises der Großen Gewächse.

Auszeichnungen

Der Aufstieg des Guts spiegelt sich in den Weinführern. Der Eichelmann kürte Wagner-Stempel im Jahrgang 2007 zum Newcomer des Jahres, Gault-Millau folgte 2009 mit einer vergleichbaren Ehrung. Das Magazin Stern führte den Betrieb unter Deutschlands 100 besten Weingütern. Seither steht Wagner-Stempel konstant in den oberen Bewertungsrängen der einschlägigen Führer und gilt als eine der Referenzadressen für mineralischen Riesling aus Rheinhessen. Die Aufnahme in den VDP im Jahr 2004 war dabei weniger ein Endpunkt als der Startschuss für die internationale Wahrnehmung von Siefersheim als Riesling-Herkunft.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Wagner-Stempel bekannt?

Für mineralische, kühl wirkende Rieslinge von vulkanischem Porphyr. Daniel Wagner hat Siefersheim – lange ein weißer Fleck auf der Weinkarte Rheinhessens – zu einer der spannendsten Riesling-Adressen des Anbaugebiets gemacht. Charakteristisch sind eine klare, salzige Würze und Weine, die in der Jugend oft verschlossen wirken und mit Reife enorm gewinnen.

Wo liegt das Weingut Wagner-Stempel?

In Siefersheim, im äußersten Westen Rheinhessens in der sogenannten Rheinhessischen Schweiz, nur wenige Kilometer von Bad Kreuznach entfernt. Die Landschaft ist hügelig und rau, mit Heideflächen, alten Steinbrüchen und freiliegenden Felswänden vulkanischen Ursprungs.

Arbeitet Wagner-Stempel biologisch?

Ja. Der Betrieb ist seit 2008 ökologisch zertifiziert und arbeitet nach EU-Bio-Richtlinien; zusätzlich ist er im Nachhaltigkeitsprogramm FairChoice gelistet. Gelesen wird komplett von Hand.

Was ist Porphyr und warum ist er für die Weine wichtig?

Porphyr, auch Rhyolith genannt, ist ein hartes vulkanisches Ergussgestein mit hohem Kieselsäureanteil. Es speichert kaum Wasser, sodass die Reben tief wurzeln müssen. Das Ergebnis sind straffe, zurückhaltend fruchtige Weine mit feiner Kräuterwürze und der salzigen Note, die als Handschrift des Guts gilt.

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