Weingüter

Maison Tardieu-Laurent – Rhône-Weine aus alten Reben, ausgebaut in Lourmarin

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
30. Juli 2026
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Maison Tardieu-Laurent in Lourmarin: négociant-éleveur für Rhône-Weine aus alten Reben – Cornas, Hermitage, Châteauneuf. Geschichte, Stil und Steckbrief.

Das Wichtigste in Kürze

  • 11994 von Michel Tardieu und dem Burgunder Négociant Dominique Laurent gegründet – ab 1996 mit eigenem Keller in Lourmarin im Luberon.
  • 2Kein Lagen-Weingut, sondern négociant-éleveur: Trauben und Jungweine kommen von rund 100 langjährigen Partnerwinzern.
  • 3Konsequenter Fokus auf alte Reben – meist etwa 40 bis 120 Jahre alt – aus der gesamten Rhône.
  • 4Burgundisch geprägter Ausbau: Rotweine rund zwei Jahre im Holz, Weißweine etwa 8 bis 10 Monate mit Bâtonnage, ungeschönt gefüllt.
  • 5Der Cornas Vieilles Vignes 1995 wurde vom Wine Spectator zum besten Rhône-Wein gekürt – der internationale Durchbruch des Hauses.

Steckbrief

Region
Rhône (gesamtes Tal) – Sitz und Keller in Lourmarin im Luberon, Vaucluse, Frankreich
Gegründet
1994 von Michel Tardieu und Dominique Laurent; eigener Keller in Lourmarin ab 1996
Inhaber / Winzer
Familie Tardieu – Michel Tardieu und sein Sohn Bastien Tardieu (Œnologe, verantwortlich für Vinifikation und Ausbau)
Rebfläche
keine bzw. nur geringe eigene Rebflächen – Trauben und Jungweine von rund 100 langjährigen Partnerwinzern mit alten Reben
Leitrebsorten
Syrah, Grenache, Mourvèdre; bei den Weißweinen Roussanne, Marsanne und Viognier
Weinstile
Dichte Syrah-Rotweine des Nordens, Grenache-geprägte Cuvées des Südens, kleine Mengen Weißwein, dazu Rosé aus Tavel
Klassifikation
AOC-Weine aus der ganzen Rhône – u. a. Cornas, Hermitage, Côte-Rôtie, Saint-Joseph, Crozes-Hermitage, Condrieu, Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueyras, Côtes du Rhône
Besonderheit
Ausbauhaus statt Weingut – burgundischer Barrique- und Foudre-Ausbau für Rhône-Syrah und -Grenache

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Zusammenfassung

Maison Tardieu-Laurent im provenzalischen Lourmarin ist kein klassisches Weingut mit eigenen Lagen, sondern ein négociant-éleveur: ein Haus, das Trauben und Jungweine von ausgewählten Partnerwinzern kauft und sie im eigenen Keller vinifiziert und ausbaut. Gegründet wurde es 1994 von Michel Tardieu und dem burgundischen Négociant Dominique Laurent – mit der Idee, burgundische Ausbaumethoden auf die Rhône zu übertragen: kleine Partien, alte Reben, langer Fassausbau. Die Weine stammen aus fast der gesamten Rhône, von Cornas, Hermitage und Côte-Rôtie im Norden bis Châteauneuf-du-Pape, Gigondas und Vacqueyras im Süden. Heute führen Michel Tardieu und sein Sohn Bastien Tardieu das Haus gemeinsam.

Geschichte

Die Geschichte des Hauses beginnt 1994 mit einer ungewöhnlichen Partnerschaft. Michel Tardieu, aus dem Luberon stammend und ursprünglich nicht aus der Weinbranche, wollte Weine von alten Rhône-Reben in einer Qualität auf die Flasche bringen, wie sie damals kaum jemand aus zugekauftem Material erzeugte. Als Partner gewann er Dominique Laurent, einen bereits etablierten Burgunder Négociant, der für seinen kompromisslosen, holzbetonten Ausbau bekannt war. Die ersten Jahrgänge wurden noch in Laurents Kellern im Burgund ausgebaut; ab 1996 hatte das Haus seinen eigenen Keller in Lourmarin.

Der Durchbruch kam schnell: Der Cornas Vieilles Vignes 1995 wurde vom Wine Spectator zum besten Rhône-Wein gekürt – für ein Haus, das gerade zwei Jahre existierte, ein spektakulärer Start. Dominique Laurent stieg Anfang der 2000er Jahre aus der Partnerschaft aus; die Familie Tardieu übernahm die Anteile und die Rechte am Namen vollständig. Der Doppelname blieb – er steht heute für die Herkunft der Idee, nicht mehr für die Eigentümerstruktur.

Mit Bastien Tardieu (Jahrgang 1983) kam Ende der 2000er Jahre die zweite Generation dazu. Der ausgebildete Œnologe sammelte zunächst Erfahrung bei Weinlesen in Australien und Neuseeland, bevor er in den Betrieb einstieg und die Verantwortung für Vinifikation und Ausbau übernahm. Unter seiner Hand wurde der Stil des Hauses erkennbar präziser und weniger holzdominiert als in den Anfangsjahren.

Lage & Terroir

Sitz und Keller liegen in Lourmarin am Südhang des Luberon – landschaftlich Provence, weinbaulich am südlichen Rand des Rhône-Einflussgebiets. Der Standort ist bewusst gewählt: Er liegt verkehrsgünstig zwischen dem südlichen Rhônetal und der Provence, ist aber selbst keine Prestige-Appellation. Das Terroir der Weine liegt woanders – nämlich in den Parzellen der Partnerwinzer.

Und diese Parzellen decken ein sehr breites Spektrum ab. Im nördlichen Rhônetal kommen die Trauben von steilen Granit- und Schieferhängen: Côte-Rôtie, Hermitage, Crozes-Hermitage, Saint-Joseph und Cornas liefern reinsortige, straffe Syrah. Im Süden dominieren die galets roulés, Kalk-, Sand- und Lehmböden von Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueyras und Rasteau mit Grenache-geprägten Cuvées. Gemeinsames Kriterium ist nicht die Appellation, sondern das Rebalter: Gesucht werden alte Reben, in der Regel etwa 40 bis 120 Jahre, mit sehr niedrigen Erträgen. Rund 100 Winzerfamilien arbeiten dafür teils seit Jahrzehnten mit dem Haus zusammen.

Stil & Philosophie

Die Philosophie ist die eines éleveur: Der Wein wird nicht im Keller erfunden, sondern durch Selektion und Ausbau geformt. Eingekauft werden Trauben und junge Weine in kleinen Mengen – oft nur eine Handvoll bis zwei Dutzend Fässer pro Cuvée. Anschließend übernimmt der Keller in Lourmarin.

Prägend ist der Holzausbau, direkt aus dem Burgund übernommen. Die Rotweine reifen rund zwei Jahre in französischer Eiche und wandern dabei von neuen und einjährigen Barriques in größere Gebinde und Foudres – die Fassreife wird also gestaffelt statt konstant gehalten. Ein Teil der Trauben wird als Ganztraube vergoren. Die Weißweine liegen etwa 8 bis 10 Monate im Holz, mit regelmäßiger Bâtonnage auf der Feinhefe. Gefüllt wird ungeschönt und nur minimal filtriert.

Das Ergebnis sind Weine mit viel Substanz und klarer Fassprägung, die jung oft kompakt wirken und mit Flaschenreife deutlich gewinnen. Weil die Basis alte Reben mit geringem Ertrag sind, tragen sie das Holz – und behalten in den besten Cuvées Frische und Appellationscharakter.

Bekannte Lagen & Weine

Statt Einzellagen prägen bei Tardieu-Laurent die Appellationen und zwei Cuvée-Linien das Sortiment: die Vieilles Vignes-Weine aus den ältesten Reben und daneben eigenständige Parzellen-Cuvées.

  • Cornas Vieilles Vignes – die Cuvée, die das Haus 1995 international bekannt machte
  • Cornas „Coteaux" – reinsortige Syrah von Parzellen wie Les Savaux, Les Chaillots und Patou am Hangfuß
  • Hermitage und Côte-Rôtie – die Spitzen des nördlichen Sortiments, in sehr kleinen Mengen
  • Saint-Joseph Vieilles Vignes und Crozes-Hermitage – zugänglichere nördliche Syrah
  • Châteauneuf-du-Pape Vieilles Vignes – Grenache-basierte Cuvée aus dem Süden
  • Gigondas, Vacqueyras und Rasteau – kräftige südliche Rotweine
  • Condrieu Vieilles Vignes und weiße Cuvées aus Roussanne und Marsanne
  • Tavel Vieilles Vignes – Rosé mit Struktur statt Leichtigkeit

Auszeichnungen

Der wichtigste frühe Erfolg bleibt der Cornas Vieilles Vignes 1995, den der Wine Spectator zum besten Rhône-Wein wählte – zwei Jahre nach Gründung des Hauses. Seither erhalten die Weine regelmäßig hohe Bewertungen in der internationalen Fachpresse; der Condrieu Vieilles Vignes wurde in einem jüngeren Jahrgang mit 97 Punkten vom Wine Spectator bewertet. Der französische Führer La Revue du Vin de France führte das Haus in der Ausgabe 2021 mit zwei Sternen. Tardieu-Laurent gilt damit als Beleg dafür, dass ein Ausbauhaus ohne eigene Rebflächen zur Spitze einer Region gehören kann.

Häufige Fragen

Was ist Maison Tardieu-Laurent – ein Weingut oder ein Handelshaus?

Tardieu-Laurent ist ein négociant-éleveur, also ein Ausbauhaus. Das Haus besitzt praktisch keine eigenen Rebflächen, sondern kauft Trauben und Jungweine von langjährigen Partnerwinzern mit alten Reben und baut sie im eigenen Keller in Lourmarin aus. Vinifikation, Fassauswahl, Ausbau und Abfüllung liegen komplett in der Hand der Familie Tardieu – anders als bei einem reinen Weinhändler.

Besitzt Tardieu-Laurent eigene Weinberge?

Nein, nennenswerte eigene Rebflächen gehören nicht zum Haus. Die Qualität entsteht über die Auswahl der Parzellen und über feste, oft jahrzehntelange Beziehungen zu rund 100 Winzern in der Rhône, die alte Reben mit sehr niedrigen Erträgen bewirtschaften. Genau dieses Modell – großer Wein ohne eigenen Weinberg – war bei der Gründung ungewöhnlich.

Aus welchen Appellationen kommen die Weine?

Das Sortiment deckt fast die gesamte Rhône ab: im Norden Côte-Rôtie, Hermitage, Crozes-Hermitage, Saint-Joseph, Cornas, Condrieu und Saint-Péray, im Süden Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueyras, Rasteau, Tavel und Côtes du Rhône. Dazu kommen einzelne Weine aus dem Süden Frankreichs, etwa aus Bandol und dem Languedoc.

Wofür steht der Stil von Tardieu-Laurent?

Für Dichte und Struktur mit deutlicher Holzprägung: Die Rotweine reifen rund zwei Jahre in französischer Eiche, vom neuen Fass über gebrauchte Barriques bis zum großen Foudre, und werden ungeschönt und nur minimal filtriert gefüllt. Junge Jahrgänge wirken kompakt, mit einigen Jahren Flaschenreife öffnen sie sich zu sehr langlebigen Rhône-Weinen.

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