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Staatsweingut Freiburg – Forschung, Piwi-Pioniere und Große Lagen am Kaiserstuhl

Staatsweingut Freiburg in Baden: Weingut des Weinbauinstituts, rund 37 Hektar am Kaiserstuhl und in Freiburg, VDP.Grosse Lagen, Piwi-Pionier. Porträt & Fakten.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Weingut des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg – seit der Gründung des Instituts 1920 Versuchs- und Lehrbetrieb des Landes Baden-Württemberg.
  2. 2Rund 37 Hektar auf zwei Standorten: etwa 24 Hektar am Blankenhornsberg bei Ihringen am Kaiserstuhl und rund 13 Hektar in Freiburg und Ebringen.
  3. 3VDP-Mitglied mit VDP.Grossen Lagen: Freiburger Schlossberg auf Gneis sowie die Doktorgarten-Parzellen Winklen und Kleintal auf Vulkanverwitterung – im Alleinbesitz.
  4. 4Piwi-Pionier: Am Institut wurden Sorten wie Johanniter, Solaris, Muscaris, Souvignier gris und Cabernet Carbon gezüchtet – das Gut baut sie sortenrein aus.
  5. 5Der Gutsbetrieb Blankenhornsberg geht auf die Brüder Blankenhorn zurück (1842) – Adolph Blankenhorn gilt als Mitbegründer der deutschen Weinwissenschaft.

Zusammenfassung

Das Staatsweingut Freiburg ist ein Weingut mit doppelter Aufgabe: Es ist der Gutsbetrieb des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg und damit zugleich Forschungs-, Lehr- und Modellbetrieb des Landes Baden-Württemberg – und ein VDP-Weingut mit Großen Lagen am Kaiserstuhl und direkt in Freiburg. Auf rund 37 Hektar entstehen Burgunderweine von internationalem Zuschnitt, Riesling vom Gneis des Freiburger Schlossbergs, Sekt und eine der bekanntesten Piwi-Kollektionen Deutschlands. Denn hier, am Weinbauinstitut, wurden viele der pilzwiderstandsfähigen Rebsorten gezüchtet, die heute in ganz Europa gepflanzt werden. Wer wissen will, wie Wissenschaft schmeckt, findet in Freiburg die Antwort.

Geschichte

Die Wurzeln des Guts liegen am Kaiserstuhl: Zwischen 1842 und 1844 erwarben die Brüder Nikolaus, Adolph Friedrich und Jakob Wilhelm Blankenhorn Rebflächen bei Ihringen und gründeten den Betrieb, der bis heute ihren Namen trägt – den Blankenhornsberg. 1847 folgte das Weinhandelshaus „Gebrüder Blankenhorn" samt Fasskeller; auf der Wiener Weltausstellung 1873 wurden die Weine prämiert. Prägend wurde vor allem Adolph Blankenhorn, der Sohn eines der Gründer: Er nutzte den Betrieb als Versuchsstation für seine Forschung zu Weinbau und Kellerwirtschaft, engagierte sich im Kampf gegen die Reblaus und gilt als Mitbegründer der deutschen Weinwissenschaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte die Familie das Gut 1919 an die Badische Landwirtschaftskammer, die es als Musterbetrieb führte. 1933 wurde der Betrieb verstaatlicht; nach dem Zweiten Weltkrieg ging er in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über und wurde dem Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg als Versuchs- und Lehrbetrieb angegliedert. Das Institut selbst war 1920 gegründet worden, hervorgegangen aus einer badischen Rebveredelungsanstalt von 1917. Seither bilden Institut und Weingut eine Einheit: Forschung, Ausbildung und Weinerzeugung unter einem Dach, in Trägerschaft des Landes.

Lage & Terroir

Die rund 37 Hektar verteilen sich auf zwei sehr unterschiedliche Standorte. Der größere Teil – etwa 24 Hektar – liegt am Blankenhornsberg bei Ihringen am Kaiserstuhl, einem erloschenen Vulkan in der Oberrheinebene. Hier wachsen die Reben auf Vulkanverwitterungsböden, teils mit Löss überlagert, in Steillagen mit bis zu 50 Prozent Neigung und auf 200 bis 310 Metern Höhe. Der Kaiserstuhl gehört zu den wärmsten Weinbaugebieten Deutschlands – die Trauben entwickeln hier ein intensives, volles Aroma, das die mineralischen Böden mit Spannung und Säure ausbalancieren.

Der zweite Standort liegt im Breisgau: rund 13 Hektar in Freiburg und Ebringen. Das Herzstück ist der Freiburger Schlossberg, ein nach Süden geneigter Steilhang unmittelbar über der Altstadt, auf Gneisverwitterung in 220 bis 280 Metern Höhe. Die Parzellen werden von Hand bewirtschaftet, ohne Maschinenverkehr. Höher hinauf geht es am Jesuitenschloss und am Jägerhäusleweg in 280 bis 370 Metern – kühlere Lagen auf Lehm, Ton und Gneis mit Kies, die Finesse und Frische liefern. Diese Spannweite von Vulkan bis Gneis, von warm bis kühl, ist das eigentliche Kapital des Guts.

Stil & Philosophie

Das Staatsweingut versteht sich als „gelebte Wissenschaft": Erkenntnisse aus dem Weinbauinstitut – zu Rebsorten, Pflanzenschutz, Bodenpflege oder Kellertechnik – werden im Gut umgesetzt und damit für die gesamte Branche sichtbar gemacht. Der Anspruch ist, die einzigartigen Lagen nachhaltig zu bewirtschaften und als Vorbild zu wirken. Dazu gehören Schafe in den Weinbergen, Mehrwegflaschen und die ECOVIN-Zertifizierung der Piwi-Flächen.

Stilistisch fährt das Gut zweigleisig. In den Ersten und Großen Lagen wird klassisch-international ausgebaut, mit deutlichem burgundischem Einfluss: dichte, komplexe Spätburgunder vom Vulkanboden, elegante Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay und ein mineralischer Riesling vom Schlossberg. Im Gutsweinbereich darf es moderner und experimenteller zugehen – hier haben auch die Piwi-Sorten ihren Platz.

Die Piwi-Pioniere

Das Staatliche Weinbauinstitut gilt in Europa als führend in der Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten. Aus Freiburg stammen unter anderem die weißen Sorten Johanniter, Solaris, Muscaris, Souvignier gris, Bronner und Helios sowie die roten Sorten Cabernet Carbon, Cabernet Cortis, Monarch und Prior. Sie brauchen deutlich weniger Pflanzenschutz und sind damit ein Schlüssel für ökologischen Weinbau. Im Sortiment des Staatsweinguts finden sich Johanniter und Cabernet Carbon als sortenreine Weine und Solaris als edelsüße Spezialität – Weine, die zeigen, dass Piwis längst mehr sind als ein Forschungsthema.

Bekannte Lagen & Weine

Das Staatsweingut bewirtschaftet gleich mehrere VDP.Grosse Lagen – eine Seltenheit in Baden:

  • Blankenhornsberger Doktorgarten Winklen – VDP.Grosse Lage im Alleinbesitz, Vulkanverwitterung, 30 bis 50 Prozent Hangneigung; Spätburgunder, Chardonnay und Grauburgunder
  • Blankenhornsberger Doktorgarten Kleintal – VDP.Grosse Lage im Alleinbesitz, ostexponiert auf dunklem Mineralboden mit Löss; Weißburgunder
  • Freiburger Schlossberg – VDP.Grosse Lage auf Gneis, Südsteilhang über der Stadt; Riesling und Chardonnay, darunter das Riesling VDP.Grosses Gewächs
  • Blankenhornsberger Doktorgarten – VDP.Erste Lage mit 62 Einzelparzellen; Weiß-, Grau- und Spätburgunder, Muskateller, Auxerrois
  • Freiburger Jesuitenschloss – VDP.Erste Lage in 280 bis 370 Metern; Spätburgunder und Grauburgunder
  • Freiburger Jägerhäusleweg – VDP.Erste Lage, rund ein Hektar Auxerrois auf Gneis mit Kies – eine Rarität von nur etwa 1.000 Flaschen im Jahr

Dazu kommen Sekte (VDP.Sekt), edelsüße Weine und alkoholfreie Alternativen – ein Sortiment, das die ganze Bandbreite zwischen Tradition und Forschung abbildet.

Auszeichnungen

Die Großen Gewächse des Staatsweinguts werden von den führenden deutschen Weinführern regelmäßig hervorgehoben: Gault&Millau bescheinigte ihnen erstklassige Qualität, Falstaff lobte Tiefe und Spiel der Weine, die ihre Herkunft mit Kraft, aber auch Balance zeigen. Historisch reicht die Erfolgsgeschichte weit zurück – bis zu den Prämierungen auf den Weltausstellungen in Wien 1873 und Paris 1878, wo Adolph Blankenhorn eine Goldmedaille gewann. Mindestens ebenso wichtig ist die Anerkennung, die das Weinbauinstitut für seine Rebenzüchtung genießt: Kaum eine Einrichtung hat den europäischen Piwi-Weinbau so geprägt wie Freiburg.

Häufige Fragen

Was ist das Besondere am Staatsweingut Freiburg?

Es ist das Weingut des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg und damit ein Betrieb, in dem Forschung und Praxis zusammenfallen. Was am Institut erforscht wird – etwa pilzwiderstandsfähige Rebsorten oder nachhaltige Bewirtschaftung – wird im Gut in der Praxis erprobt und als Wein in die Flasche gebracht. Träger ist das Land Baden-Württemberg.

Wo liegen die Weinberge des Staatsweinguts Freiburg?

Die rund 37 Hektar verteilen sich auf zwei Standorte: etwa 24 Hektar am Blankenhornsberg bei Ihringen am Kaiserstuhl mit Vulkanverwitterungsböden und Löss sowie rund 13 Hektar in Freiburg und Ebringen, darunter der Freiburger Schlossberg mit Gneisverwitterung direkt über der Altstadt.

Ist das Staatsweingut Freiburg ein VDP-Weingut?

Ja. Das Staatsweingut Freiburg ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Als VDP.Grosse Lagen sind der Freiburger Schlossberg sowie die Doktorgarten-Parzellen Winklen und Kleintal am Blankenhornsberg klassifiziert; dazu kommen VDP.Erste Lagen wie das Freiburger Jesuitenschloss und der Jägerhäusleweg.

Was sind Piwi-Weine und warum spielt das Staatsweingut dabei eine Rolle?

Piwi steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die deutlich weniger Pflanzenschutz brauchen. Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg gilt in Europa als führend in der Züchtung solcher Sorten – Johanniter, Solaris, Muscaris, Souvignier gris oder Cabernet Carbon stammen von hier. Das Staatsweingut baut sie aus, teils sortenrein, teils als edelsüße Spezialität.

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