Zusammenfassung
Das Weingut Neumeister in Straden ist das Aushängeschild des Vulkanlands Steiermark und zählt zu den besten Weißweinerzeugern Österreichs. Auf rund 30 Hektar steilen, kleinparzellierten Weinbergen entstehen Sauvignon Blanc, Morillon (Chardonnay), Weißburgunder, Grauburgunder und Gelber Muskateller – spontan vergoren, lange auf der Hefe gereift und mit einer Struktur, die viele Jahre Flaschenreife verträgt. Seit 2009 führt Christoph Neumeister das Familienweingut in dritter Generation. Er hat den Betrieb konsequent auf biologische Bewirtschaftung umgestellt und wurde 2019 von Falstaff zum Winzer des Jahres gekürt. Zum Gut gehört auch die Saziani Stub'n, ein Restaurant mit Hotel, das seit 1987 Wein und Küche verbindet.
Geschichte
Die Geschichte des Weinguts beginnt 1971, als Rupert Neumeister das Gut Saziani übernahm, das zuvor vom Land Steiermark bewirtschaftet worden war, und es mit den eigenen Weinbergen der Familie zusammenführte. Ab 1981 führten Albert und Anna Neumeister den Betrieb. Sie bauten ihn zum Weingut aus und prägten sein Profil: Albert Neumeister begann bereits in den 1990er-Jahren, die Weinberge naturnah zu bewirtschaften, und 1987 eröffnete das Paar die Saziani Stub'n, die sich rasch zu einer der bekanntesten Genussadressen der Steiermark entwickelte.
1998 entstand ein moderner, in den Hang gebauter Keller, der 2003 um einen Fasskeller und Verkostungsräume erweitert wurde. 2009 übernahm Sohn Christoph Neumeister die Leitung. Nach seiner Ausbildung – unter anderem bei einem Pionier des biodynamischen Weinbaus in Südtirol – stellte er das Gut ab 2008 auf biologische Bewirtschaftung um; seit dem Jahrgang 2013 sind die Weinberge zertifiziert. Unter seiner Führung wurde Neumeister zur Referenz des Vulkanlands und 2019 mit dem Titel Falstaff-Winzer des Jahres ausgezeichnet.
Lage & Terroir
Straden liegt im Vulkanland Steiermark im Südosten Österreichs, einer hügeligen Landschaft, die von erloschenen Vulkanen geprägt wurde. Die Weinberge von Neumeister verteilen sich auf steile, teils terrassierte Hänge rund um den Ort. Anders als der Name der Region vermuten lässt, stehen die Reben hier vor allem auf kalkhaltigen Sedimentböden aus dem Tertiär: Sandstein, Muschelkalk, Tonmergel und Sarmatschotter. Diese kargen Böden begrenzen die Erträge und geben den Weinen ihre charakteristische salzige, mineralische Prägung.
Das Klima ist ein Spannungsfeld: Warme pannonische Einflüsse aus dem Osten treffen auf feuchte, illyrische Luft aus dem Süden. Heiße Tage und kühle Nächte sorgen für reife Frucht bei gleichzeitig frischer Säure. Viele Rebanlagen sind über 40 Jahre alt, die kleinen Parzellen werden fast ausschließlich von Hand bearbeitet – eine Voraussetzung für die Präzision der Riedenweine.
Stil & Philosophie
Christoph Neumeister versteht sich als Begleiter, nicht als Macher seiner Weine. Die Trauben werden selektiv von Hand in kleinen Kisten gelesen, im Keller folgen eine verlängerte Maischestandzeit, Spontangärung mit weinbergseigenen Hefen und ein langes Hefelager – beim Sauvignon Blanc aus den Rieden bis zu 18 Monate. Auf Schönung und Feinfiltration wird verzichtet, Schwefel kommt nur sparsam zum Einsatz. Der Morillon reift im Holzfass, die Ortsweine im großen Holz oder Edelstahl.
Das Ergebnis sind Weißweine, die weniger auf laute Primärfrucht als auf Struktur, Tiefe und Salzigkeit setzen. Sie zeigen die Herkunft deutlicher als die Rebsorte und entwickeln sich über Jahre in der Flasche. Rund 140.000 Flaschen entstehen pro Jahr, dazu Sekt, Traubensaft, Brände und Essig.
Herkunft in drei Stufen
Seit der Einführung der Vulkanland Steiermark DAC (ab dem Jahrgang 2018) gliedert Neumeister sein Sortiment nach dem steirischen Herkunftsmodell: Gebietsweine als frische, sortentypische Einstiegsweine, Ortsweine aus Straden mit mehr Dichte und Lagerfähigkeit, und an der Spitze die Riedenweine, die erst nach langer Reife auf den Markt kommen und den Charakter der einzelnen Lagen abbilden.
Bekannte Lagen & Weine
Neumeister ist Mitglied der Steirischen Terroir- und Klassikweingüter (STK), die ihre besten Lagen in Erste und Große STK-Rieden einteilen. Vier Rieden des Guts sind klassifiziert:
- Ried Moarfeitl (Große STK) – die Paradelage des Guts, Sauvignon Blanc und Morillon von großer Dichte und Länge; der Sauvignon Blanc aus dem Moarfeitl wurde vom Wine Advocate als Sammlerklassiker beschrieben
- Ried Saziani (Große STK) – historischer Kern des Weinguts, Heimat der Burgundersorten Weißburgunder und Grauburgunder
- Ried Klausen (Erste STK) – Sauvignon Blanc mit Frische und Spannung
- Ried Steintal (Erste STK) – steile Lage mit kargen Böden, mineralische Weißweine
Daneben bewirtschaftet das Gut weitere Lagen wie Buchberg, Silberberg, Weißenberg und Ingerl. Das Sortiment reicht vom Gebietswein über den Ortswein Straden bis zu den Riedenweinen; ergänzt wird es durch Gelben Muskateller, Traminer sowie kleine Mengen Zweigelt und Blauburgunder.
Auszeichnungen
Der bisher größte Erfolg kam 2019, als Falstaff Christoph Neumeister zum Winzer des Jahres kürte – bei der bis dahin größten Weißweingala des Magazins in der Wiener Hofburg. 2021 wurde das Weingut in den Kreis der Fünf-Sterne-Weingüter von Falstaff aufgenommen, zu dem nur die besten Erzeuger Österreichs zählen. Im selben Zeitraum zeichnete wein.plus die Weine als Kollektion des Jahres aus, und Stephan Reinhardt vom Wine Advocate lobte den Sauvignon Blanc aus der Ried Moarfeitl als Klassiker von großer Eigenständigkeit. Die Saziani Stub'n gehört zudem seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Restaurants der Steiermark – ein Beleg dafür, dass bei Neumeister Wein und Küche zusammengehören.
