Zusammenfassung
Die Weinkellerei Lenz Moser in Rohrendorf bei Krems ist eine der bekanntesten Weinadressen Österreichs – und eine der einflussreichsten. Ihr Name steht für zwei Dinge: für breit verfügbare österreichische Qualitätsweine aus Niederösterreich und dem Burgenland, und für eine Erfindung, die den europäischen Weinbau grundlegend verändert hat. Prof. Lenz Moser III entwickelte ab 1928 in Rohrendorf die sogenannte Hochkultur: eine Rebenerziehung mit hohem Stamm und weiten Zeilen, die den Weinbau mechanisierbar machte. Heute wird der weit überwiegende Teil der österreichischen Rebflächen nach diesem Prinzip bewirtschaftet. Das Unternehmen selbst arbeitet mit rund 3.000 Vertragswinzern zusammen und bewirtschaftet zusätzlich zwei eigene Schlossweingüter.
Geschichte
Der Ausgangspunkt liegt im Jahr 1849: Anton Moser erwarb vom Stift Melk einen Kellergrund und zehn kleine Weingärten mit zusammen etwa 1,4 Hektar. Der Keller in Rohrendorf, der heute das Herz des Betriebs bildet, ist als Weinbaustandort noch weit älter – erste urkundliche Erwähnungen reichen bis um 1040 zurück.
Zur prägenden Figur wurde die dritte Generation. Prof. Lenz Moser III (1905–1978) übernahm den Betrieb 1929, gründete eine eigene Weinbauschule und begann bereits 1928 mit Versuchen zu einer neuen Rebenerziehung. Ab 1935 pflanzte er größere Flächen nach diesem System, das in den 1950er-Jahren den österreichischen Weinbau umwälzte. Für seine Verdienste erhielt er 1970 das Ehrendoktorat der Universität für Bodenkultur Wien; 1975 verlieh ihm Bundespräsident Rudolf Kirchschläger den Professorentitel.
Wirtschaftlich wuchs das Haus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur größten Kellerei des Landes. 1955 kam mit Alter Knabe einer der ersten großen österreichischen Markenweine auf den Markt. 1969 pachtete Lenz Moser die Weingärten des Malteser Ritterordens in Mailberg, 1988 übernahm das Unternehmen die Bewirtschaftung des Klosterkellers Siegendorf. 1986 wurde die Weinkellerei von der oberösterreichischen VOG AG erworben, die sie bis heute hält. 2004 war Lenz Moser der erste österreichische Weinbetrieb mit einer IFS-Food-Zertifizierung.
Lage & Terroir
Der Firmensitz Rohrendorf liegt östlich von Krems an der Donau, am Übergang des Kremstals zum flacheren Wagram-Vorland. Hier dominieren Löss- und Lehmböden über kristallinem Untergrund – Bedingungen, die dem Grünen Veltliner entgegenkommen: würzig, saftig, mit dem typischen „Pfefferl“.
Die eigenen Weingärten liegen jedoch andernorts. Das Schlossweingut Malteser Ritterorden in Mailberg im Weinviertel, rund 70 Kilometer nordwestlich von Wien, umfasst etwa 50 Hektar in einem geschützten Talkessel; die Flächen verteilen sich auf zwölf Riedenlagen, darunter Antlasberg, Hochlüssen, Rosenpoint, Zeiselberg und Zuckerschlee. Die dortigen Böden bringen ausdrucksstarke Weißweine und kraftvolle, im Barrique gereifte Rotweine hervor. Der Klosterkeller Siegendorf südlich von Wien im Burgenland bewirtschaftet rund 24 Hektar in Süd-Südwest-Neigung – die wärmeren Bedingungen am Rand des Leithagebirges und im Einflussbereich des Neusiedler Sees begünstigen dort reife Rotweine.
Stil & Philosophie
Lenz Moser arbeitet in einer Größenordnung, die andere Antworten verlangt als ein kleines Familienweingut. Der Großteil der Trauben kommt von langjährigen Vertragswinzern und Genossenschaften; im Keller entstehen daraus klar definierte, verlässliche Weinstile. Die Weißweine sind meist trocken, kühl vergoren und auf Frucht und Trinkfluss ausgelegt, die Rotweine reichen von fruchtbetonten Zweigelt-Typen bis zu dichteren Barrique-Cuvées aus Mailberg.
Auffällig ist die Rolle des Unternehmens als Trendsetter im Handel: Mit Alter Knabe (1955), der Selection-Linie (1982), der Marke Servus, den Rosé-Weinen um Fête Rosé (2009) und alkoholreduzierten Weinen mit unter 12 % Vol. hat Lenz Moser mehrfach Segmente etabliert, die es in Österreich vorher kaum gab. Die Premium-Ebene bilden die Linien Carpe Diem und Prestige sowie die Weine der beiden Schlossweingüter.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist gestaffelt – von Markenweinen für den breiten Markt bis zu Lagenweinen aus eigener Bewirtschaftung. Bekannt sind vor allem:
- Kommende Mailberg – die Spitzencuvée des Schlossweinguts Malteser Ritterorden
- Malteser Ritterorden Merlot und die Barrique-Rotweine aus Mailberg
- Klosterkeller Siegendorf – Weiß- und Rotweine aus dem Burgenland, darunter der Weißwein O'Dora
- Carpe Diem und Prestige – die Premium-Linien des Hauses
- Alter Knabe, Selection, Servus und Storch – die klassischen Marken
Rebsortenseitig stehen Grüner Veltliner und Riesling für die Weißweine, Zweigelt und Blaufränkisch für die Rotweine. Bemerkenswert: Lenz Moser erkannte das Potenzial des Zweigelt früh und pflanzte die Sorte bereits 1973 in Mailberg.
Auszeichnungen
Als Marktführer im österreichischen Qualitätsweinsegment ist Lenz Moser regelmäßig bei nationalen und internationalen Bewerben vertreten. Der Malteser-Ritter-Orden Merlot 2016 wurde bei der ÖGZ-Verkostung zum Sieger in der Kategorie Wild- und Ganslwein gekürt; der Klosterkeller Siegendorf O'Dora 2021 erhielt bei der China Wine Competition eine Goldmedaille. Der größere Teil der Wirkung des Hauses liegt aber ohnehin nicht in Medaillen, sondern in der Weinbaugeschichte: Kaum eine andere österreichische Adresse hat die Art, wie im Land Reben gezogen werden, so tief geprägt wie Lenz Moser.
