Zusammenfassung
Das Weingut Fritz Allendorf in Oestrich-Winkel ist eine der bekanntesten Adressen des Rheingaus – und zugleich eine der größten, die noch vollständig in Familienhand liegen. Auf rund 70 Hektar wächst überwiegend Riesling, dazu Spätburgunder aus Assmannshausen sowie Chardonnay und Grauburgunder. Ungewöhnlich ist die Streuung der Weinberge: Sie verteilen sich über etwa 30 Rheinkilometer und über sehr unterschiedliche Böden, von Löss und Lehm bei Winkel über Quarzit in den Rüdesheimer Steillagen bis zum Schiefer von Assmannshausen. Genau diese Vielfalt prägt das Sortiment – vom leichtfüßigen Gutswein bis zum Großen Gewächs.
Geschichte
Die Familie Allendorf lässt sich im Rheingau bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen – eine Kontinuität, wie sie selbst in dieser traditionsreichen Region selten ist. Den Grundstein für den heutigen Betrieb legte Philipp Anton Allendorf im Jahr 1773.
Zum eigentlichen Weingut in seiner modernen Form wurde das Haus allerdings erst gut zweihundert Jahre später. 1955 übernahm Fritz Allendorf den Betrieb – mit gerade einmal 1,5 Hektar Rebfläche. Gemeinsam mit seiner Frau baute er das Gut konsequent aus; 1963 folgte der Umzug auf den Georgshof in Winkel, der bis heute Sitz und Herzstück des Weinguts ist. Aus den anfänglichen anderthalb Hektar wurden über die Jahrzehnte rund 70.
Geführt wurde das Gut zuletzt von Ulrich Allendorf gemeinsam mit seiner Schwester Christine Schönleber. Inzwischen liegt die Verantwortung bei der nächsten Generation: Anne Schönleber-Liebler und Max Schönleber haben die Leitung übernommen, wobei Max Schönleber als Kellermeister den Stil der Weine prägt. Der Name „Fritz Allendorf" bleibt dabei als Marke erhalten, während das Gut nach außen zunehmend als Weingut Familie Allendorf auftritt.
Lage & Terroir
Der Rheingau ist ein Sonderfall: Auf gut 30 Kilometern fließt der Rhein hier nicht nach Norden, sondern nach Westen – die Hänge am rechten Ufer schauen also nach Süden. Dazu kommen der Taunus als Schutz gegen kalte Nordwinde und der breite Fluss als Wärmespeicher und Lichtreflektor. Es sind Bedingungen, die dem Riesling die lange, kühle Reifezeit geben, die er für seine Aromatik braucht.
Allendorfs Weinberge nutzen diesen Streifen fast in seiner ganzen Länge. Rund um Winkel und Oestrich dominieren tiefgründige Löss- und Lehmböden, die eher füllige, saftige Rieslinge hervorbringen. In den Rüdesheimer Steillagen steht der Riesling auf hartem Quarzit und verwittertem Schiefergestein – hier werden die Weine straffer, mineralischer und deutlich rauchiger im Ausdruck. In Assmannshausen, am westlichen Ende des Rheingaus, prägt schließlich Schiefer den Untergrund; die Lage gilt seit Jahrhunderten als eine der besten Adressen Deutschlands für Spätburgunder.
Diese drei Bodenwelten in einem Betrieb zu vereinen, ist der eigentliche Reichtum des Guts – und der Grund, warum das Sortiment so breit angelegt sein kann, ohne beliebig zu werden.
Stil & Philosophie
Allendorf verfolgt keine einheitliche Handschrift, die über alles gelegt wird, sondern eine herkunftsbezogene Staffelung: Jede Lage soll das zeigen, was ihr Boden hergibt. Die Rieslinge sind überwiegend trocken ausgebaut, klar und fruchtbetont in den Einstiegsweinen, dichter und länger in den Lagenweinen. Beim Spätburgunder aus Assmannshausen steht die Feinheit des Schiefers im Vordergrund, nicht die Extraktion.
Im Weinberg arbeitet der Betrieb an einer Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung und trägt zusätzlich ein Nachhaltigkeitszertifikat, das über den Weinbau hinausgeht. Zu den ungewöhnlicheren Bausteinen dieser Arbeit gehört der Einsatz von Zwergschafen zur Begrünungspflege in den Rebzeilen.
Ein zweites Standbein ist die Sektproduktion nach traditioneller Flaschengärung; Allendorf ist als VDP.Sektproduzent geführt. Ergänzt wird das Sortiment durch Rosé, edelsüße Spezialitäten und alkoholfreie Varianten – und durch eine ausgeprägte Erlebnisgastronomie am Rhein mit Straußwirtschaft und Restaurant.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist nach der VDP-Pyramide gestaffelt – vom Gutswein über Ortsweine bis zu Erste und Große Lage. Zu den wichtigsten Lagen des Guts zählen:
- Assmannshäuser Höllenberg – VDP.Große Lage auf Schiefer, klassische Spätburgunder-Adresse
- Hallgartener Jungfer – VDP.Große Lage für Riesling
- Oestricher Klosterberg – VDP.Erste Lage
- Winkeler Hasensprung, Jesuitengarten und Dachsberg – die Heimatlagen rund um den Georgshof
- Rüdesheimer Berg Roseneck und Berg Rottland – Steillagen auf Quarzit
- Assmannshäuser Hinterkirch – weitere Schieferlage im Westen des Rheingaus
Insgesamt hat das Gut Anteile an rund einem Dutzend klassifizierter Lagen. Wer den Stil kennenlernen möchte, beginnt am besten beim Ortswein aus Winkel: Er zeigt die saftige, zugängliche Seite des Rheingau-Rieslings, bevor die Lagenweine an Struktur und Länge deutlich zulegen.
Auszeichnungen
Allendorf wird in den führenden deutschen Weinführern seit Jahren im oberen Bereich geführt; wein.plus zählt das Gut zu den besten Erzeugern des Landes. Die Aufnahme in den VDP im Jahr 1999 – parallel zum Beitritt zur Charta Rheingau – gilt als Bestätigung der Qualitätsausrichtung, ebenso die Einstufung als VDP.Sektproduzent.
Mindestens ebenso prägend ist die Rolle des Guts für die Sichtbarkeit des Rheingaus: Mit Weinerlebnissen, Gastronomie und einem breit gefächerten Sortiment gehört Allendorf zu den Betrieben, über die viele Weintrinkerinnen und Weintrinker überhaupt erst zum Rheingau-Riesling finden.
