Zusammenfassung
Château Miraval bei Correns im Var ist das wohl meistdiskutierte Weingut der Provence – und zugleich eines der ernsthaftesten. Hinter der Prominenz von Brad Pitt und Angelina Jolie steht seit 2012 die Famille Perrin aus Châteauneuf-du-Pape, die mit dem Miraval Rosé einen blassen, präzisen Provence-Rosé geschaffen hat, der schon mit dem ersten Jahrgang in die Top 100 des Wine Spectator einzog. Das rund 500 Hektar große Anwesen mit etwa 30 bis 40 Hektar biologisch bewirtschafteten Reben liegt in einem abgeschiedenen Tal aus Kalkhügeln, Pinienwald und Olivenhainen – und beherbergt ein Tonstudio, in dem Pink Floyd, AC/DC und Sade Musikgeschichte schrieben. Seit 2021 gehört die Hälfte des Guts der Stoli-Tochter Tenute del Mondo; ein Rechtsstreit über diesen Verkauf läuft.
Geschichte
Das Tal von Miraval ist alter Kulturboden: Die Bastide stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert, das heutige Château mit seinen 35 Zimmern wurde 1841 fertiggestellt. Wein spielte hier lange eine Nebenrolle neben Oliven, Wald und Landwirtschaft; ein erster dokumentierter Jahrgang stammt aus dem Jahr 1970.
Weltbekannt wurde Miraval nicht durch Wein, sondern durch Musik. 1977 richtete der französische Jazzpianist Jacques Loussier zusammen mit dem Toningenieur Patrice Quef das Studio Miraval ein. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurde es zu einer der begehrtesten Aufnahmeadressen Europas: Pink Floyd arbeiteten hier 1979 an „The Wall“, AC/DC, Judas Priest, The Cure, Sade, Wham!, The Cranberries und später Muse und Rammstein folgten. In den 1990er Jahren – die Quellen nennen 1993 oder 1998 – kaufte der amerikanische Unternehmer Tom Bove das Anwesen, modernisierte den Weinbau und baute Miraval zum Landsitz mit Spa und Pool aus.
2008 pachteten Brad Pitt und Angelina Jolie das Gut mit Kaufoption, die sie 2011 ausübten; das Paar heiratete 2014 in der Kapelle von Miraval. Entscheidend für den Wein war die Partnerschaft mit Marc Perrin und der Famille Perrin von Château de Beaucastel, die seit 2012 als Joint-Venture-Partner Weinberge und Keller verantwortet. Der erste gemeinsame Jahrgang, der Miraval Rosé 2012, war im März 2013 innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Im Oktober 2021 verkaufte Jolie ihre Hälfte der gemeinsamen Holding an Tenute del Mondo, die Weinsparte der Stoli-Gruppe von Yuri Shefler. Pitt reichte 2022 Klage ein, weil er sich auf eine gegenseitige Zustimmungspflicht beruft; Jolies Seite klagte ihrerseits. Das Verfahren in Los Angeles ist bis heute nicht abgeschlossen. Unabhängig davon eröffnete Pitt 2022 gemeinsam mit dem Produzenten Damien Quintard das komplett renovierte Tonstudio als Miraval Studios neu.
Lage & Terroir
Miraval liegt in einem abgeschiedenen Seitental bei Correns, rund 40 Kilometer von der Küste entfernt im grünen Hinterland des Var. Correns gilt seit den späten 1990er Jahren als erstes Dorf Frankreichs, das seine gesamte Landwirtschaft auf Bio umgestellt hat – ein Umfeld, das das Gut prägt. Das Anwesen umfasst je nach Quelle rund 400 bis 500 Hektar mit Pinienwald, Garrigue, Olivenhainen, einem See und Quellwasser; die Reben stehen vor allem am Talboden und an den unteren Hängen auf etwa 350 Metern Höhe.
Die Böden sind kalkgeprägt, mit Ton und Kies durchsetzt. Die Höhenlage und die kühlen Nächte des Hinterlands sorgen für eine deutlich längere Reifezeit als an der Küste – ein Vorteil für Frische und Säure im Rosé. Die Rebfläche verteilt sich auf zwei Appellationen: Der größere Teil liegt in der AOP Côtes de Provence, ein kleinerer Teil in der AOP Coteaux Varois en Provence, aus dem der Weißwein stammt. Die Gutsweinberge werden biologisch bewirtschaftet und sind zertifiziert.
Stil & Philosophie
Die Handschrift der Perrins ist unverkennbar: Der Miraval-Stil ist blass, trocken und präzise, mit Aromen von Zitrus, hellen Beeren und Pfirsich, salziger Frische und einem cremigen, aber nie schweren Mundgefühl. Die Trauben werden in den kühlen Morgenstunden gelesen, schonend und teilweise als Ganztraube gepresst, der Most vergärt temperaturkontrolliert im Edelstahl. Ein kleiner Teil des Weins reift in Demi-Muids und bringt Struktur und Länge in die Cuvée.
Die Rebsorten haben klare Rollen: Cinsault liefert Leichtigkeit und Finesse, Grenache Frucht und Fülle, Syrah Farbe und Rückgrat, Rolle Frische und Zitrusnoten. Für die große Auflage des Miraval Rosé arbeitet das Gut mit Partnerwinzern der Côtes de Provence zusammen – deshalb trägt die Hauptcuvée kein Bio-Siegel, obwohl die eigenen Weinberge zertifiziert sind. Der neue Keller, direkt unter dem Tonstudio errichtet, arbeitet mit tulpenförmigen Betontanks für eine schonende Gärung.
Bekannte Lagen & Weine
Miraval versteht sich nicht als Lagenweingut, sondern arbeitet mit einer klar gestaffelten Kollektion:
- Miraval Côtes de Provence Rosé – die Hauptcuvée aus Cinsault, Grenache, Syrah und Rolle in der markanten Flasche mit gewölbter Schulter; einer der meistverkauften Premium-Rosés der Welt
- Studio by Miraval – seit 2019 die leichtere, zugänglichere Zweitcuvée, benannt nach dem Tonstudio
- Muse de Miraval – die 2018 vorgestellte Spitzencuvée aus den besten Gutsparzellen, bio-zertifiziert, nur in der Magnum abgefüllt
- Miraval Blanc – Weißwein aus Rolle der AOP Coteaux Varois en Provence, frisch und mineralisch
- Pink Floyd by Miraval – ein Rosé, der an die Aufnahmen von „The Wall“ im Studio erinnert
- Fleur de Miraval – Rosé-Champagner, den Pitt, die Perrins und der Winzer Rodolphe Péters aus Le Mesnil-sur-Oger 2020 lancierten
Ergänzt wird die Kollektion durch natives Olivenöl aus den Hainen des Guts und seit 2023 durch den Gin „The Gardener“, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Famille Perrin.
Auszeichnungen
Der wichtigste Erfolg kam gleich zu Beginn: Der Miraval Rosé 2012 erhielt 90 Punkte im Wine Spectator und wurde als einziger Rosé auf Platz 84 der Top-100-Liste des Jahres 2013 aufgenommen – ein Novum, das der ganzen Kategorie Provence-Rosé Aufmerksamkeit brachte. Auch die Folgejahrgänge erreichen regelmäßig 90 Punkte und mehr in der Fachpresse. Für viele Kritiker ist Miraval der Beweis, dass ein Promi-Wein und ein ernsthafter Wein kein Widerspruch sein müssen – dank der Arbeit der Famille Perrin, die dem Gut das handwerkliche Fundament gab.
