Zusammenfassung
Die Casa Ermelinda Freitas im Weiler Fernando Pó bei Palmela ist das vielleicht bekannteste Familienweingut der Península de Setúbal – jener Halbinsel südlich von Lissabon, die zwischen Tejo und Sado liegt. Auf rund 550 Hektar entstehen hier vor allem fruchtbetonte, weiche Rotweine aus Castelão, dazu frische Weißweine, Roséweine und der regionaltypische Moscatel de Setúbal. Bemerkenswert ist die Geschichte des Betriebs: Über vier Generationen verkaufte die Familie ihren Wein als Fassware, erst 1997 begann unter Leonor Freitas die Abfüllung eigener Marken. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde daraus einer der erfolgreichsten Weinbetriebe Portugals.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen bis etwa 1920 zurück, als Deonilde Freitas in Fernando Pó Weinberge bewirtschaftete. Über die Generationen ging der Betrieb von Frau zu Frau: von Deonilde auf Germana Freitas, dann auf Ermelinda Freitas, die dem Haus ihren Namen gab. Ermelinda übernahm die Leitung nach dem frühen Tod ihres Mannes Manuel João de Freitas – in einer Zeit, in der ein von einer Frau geführter Weinbaubetrieb in Portugal die Ausnahme war.
Bis in die 1990er-Jahre verkaufte die Familie ihre Ernte fast ausschließlich als Fasswein an Abfüller und Genossenschaften. Der Wendepunkt kam 1997: Ermelindas Tochter Leonor Freitas übernahm die Führung und stellte den Betrieb auf eigene Flaschenweine um. Die erste eigene Marke war Terras do Pó, benannt nach dem Heimatort. Es folgten Dona Ermelinda, Quinta da Mimosa, Vinha do Rosário und Leo d'Honor.
Der Erfolg der Marken finanzierte eine rasche Expansion: Aus den rund 60 Hektar, die Leonor Freitas ursprünglich übernahm, wurden bis heute etwa 550 Hektar. Zusätzlich erwarb das Unternehmen Betriebe in zwei weiteren portugiesischen Anbaugebieten – die Quinta do Minho im Vinho-Verde-Gebiet und die Quinta de Canivães im Douro. Sein hundertjähriges Bestehen feierte das Haus im Jahr 2020.
Lage & Terroir
Die Península de Setúbal liegt südlich von Lissabon zwischen den Mündungen von Tejo und Sado. Das Klima ist mediterran und stark vom Atlantik geprägt: heiße, trockene Sommer, milde Winter und ein beständiger Seewind, der die Trauben kühlt und für gesundes Lesegut sorgt.
Die Weinberge der Casa Ermelinda Freitas stehen fast alle auf den flachen, tiefgründigen Sandböden der Ebene um Fernando Pó. Diese Böden sind für die Region prägend: Sie speichern wenig Wasser, erwärmen sich schnell und blieben historisch von der Reblaus weitgehend verschont – ein Grund, warum hier ungewöhnlich viele alte, wurzelechte Castelão-Reben überlebt haben. Auf Sand ergibt Castelão weiche, beerige Rotweine mit feiner Würze. Weiter westlich, an den Kalkhängen der Serra da Arrábida, entstehen dagegen die klassischen Moscatel-Weine der Region.
Stil & Philosophie
Die Handschrift des Guts ist bewusst zugänglich. Im Zentrum steht die Frucht: reife rote Beeren, weiche Tannine, moderater Holzeinsatz. Die Weine sollen jung trinkbar sein, ohne flach zu wirken – eine Stilistik, die der Önologe Jaime Quendera seit über zwei Jahrzehnten prägt.
Technisch arbeitet der Betrieb modern: temperaturkontrollierte Gärung, sortenreine Vinifikation der Parzellen und ein gezielter Ausbau der Spitzenweine im französischen und amerikanischen Barrique. Bei den Weißweinen aus Fernão Pires, Arinto, Verdelho, Chardonnay und Sauvignon Blanc steht Frische im Vordergrund; sie werden meist reduktiv im Stahltank ausgebaut.
Charakteristisch ist außerdem die Bandbreite. Die Casa Ermelinda Freitas produziert im großen Stil – jährlich mehrere Millionen Liter – und hält dabei die Qualität über alle Preisstufen hinweg konstant. Genau diese Kombination aus Menge und Verlässlichkeit hat den Namen in Portugal zu einem Synonym für gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gemacht.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist nach Marken gegliedert, die jeweils eine eigene Qualitätsstufe markieren:
- Terras do Pó – die erste eigene Marke des Guts, unkomplizierte Rot- und Weißweine aus der Ebene um Fernando Pó
- Dona Ermelinda – die Kernlinie, benannt nach der Großmutter; Rotweine aus Castelão mit Touriga Nacional, Syrah und Aragonez sowie Weißweine aus Fernão Pires und Arinto
- Quinta da Mimosa – ein Castelão-Rotwein aus alten Reben, einer der bekanntesten Weine des Hauses
- Leo d'Honor – die Spitzenlinie, benannt nach Leonor Freitas
- Vinha do Rosário – eine weitere Parzellenmarke des Guts
- Moscatel de Setúbal – der aufgespritete Süßwein der Region, aus Moscatel de Setúbal gekeltert
Dazu kommen Schaumweine sowie die Weine der zugekauften Betriebe im Vinho-Verde-Gebiet und im Douro.
Auszeichnungen
Die Casa Ermelinda Freitas zählt zu den meistprämierten Weinbetrieben Portugals. Das Gut selbst gibt an, seit 1999 mehr als 900 Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen zu haben; in jüngeren Mitteilungen ist von noch deutlich höheren Zahlen die Rede. Regelmäßig fallen Medaillen beim Concours Mondial de Bruxelles und beim portugiesischen Wettbewerb Concurso Vinhos de Portugal an, dazu Spitzenplätze beim Regionalwettbewerb der Península de Setúbal.
Leonor Freitas selbst wurde in Portugal mehrfach als Unternehmerin und Winzerin geehrt – nicht zuletzt für den Aufbau eines Betriebs, der binnen einer Generation vom Fassweinlieferanten zur international vertriebenen Marke wurde. Der 2020 eröffnete Weintourismus-Bereich mit Museum, Verkostungsraum und Veranstaltungssaal macht diese Geschichte heute vor Ort erlebbar.
