Zusammenfassung
Das Weingut Ansgar Clüsserath in Trittenheim gehört zu den kleineren, aber besonders feinen Adressen der Mosel. Seit 1670 bewirtschaftet die Familie Clüsserath hier Weinberge – heute rund 5 bis 6 Hektar Steillagen auf Schiefer, fast ausschließlich mit Riesling bestockt. Das Gesicht des Guts ist Eva Clüsserath-Wittmann, die den Betrieb ihrer Eltern Ansgar und Elsbeth in der aktuellen Generation führt und 2022 von Falstaff zur Winzerin des Jahres gekürt wurde. Ihre Rieslinge sind das Gegenteil von laut: straff, präzise, tief mineralisch und auf lange Reife angelegt. Die Weine entstehen mit viel Geduld – Spontangärung im traditionellen Moselfuder, langes Hefelager und eine bewusst späte Freigabe. Herzstück ist die Trittenheimer Apotheke, eine der berühmtesten Steillagen der Mittelmosel.
Geschichte
Die Wurzeln des Weinguts reichen bis ins Jahr 1670 zurück – seit mehr als 350 Jahren baut die Familie Clüsserath in Trittenheim Wein an. Der Name Clüsserath ist im Ort tief verwurzelt; gleich mehrere Weingüter tragen ihn, doch das Gut von Ansgar Clüsserath hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen eigenen Ruf erarbeitet. Ansgar Clüsserath und seine Frau Elsbeth haben den Betrieb über lange Jahre geprägt und schon früh auf naturnahen Weinbau in den Steillagen gesetzt.
Die entscheidende Weichenstellung für die heutige Stilistik kam mit der nächsten Generation. Eva Clüsserath-Wittmann schloss 2001 ihr Studium in Geisenheim ab, arbeitete zunächst beim VDP in der Pfalz und übernahm dann Anfang der 2000er-Jahre die Verantwortung für die Weine des elterlichen Guts. Sie ist mit dem Rheinhessen-Winzer Philipp Wittmann aus Westhofen verheiratet und pendelt seither zwischen den beiden Weingütern – rund 150 Kilometer liegen zwischen Trittenheim und Westhofen. Ihre Eltern sind weiterhin vor Ort im Betrieb aktiv, sodass das Gut bis heute ein echtes Familienunternehmen geblieben ist.
Mit Eva Clüsserath-Wittmann gewann das Weingut kontinuierlich an Profil: Die Weinführer bewerteten es Jahr für Jahr höher, und 2022 folgte mit dem Titel Falstaff-Winzerin des Jahres die bislang prominenteste Auszeichnung.
Lage & Terroir
Trittenheim liegt an der Mittelmosel, in einer der markantesten Flussschleifen zwischen Trier und Bernkastel-Kues. Der Ort ist auf drei Seiten von der Mosel umflossen, und an den steilen Hängen gegenüber liegen die beiden großen Trittenheimer Lagen Apotheke und Altärchen. Die Apotheke zählt zu den berühmtesten Steillagen der gesamten Region – nach Süden bis Südwesten ausgerichtet, extrem steil und von grauem bis blauem Devonschiefer geprägt.
Der Schiefer ist der Schlüssel zum Charakter der Weine: Er speichert tagsüber die Wärme der Sonne und gibt sie nachts an die Reben ab, zugleich zwingt er die Wurzeln tief ins Gestein. Das Ergebnis sind Rieslinge mit spürbarer Mineralität, klarer Frucht und einer feinen, tragenden Säure. Ein Teil der Rebstöcke ist sehr alt – manche Parzellen stehen seit rund 80 bis 100 Jahren –, was für kleine Erträge, dichte Aromatik und Tiefe sorgt.
Neben den Trittenheimer Lagen bewirtschaftet das Gut Parzellen im Neumagener Rosengärtchen und im Piesporter Goldtröpfchen, ebenfalls klassische Schiefer-Steillagen der Mittelmosel. Fast alle Weinberge müssen von Hand bearbeitet werden – aufwendig, aber die Grundlage für die Qualität.
Stil & Philosophie
Eva Clüsserath-Wittmann versteht sich weniger als Weinmacherin denn als Begleiterin des Weins. Ihre Philosophie ist geprägt von Geduld und Zurückhaltung: Die Qualität entsteht im Weinberg, im Keller wird so wenig wie möglich eingegriffen. Die Familie arbeitet seit Jahrzehnten naturnah in den Steillagen.
Die Vinifikation folgt bewusst der Mosel-Tradition. Die Trauben werden angequetscht und bleiben mehrere Stunden auf der Maische, bevor sie gepresst werden. Die Moste vergären spontan mit den eigenen Hefen im klassischen Moselfuder, dem 1.000-Liter-Holzfass, das in der Region seit Jahrhunderten verwendet wird. Anschließend reifen die Weine lange auf der Feinhefe – bis in den Spätsommer des Folgejahres – und werden nur ein einziges Mal filtriert. Auch die Freigabe erfolgt später als bei vielen Kollegen, weil die Weine Zeit brauchen, um sich zu öffnen.
Stilistisch sind die Rieslinge straff, feingliedrig und elegant: keine wuchtigen, sondern präzise Weine mit festem Kern, klarer Schieferwürze und großem Reifepotenzial. Das gilt für die trockenen Weine ebenso wie für die fruchtsüßen Prädikatsweine, bei denen die Balance aus Süße, Säure und Mineralität im Mittelpunkt steht.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist übersichtlich und klar gestaffelt – vom Gutswein bis zum Lagenwein, dazu die klassischen Prädikate:
- Riesling „Vom Schiefer“ trocken – der Einstieg ins Gut, ein Riesling, der die Schieferherkunft unverfälscht zeigt und laut Kritikern ein Maßstab in seinem Segment ist
- Riesling „Steinreich“ Trittenheim trocken – der Ortswein aus den steinigen Trittenheimer Steillagen
- Trittenheimer Apotheke Riesling trocken – der große trockene Lagenwein des Guts, regelmäßig unter den höchstbewerteten trockenen Rieslingen der Mosel
- Trittenheimer Apotheke Riesling Kabinett, Spätlese und Auslese – fruchtsüße Prädikatsweine mit Jahrzehnten Reifepotenzial
- Beerenauslese aus der Apotheke – in geeigneten Jahrgängen edelsüße Raritäten
- Weine aus dem Trittenheimer Altärchen, dem Neumagener Rosengärtchen und dem Piesporter Goldtröpfchen
Der Trittenheimer Apotheke Riesling trocken gilt vielen als Signaturwein des Guts, während der Kabinett aus derselben Lage in Kabinett-Verkostungen mehrfach ganz vorne landete.
Auszeichnungen
Die größte Ehre kam 2022: Die rund 150-köpfige Jury der Falstaff WeinTrophy wählte Eva Clüsserath-Wittmann zur Winzerin des Jahres. In den führenden deutschen Weinführern ist das Gut seit Jahren fest in der Spitzengruppe der Mosel etabliert – mit vier Sternen bei Falstaff und im Eichelmann, vier Trauben im Gault&Millau sowie viereinhalb Sternen im Vinum Weinguide und im Feinschmecker, der das Gut zu den 500 besten Weingütern Deutschlands zählt.
Auch international überzeugen die Weine: Der Wine Advocate bewertete den trockenen Apotheke-Riesling und die Spätlese aus 2020 mit über 90 Punkten, James Suckling vergab für die Auslese und den trockenen Apotheke-Riesling des Jahrgangs 2023 jeweils 96 Punkte, für eine Beerenauslese aus 2017 sogar 97 Punkte. Beim Riesling Cup des Feinschmeckers schaffte es der trockene Apotheke-Riesling mehrfach in die Top 10, und der 2018er Kabinett aus der Apotheke gewann 2020 den Kabinett Cup von Gourmetwelten und wurde Zweiter bei der Falstaff Kabinett Trophy.
