Welche Weine passen zum Weihnachtsessen?
Von Aperitif bis Dessert: Welcher Wein passt zu welchem Gang beim Weihnachtsmenü? Mit konkreten Empfehlungen für jeden Geschmack und jedes Budget.
Das Weihnachtsmenü steht, die Zutaten sind besorgt – aber welcher Wein passt eigentlich zu welchem Gang? Die Weinauswahl ist mindestens genauso wichtig wie die Speisen selbst. Ein gut abgestimmter Wein hebt die Aromen des Essens hervor und macht aus einem guten Menü ein unvergessliches Erlebnis. Doch gerade an Weihnachten, wenn mehrere Gänge serviert werden, kann die Weinauswahl zur Herausforderung werden.
Keine Sorge: In diesem Guide erfährst du genau, welcher Wein zu welchem Gang passt – vom Aperitif über die Vorspeise bis zum Dessert. Mit konkreten Empfehlungen, die für unterschiedliche Geschmäcker und Budgets funktionieren. So wird dein Weihnachtsessen zum perfekt abgestimmten Genuss-Erlebnis.
Der Aperitif: Leicht und elegant starten
Der Aperitif ist mehr als nur ein Getränk – er ist der offizielle Startschuss für den festlichen Abend. Hier gilt: Leicht, spritzig und nicht zu alkoholisch. Du möchtest die Geschmacksnerven wecken, nicht erschlagen.
Die besten Aperitif-Weine
Champagner: Der Klassiker schlechthin. Ein Champagner Brut mit seiner feinen Perlage und eleganten Frische ist perfekt für den Start. Idealerweise als Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir – nicht zu schwer, aber mit genug Charakter.
Preisklasse: 30–60 Euro für einen soliden Champagner, ab 60 Euro für Markenchampagner wie Moët, Veuve Clicquot oder Bollinger.
Crémant: Die clevere Alternative für alle, die nicht das Budget für Champagner haben. Ein Crémant d'Alsace oder Crémant de Bourgogne wird nach derselben Methode hergestellt wie Champagner, kostet aber die Hälfte. Fruchtig, fein perlig und absolut festtagniveau.
Preisklasse: 10–20 Euro für sehr gute Qualität.
Winzersekt: Wenn du regional bleiben möchtest, ist ein deutscher Winzersekt mit traditioneller Flaschengärung eine großartige Wahl. Achte auf die Bezeichnung "Sekt b.A." (bestimmter Anbaugebiete) – das garantiert Qualität. Besonders Rieslingsekte sind elegant und haben eine feine Säure.
Preisklasse: 12–25 Euro.
Serviertemperatur: 6 bis 8 Grad Celsius. Nicht kälter, sonst gehen die Aromen verloren.
Wie viel Aperitif einplanen?
- Rechne etwa 1 Flasche (0,75 l) für 4 Personen
- Plane pro Person etwa 0,1–0,15 Liter (ein bis zwei Gläser)
- Lieber etwas mehr einplanen – ein zweites Glas wird oft gern genommen
Vorspeise: Fein und nicht zu dominant
Die Vorspeise ist oft leicht und elegant – das sollte auch der Wein sein. Hier kommen frische Weißweine zum Einsatz, die die feinen Aromen der Vorspeise nicht überdecken.
Welcher Wein zu welcher Vorspeise?
Zu Räucherlachs, Lachs-Tatar oder Meeresfrüchten:
- Chablis: Ein mineralischer, frischer Weißwein aus Burgund, perfekt zu Fisch und Meeresfrüchten
- Riesling trocken: Ein trockener Riesling von der Mosel oder aus dem Rheingau mit feiner Säure und Fruchtigkeit
- Grauburgunder: Weicher, unkompliziert und passt fast immer
Preisklasse: 10–25 Euro.
Zu Salat mit Ziegenkäse oder gebratenem Gemüse:
- Sauvignon Blanc: Frisch, grasig-grün, mit einer Säure, die perfekt zu Ziegenkäse passt
- Grüner Veltliner: Österreichischer Klassiker mit pfeffriger Note und Frische
Zu Terrine, Pastete oder Gänseleberpastete:
- Mâcon Rouge: Leichter Rotwein aus dem Burgund, fruchtig und nicht zu tanninreich
- Pinot Noir leicht: Ein junger, fruchtiger Spätburgunder ohne zu viel Holz
Preisklasse: 12–25 Euro.
Tipp vom Sommelier: Bei mehreren Gängen gilt die Regel "von leicht zu schwer, von trocken zu süß". Der Aperitif ist am leichtesten, der Dessertwein am schwersten und süßesten.
Hauptgang: Jetzt kommen die großen Weine
Der Hauptgang ist der Höhepunkt des Menüs – und hier dürfen auch die Weine kraftvoll und charakterstark sein. Je nach Hauptgericht gibt es unterschiedliche Empfehlungen.
Zu Weihnachtsgans oder Ente (mit dunkler Soße)
Die Klassiker:
- Bordeaux: Ein Bordeaux mit Cabernet Sauvignon und Merlot bringt Struktur, Frucht und genug Tannine, um das Fett der Gans zu balancieren
- Burgund (Pinot Noir): Samtig, elegant, mit feiner Säure – perfekt, wenn du es nicht zu wuchtig magst
- Barolo oder Barbaresco: Italienische Größe aus Nebbiolo, kraftvoll und langlebig
- Rioja Reserva: Spanische Eleganz mit Vanille- und Gewürznoten aus dem Barrique
Preisklasse: 20–50 Euro für sehr gute Qualität, ab 50 Euro für große Jahrgänge und Weingüter.
Alternative Weißweine: Ja, auch Weißwein passt zur Gans – wenn er kräftig genug ist.
- Chardonnay im Barrique: Ein im Holzfass gereifter Chardonnay aus Burgund, Deutschland oder dem Piemont bringt Cremigkeit und kann mit der Gans mithalten
- Wachauer Smaragd Riesling: Einer der schwersten Weißweine der Welt, kraftvoll und komplex
Preisklasse: 20–40 Euro.
Zu Wild (Reh, Hirsch, Wildschwein)
Wild ist intensiv, dunkel und braucht einen Wein mit Kraft und Struktur.
- Châteauneuf-du-Pape: Kraftvoller Rotwein aus der Rhône, würzig und vielschichtig
- Amarone della Valpolicella: Italienischer Kraftprotz aus getrockneten Trauben, extrem vollmundig
- Brunello di Montalcino: Toskanische Größe aus Sangiovese, elegant und kraftvoll zugleich
- Spätburgunder aus Baden: Deutsche Alternative, wenn du regional bleiben möchtest
Preisklasse: 25–60 Euro.
Zu Würstchen mit Kartoffelsalat
Das klassische, unkomplizierte Weihnachtsessen verdient einen ebenso unkomplizierten Wein.
Weißwein:
- Riesling trocken: Frisch, fruchtig, mit dezenter Säure
- Chardonnay: Weich und cremig, wenn der Kartoffelsalat Mayonnaise enthält
Rotwein:
- Primitivo: Fruchtbetont, weich, nicht zu tanninreich
- Nero d'Avola: Sizilianischer Rotwein mit Frucht und Charakter
- Dornfelder: Deutscher Rotwein, fruchtig und zugänglich
Preisklasse: 8–15 Euro.
Zu Fisch (Lachs, Zander, Kabeljau)
Fisch verlangt nach frischen Weißweinen mit lebendiger Säure.
- Riesling: Von der Mosel oder aus dem Rheingau, trocken und mineralisch
- Grauburgunder: Weicher, wenn die Soße cremig ist
- Weißburgunder: Elegant und zurückhaltend, lässt dem Fisch den Vortritt
- Chablis: Mineralisch und frisch, perfekt zu gebratenem Fisch
Preisklasse: 12–25 Euro.
Käse und Zwischengang: Der unterschätzte Moment
Wenn du zwischen Hauptgang und Dessert noch einen Käsegang servierst, brauchst du einen Wein, der zu Käse passt – und das ist nicht immer Rotwein.
Zu Weichkäse (Brie, Camembert):
- Frischer Weißwein oder ein leichter Rotwein
- Chardonnay oder Pinot Noir
Zu Hartkäse (Comté, alter Gouda):
- Kräftige Rotweine wie Bordeaux oder Barolo
- Oder: Portwein – ein Klassiker zu Hartkäse
Zu Blauschimmelkäse (Roquefort, Gorgonzola):
- Süße Dessertweine wie Sauternes, Portwein oder Beerenauslese
Dessert: Der süße Abschluss
Das Dessert braucht einen Wein, der mindestens so süß ist wie das Dessert selbst – sonst schmeckt der Wein sauer.
Die besten Dessertweine zu Weihnachten
Zu Stollen, Lebkuchen, Weihnachtsgebäck:
- Eiswein: Konzentrierte Süße mit frischer Säure, ein deutscher Klassiker
- Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese: Edelsüß, komplex und langlebig
- Sauternes: Französischer Süßwein aus Bordeaux, honiggelb und cremig
- Tokaji Aszú: Ungarischer Dessertwein, komplex und süß mit Aprikosen- und Honignoten
Preisklasse: 15–40 Euro für 0,375 l.
Zu Schokoladendesserts:
- Portwein: Ein Ruby Port oder Tawny Port mit Schokoladenaromen
- Banyuls oder Maury: Französische Süßweine aus der Region Roussillon, perfekt zu Schokolade
Zu fruchtigen Desserts (Tarte, Sorbet):
- Spätlese oder Auslese: Weniger süß als Beerenauslese, fruchtig und frisch
- Moscato d'Asti: Italienischer, leicht perliger Süßwein, sehr zugänglich
Insider-Tipp: Dessertweine in kleinen Gläsern servieren (etwa 0,1 l pro Person). Die Konzentration ist hoch, mehr braucht man nicht.
Wie viel Wein pro Gang?
Faustregel pro Person:
- Aperitif: 0,1–0,15 l (1–2 Gläser)
- Vorspeise: 0,1 l (1 Glas)
- Hauptgang: 0,2–0,3 l (2–3 Gläser)
- Dessert: 0,1 l (1 kleines Glas)
Gesamtmenge: Etwa 0,5–0,75 l pro Person über das gesamte Menü.
Flaschen kalkulieren: Für 4 Personen brauchst du etwa:
- 1 Flasche Sekt/Champagner (Aperitif)
- 1 Flasche Weißwein (Vorspeise)
- 2 Flaschen Rotwein (Hauptgang)
- 1 halbe Flasche Dessertwein (0,375 l)
Mein persönlicher Tipp
Plane nicht zu viele unterschiedliche Weine ein – das überfordert die Gäste und dich. Ich setze meist auf ein schlankes Konzept:
- Crémant d'Alsace als Aperitif (großartige Qualität, bezahlbar)
- Riesling trocken zur Vorspeise (deutsch, frisch, unkompliziert)
- Pinot Noir aus dem Burgund zum Hauptgang (elegant, passt fast immer)
- Portwein zum Dessert (klein, intensiv, perfekt zu Schokolade und Käse)
Diese Kombination hat mich noch nie enttäuscht und lässt sich gut vorbereiten.
Fazit
Die Weinauswahl zum Weihnachtsessen muss nicht kompliziert sein. Halte dich an die Grundregel "von leicht zu schwer" und achte darauf, dass der Wein das Essen ergänzt, nicht überdeckt. Mit einem eleganten Aperitif, einem frischen Weißwein zur Vorspeise, einem kraftvollen Rotwein zum Hauptgang und einem süßen Dessertwein machst du garantiert nichts falsch.
Kaufe rechtzeitig ein, lagere die Weine bei der richtigen Temperatur und vor allem: Genieße den Abend. Der beste Wein ist der, der dir und deinen Gästen schmeckt. Prost und frohe Weihnachten!
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