Zusammenfassung
Das Weingut von Winning in Deidesheim zählt heute zu den bekanntesten und höchstbewerteten Adressen der Pfalz. Auf rund 80 Hektar – überwiegend Riesling – entstehen kompromisslos trockene Weine aus den großen Lagen von Forst, Deidesheim und Ruppertsberg. Was das Gut unverwechselbar macht, ist seine Handschrift: Die Rieslinge werden spontan und im großen Holzfass sowie im Barrique vergoren, was ihnen eine für deutschen Weißwein ungewöhnliche Tiefe, Textur und Reifefähigkeit verleiht. Seit der Neuausrichtung 2007 hat Gutsleiter Stephan Attmann von Winning an die absolute Spitze der deutschen Weinwelt geführt.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen bis ins Jahr 1849 zurück, als Friedrich Deinhard aus Koblenz in Deidesheim ein Weingut begründete. Den heutigen Namen verdankt das Haus Leopold von Winning, der 1907 in die Familie Deinhard einheiratete und zu den einflussreichen Persönlichkeiten des deutschen Weinbaus zählte – unter anderem als Mitbegründer der Vorläuferorganisation des heutigen VDP.
Über Jahrzehnte firmierte das Gut als „Dr. von Winning" beziehungsweise „Dr. Deinhard". Die entscheidende Wende kam 2007: Der Unternehmer Achim Niederberger erwarb das Weingut, gab ihm mit „von Winning" wieder einen eigenständigen Namen und holte den jungen Winzer Stephan Attmann als Betriebs- und Kellerleiter. Attmann brach mit der bisherigen Stilistik und richtete das Gut radikal auf trockene, im Holz vergorene Spitzenrieslinge aus. Nach dem Tod Niederbergers 2013 ging das Weingut an dessen Erbin Jana Seeger über; Stephan Attmann prägt den Stil bis heute.
Lage & Terroir
Von Winning liegt an der Deutschen Weinstraße in der Mittelhaardt – jenem Herzstück der Pfalz, das für einige der besten trockenen Rieslinge Deutschlands steht. Das Klima ist mild und sonnenverwöhnt; der Haardtrand als östlicher Ausläufer des Pfälzerwaldes schützt die Reben vor Wetterextremen. Feigen und Mandelbäume zwischen den Zeilen zeigen, wie warm es hier werden kann.
Entscheidend ist die Vielfalt der Böden. In Forst sorgt der schwarze Basalt (etwa in der Lage Pechstein) für rauchig-mineralische, straffe Weine, während Kalk- und Buntsandsteinböden in Deidesheim und Ruppertsberg eher füllige, elegante Rieslinge hervorbringen. Diese kleinräumige geologische Vielfalt erlaubt es dem Gut, aus jeder Lage einen unverwechselbaren Charakter herauszuarbeiten.
Stil & Philosophie
Die stilistische Grundidee von Winnings ist es, Riesling wie einen großen weißen Burgunder zu behandeln. Die Trauben werden ganz oder teilweise als Ganztrauben gepresst, die Moste spontan mit den weinbergseigenen Hefen vergoren und die Weine über viele Monate auf der Feinhefe im großen Holzfass (Stückfass, Doppelstück) und im Barrique ausgebaut. Das Ergebnis sind trockene Rieslinge mit dichtem Körper, feiner phenolischer Struktur und großer Alterungsfähigkeit – weit entfernt vom leichten, fruchtbetonten Stil.
Auch der Sauvignon Blanc ist zum Markenzeichen geworden: barrique-vergoren und komplex, gehört er zu den ambitioniertesten Vertretern der Rebsorte in Deutschland. Ergänzt wird das Sortiment durch Weißburgunder und einen kleinen, feinen Sektbereich.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt: von zugänglichen Gutsrieslingen über Ortsweine bis zu den Großen Gewächsen aus den Grand-Cru-Lagen. Zu den berühmtesten Lagen des Guts zählen:
- Forster Kirchenstück – oft als beste Rieslinglage Deutschlands bezeichnet
- Forster Jesuitengarten und Forster Pechstein – der eine finessenreich, der andere rauchig-mineralisch auf Basalt
- Forster Ungeheuer – kraftvoll und würzig
- Deidesheimer Kalkofen, Grainhübel, Kieselberg, Langenmorgen und Mäushöhle
- Ruppertsberger Reiterpfad
Diese Weine gehören regelmäßig zu den höchstbewerteten trockenen Rieslingen Deutschlands.
Auszeichnungen
Seit der Neuausrichtung sammelt von Winning konstant Bestnoten in den führenden Weinführern (Falstaff, Gault&Millau, Eichelmann) und internationalen Verkostungen. Das Gut gilt heute unbestritten als eines der Aushängeschilder für trockenen Riesling aus der Pfalz – und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die im Holz vergorene, „burgundische" Stilistik in Deutschland Schule gemacht hat.
