Zusammenfassung
Vietti aus Castiglione Falletto zählt zu den renommiertesten und geschichtsträchtigsten Weingütern des Piemont. Das Haus mit Wurzeln im späten 19. Jahrhundert wurde vor allem durch Alfredo Currado geprägt, der ab den 1960er-Jahren zu den Pionieren des Einzellagen-Barolo (Cru) gehörte, die fast vergessene Weißsorte Arneis rettete und 1974 die berühmten Künstler-Etiketten einführte. Der Schwerpunkt liegt auf Nebbiolo für Barolo und Barbaresco, dazu kommen kraftvolle Barbera, filigraner Arneis und süßer Moscato. 2016 ging das Gut an die US-Familie Krause über – der Ruf als eine der ersten Adressen der Langhe blieb ungebrochen.
Geschichte
Die Wurzeln von Vietti reichen ins späte 19. Jahrhundert zurück, als die Familie in Castiglione Falletto Weinbau betrieb. Zu einem eigenständigen Weingut mit eigener Abfüllung entwickelte sich der Betrieb im frühen 20. Jahrhundert unter Mario Vietti, der um 1919 begann, den Wein unter eigenem Namen auf Flaschen zu ziehen – zu einer Zeit, als die meisten Bauern der Langhe ihre Trauben oder Fässer noch an Händler verkauften.
Die prägende Figur wurde jedoch Alfredo Currado, der in die Familie einheiratete und das Gut ab den 1950er- und 1960er-Jahren neu ausrichtete. Currado gehörte zu den ersten Erzeugern, die einen Barolo aus einer einzelnen Lage – Rocche di Castiglione, erstmals im Jahrgang 1961 – separat abfüllten und damit die Idee des „Cru" in der Langhe etablierten. Ebenso weitsichtig war seine Arbeit mit der fast verschwundenen Weißsorte Arneis. Sein Sohn Luca Currado und dessen Frau Elena führten diese Philosophie später fort. 2016 verkaufte die Familie das Weingut an die US-amerikanische Unternehmerfamilie Krause aus Iowa; Luca Currado blieb zunächst als Geschäftsführer und Kellermeister verantwortlich.
Lage & Terroir
Vietti hat seinen Sitz im Bergdorf Castiglione Falletto, das mitten in der Barolo-Zone in den Hügeln der Langhe liegt. Diese Region im Süden des Piemont ist von steilen, sich abwechselnden Kämmen und einem kontinentalen Klima mit warmen Sommern und kühlen, oft nebligen Herbsttagen geprägt – der Nebel („nebbia") gab dem Nebbiolo seinen Namen.
Entscheidend ist die geologische Vielfalt der Langhe. Die kalkreichen Mergelböden aus der Tortono-Zeit ergeben duftige, elegante Weine, während sandigere, kompaktere Böden aus der Serravallo-Zeit kraftvollere, tanninbetonte Barolo hervorbringen. Weil Vietti Parzellen in mehreren Gemeinden – darunter Castiglione Falletto, La Morra, Serralunga d'Alba und Monforte d'Alba – besitzt, kann das Gut die feinen Unterschiede jeder Lage einzeln herausarbeiten.
Stil & Philosophie
Stilistisch verbindet Vietti Tradition und Präzision. Im Zentrum steht der Anspruch, den Charakter jeder einzelnen Lage möglichst klar und unverfälscht in die Flasche zu bringen. Die Barolo reifen über längere Zeit in Holzfässern unterschiedlicher Größe und zeigen die für großen Nebbiolo typische Kombination aus feinem Duft nach Rosen, Kirschen und Teer, festem Tanningerüst und großem Alterungspotenzial.
Neben den Rotweinen ist Vietti untrennbar mit dem Arneis verbunden: Der 1967 vorgestellte sortenreine Roero Arneis trug maßgeblich dazu bei, diese fast ausgestorbene Weißsorte wieder populär zu machen. Ergänzt wird das Sortiment durch dichte, saftige Barbera – etwa die Einzellage Scarrone – sowie einen leichten, aromatischen Moscato d'Asti.
Bekannte Lagen & Weine
Vietti bündelt sein Sortiment um mehrere berühmte Einzellagen-Barolo. Zu den bekanntesten zählen:
- Rocche di Castiglione – die historische Cru des Guts, bekannt für Finesse und Duft
- Brunate (La Morra) und Lazzarito (Serralunga d'Alba) – kraftvoll und langlebig
- Ravera (Novello) – aromatisch und straff
- Villero – Grundlage der seltenen Barolo Riserva in Spitzenjahrgängen
- Cerequio – eine in jüngerer Zeit hinzugekaufte Spitzenlage
Dazu kommen der Basis-Barolo Castiglione als Cuvée aus mehreren Gemeinden, die Barbera Scarrone und La Crena, der Roero Arneis sowie der Moscato d'Asti. Die Künstler-Etiketten machen viele dieser Flaschen zusätzlich zu gesuchten Sammlerstücken.
Auszeichnungen
Vietti gilt seit Jahrzehnten als einer der Maßstäbe für Barolo und wird in den führenden internationalen Weinführern und Fachmagazinen regelmäßig mit Spitzenbewertungen bedacht. Über die reinen Punkte hinaus liegt die historische Bedeutung des Guts in seiner Pionierrolle: Vietti prägte die Idee des Einzellagen-Barolo mit, bewahrte die Weißsorte Arneis vor dem Verschwinden und schuf mit den Künstler-Etiketten ein unverwechselbares Markenzeichen, das bis heute Sammler und Weinliebhaber weltweit anzieht.
