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Weingut Thörle – Riesling, Silvaner und Spätburgunder aus Saulheim

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
7. August 2026
thörlerheinhessenriesling

Weingut Thörle in Saulheim: Riesling, Silvaner und Spätburgunder aus den Saulheimer Toplagen Hölle, Schlossberg und Probstey. Steckbrief, Stil und Lagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Eines der prägenden Güter des neuen Rheinhessen – seit 2006 geführt von den Brüdern Christoph und Johannes Thörle.
  • 2Rund 30 Hektar rund um Saulheim, verteilt auf viele kleine Parzellen in unflurbereinigten Hanglagen.
  • 3Drei Saulheimer Spitzenlagen bilden das Herz des Sortiments: Hölle, Schlossberg und Probstey.
  • 4Silvaner auf höchstem Niveau – Falstaff zählt die Brüder zu den besten Silvaner-Erzeugern Deutschlands.
  • 5Seit 2019 neues Weingut mitten in den Reben; offizielle Bio-Umstellung, erster zertifizierter Jahrgang 2022.

Steckbrief

Region
Rheinhessen – Saulheim (zwischen Mainz und Alzey), Deutschland
Gegründet
Weinbautradition der Familie seit Jahrhunderten (ältester Kellerteil um 1517); Weingut in heutiger Form 1985 durch Uta und Rudolf Thörle
Inhaber / Winzer
Familie Thörle – die Brüder Christoph und Johannes Thörle, seit 2006 in der Verantwortung
Rebfläche
rund 30 Hektar (die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen etwa 20 und 30 Hektar)
Leitrebsorten
Riesling, Silvaner, Spätburgunder; dazu Chardonnay und Sauvignon Blanc
Weinstile
Trockene Weiß- und Rotweine in den Stufen Gutswein, Ortswein, Lagenwein und Réserve; Prädikatsweine und Sekt
Klassifikation
Eigene Qualitätspyramide mit Lagen- und Réserve-Weinen; biozertifiziert seit dem Jahrgang 2022
Besonderheit
Silvaner auf Weltklasse-Niveau und die drei großen Saulheimer Lagen aus einer Hand

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Zusammenfassung

Das Weingut Thörle in Saulheim gehört zu den Betrieben, die den Ruf von Rheinhessen in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert haben. Auf rund 30 Hektar erzeugen die Brüder Christoph und Johannes Thörle trockene Weine von auffallender Klarheit: straffe Rieslinge, tiefgründige Silvaner und feingliedrige Spätburgunder. Das Herzstück sind drei Saulheimer Spitzenlagen – Hölle, Schlossberg und Probstey –, deren Kalk- und Lössböden den Weinen Salzigkeit und Zug geben. Seit dem Neubau 2019 mitten in den Reben arbeitet das Gut zudem konsequent biologisch.

Geschichte

Weinbau hat in der Familie Thörle eine sehr lange Tradition – der älteste Teil des Gutes reicht bis ins Jahr 1517 zurück, und die besten Weine reifen bis heute in diesen alten Kellern. Als Weingut im heutigen Sinn entstand der Betrieb allerdings erst 1985: Damals gaben Uta und Rudolf Thörle die übrigen landwirtschaftlichen Zweige auf, konzentrierten sich ganz auf den Wein und begannen mit der Selbstvermarktung. Damit war die Grundlage für alles Weitere gelegt.

Die eigentliche Wende kam 2006, als die Söhne Christoph und Johannes Thörle die Verantwortung übernahmen. Beide gaben dafür ihre bisherigen Wege auf und richteten den Betrieb kompromisslos auf Qualität aus: strenge Ertragsreduzierung, Handlese, spontane Vergärung und ein deutlich längerer Ausbau. Innerhalb weniger Jahre stieg Thörle in die Spitzengruppe Rheinhessens auf.

Ein zweiter Einschnitt folgte 2019: Nach jahrelanger Planung entstand am Ortsrand, mitten in den Weinbergen der Lage Saulheimer Hölle, ein komplett neues Betriebsgebäude mit Vinothek. Zeitgleich begann die offizielle Umstellung auf ökologischen Weinbau – der Jahrgang 2022 war der erste zertifizierte.

Lage & Terroir

Saulheim liegt im rheinhessischen Hügelland zwischen Mainz und Alzey, in einer der trockensten und sonnenreichsten Ecken Deutschlands. Der Taunus und der Hunsrück halten Regen ab; die Weinberge profitieren von warmen Tagen und vergleichsweise kühlen Nächten, was den Weinen Frucht und Säurespannung zugleich erhält.

Entscheidend ist der Boden. Rund um Saulheim treffen Kalkstein, Kalkmergel und tiefgründiger Löss aufeinander, stellenweise durchsetzt mit Ton und Sand. Der Kalk gibt vor allem den Rieslingen und Silvanern ihre salzige, fast kreidige Note und den langen Nachhall, während Löss für Fülle und Rundheit sorgt. Weil die Hänge rund um Saulheim nie flurbereinigt wurden, bewirtschaftet das Gut viele kleine Einzelparzellen – aufwendig, aber ideal, um Bodenunterschiede im Wein sichtbar zu machen.

Stil & Philosophie

Der Stil des Hauses ist ausgesprochen zurückhaltend und präzise. Statt auf Opulenz zu setzen, arbeiten die Brüder mit langen Standzeiten, spontaner Vergärung und einem behutsamen Ausbau – je nach Wein im Edelstahl, im großen Holzfass oder im gebrauchten Barrique. Neues Holz spielt eine untergeordnete Rolle; es soll den Wein tragen, nicht überdecken.

Im Weinberg gilt der Grundsatz, so wenig wie möglich einzugreifen: keine chemisch-synthetischen Dünger, keine Herbizide, Begrünung zwischen den Zeilen und ausschließlich Handlese. Das Sortiment ist klar gestaffelt – von zugänglichen Gutsweinen über Orts- und Lagenweine bis zu den Réserve-Weinen, die deutlich länger auf der Feinhefe reifen und erst spät auf den Markt kommen.

Bekannte Lagen & Weine

Das Rückgrat des Guts bilden drei Lagen unmittelbar rund um Saulheim, dazu Parzellen in den Nachbarorten:

  • Saulheimer Hölle – Kalkmergel; Herkunft besonders straffer, salziger Rieslinge und Silvaner
  • Saulheimer Schlossberg – die klassische Rotweinlage des Guts, Basis der besten Spätburgunder
  • Saulheimer Probstey – kalkgeprägt, elegant und feinwürzig
  • Essenheimer Teufelspfad – Parzelle im Nachbarort Essenheim
  • Stadecker Lenchen – Lage in Stadecken-Elsheim

Besonders bekannt sind die Silvaner aus diesen Lagen, die zeigen, welches Potenzial die oft unterschätzte Rebsorte auf Kalk hat, sowie die trockenen Rieslinge und die Spätburgunder der Réserve-Linie.

Auszeichnungen

Thörle sammelt seit Jahren konstant Bestnoten in den führenden deutschen Weinführern – Gault&Millau, Eichelmann und Falstaff. Der Gault&Millau vergab dem Gut innerhalb weniger Jahre drei Trauben und lobt Weine von „enormer Präzision, packend, authentisch und kraftvoll"; Falstaff zählt die Brüder zu den besten Silvaner-Erzeugern des Landes. 2021 wurde das Weingut zudem als Global Winner des Best of Wine Tourism Award der Great Wine Capitals ausgezeichnet – eine Anerkennung für den Neubau und das Besucherkonzept mitten in den Weinbergen.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Thörle bekannt?

Thörle steht für trockene, präzise Weine aus Saulheim in Rheinhessen. Berühmt sind vor allem die Silvaner, die zu den besten Deutschlands gezählt werden, dazu straffe Rieslinge und elegante Spätburgunder aus den Lagen Hölle, Schlossberg und Probstey. Der Stil ist eher zurückhaltend und mineralisch als üppig.

Wo liegt das Weingut Thörle?

Das Gut liegt in Saulheim, einem Weinort zwischen Mainz und Alzey im Herzen von Rheinhessen. Seit 2019 steht das neue Betriebsgebäude am Ortsrand mitten in den Weinbergen der Lage Saulheimer Hölle, mit angeschlossener Vinothek.

Wem gehört das Weingut Thörle?

Das Weingut ist ein Familienbetrieb. Uta und Rudolf Thörle gründeten es 1985 in seiner heutigen Form, als sie die übrige Landwirtschaft aufgaben und mit der Selbstvermarktung begannen. Seit 2006 führen die Söhne Christoph und Johannes Thörle den Betrieb.

Arbeitet Thörle biologisch?

Ja. Mit dem Neubau 2019 begann die offizielle Umstellung auf ökologischen Weinbau, 2022 war der erste zertifizierte Jahrgang. Auf chemisch-synthetische Dünger, Herbizide und Insektizide wird verzichtet, gelesen wird ausschließlich von Hand.

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