Zusammenfassung
Prunotto mit Sitz in Alba ist eines der geschichtsträchtigsten Häuser des Piemont. Die Wurzeln reichen bis 1904 zurück, als in Serralunga d'Alba die Genossenschaft „Ai Vini delle Langhe“ gegründet wurde; 1923 übernahm Alfredo Prunotto den angeschlagenen Betrieb und gab ihm seinen Namen. Zur stilbildenden Adresse wurde Prunotto unter dem Önologen Beppe Colla, der ab 1956 die Regie übernahm und ab 1961 einzelne Lagen wie Bussia separat vinifizierte – eine für die Langhe damals neue Idee. Seit 1994 gehört das Gut vollständig der toskanischen Familie Antinori, die die Rebflächen konsequent ausgebaut hat. Heute entstehen auf rund 70 bis 75 Hektar Barolo, Barbaresco, Barbera, Dolcetto und Arneis.
Geschichte
Die Geschichte beginnt 1904 in Serralunga d'Alba, wo Kleinwinzer die Genossenschaft „Cantina Sociale Ai Vini delle Langhe“ gründeten – Alfredo Prunotto war als Zeuge dabei und arbeitete später als Sekretär und Berater für den Betrieb. Die erste Ernte wurde 1905 eingebracht. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Genossenschaft in wirtschaftliche Not und musste Anfang der 1920er-Jahre liquidiert werden.
1923 übernahmen Alfredo Prunotto und seine Frau Luigina das Unternehmen und gaben ihm den Familiennamen. Das Paar gehörte in den folgenden Jahrzehnten zu den Pionieren des Exports: Barolo und Barbaresco aus Alba gingen bereits in den 1920er- bis 1950er-Jahren nach Süd- und Nordamerika, zu einer Zeit, als die Langhe international noch weitgehend unbekannt waren.
1956 zog sich Alfredo Prunotto zurück und übergab den Betrieb an seinen Freund, den Önologen Beppe Colla, der später von seinem Bruder Tino Colla unterstützt wurde. Colla prägte Prunotto über mehr als drei Jahrzehnte. Ab 1961 begann er, besonders charakteristische Weinberge getrennt zu vinifizieren und unter Lagennamen abzufüllen – Barolo Bussia war einer der ersten dieser Weine. Damit gehört Prunotto zu jenen wenigen Häusern, die die Idee des „Cru“ in der Langhe überhaupt erst etabliert haben. 1972 entstand ein moderner Kellereibau in Alba.
1989 übernahm die florentinische Familie Antinori zunächst den Vertrieb, 1994 – nach dem Ausscheiden der Brüder Colla – auch die Produktion. Anders als zuvor, als Prunotto vor allem Trauben von Vertragswinzern verarbeitete, setzte Albiera Antinori ab den 1990er-Jahren auf den Aufbau eigener Weinberge und kaufte gezielt Spitzenparzellen, darunter Anteile in Bussia und die Lage Costamiòle im Monferrato.
Lage & Terroir
Der Sitz in Alba liegt genau zwischen den beiden großen Nebbiolo-Zonen des Piemont: südwestlich beginnt die Barolo-Zone, nordöstlich die Barbaresco-Zone. Beide gehören zu den Langhe, einer Hügellandschaft mit steilen, vielfach gedrehten Kämmen. Das Klima ist kontinental mit warmen Sommern, deutlichen Tag-Nacht-Unterschieden und kühlen, oft nebligen Herbsttagen – der Nebel („nebbia“) gab dem Nebbiolo seinen Namen und ermöglicht eine sehr lange, langsame Reife.
Entscheidend sind die Mergelböden der Langhe. Kalkreiche, tonige Mergel ergeben duftige, elegante Weine, während sandigere und kompaktere Formationen kraftvollere, tanninbetonte Barolo hervorbringen. Bussia in Monforte d'Alba liegt in einem natürlichen Amphitheater und ist für tiefe, strukturierte Weine bekannt; Bric Turot in Barbaresco umfasst rund fünf Hektar in etwa 190 bis 230 Metern Höhe mit südöstlicher bis südwestlicher Ausrichtung. Ergänzt wird das Portfolio durch Costamiòle bei Agliano Terme im Monferrato, wo Barbera auf kalkhaltigen Böden besonders dicht und langlebig wird, sowie durch sandigere Lagen im Roero für Nebbiolo d'Alba und Arneis.
Stil & Philosophie
Prunotto verbindet klassische Langhe-Tradition mit moderner Kellertechnik. Die Weine sollen den Charakter ihrer Lage möglichst unverfälscht zeigen – deshalb wird parzellenweise gelesen und getrennt vergoren. Die Barolo und Barbaresco reifen über längere Zeit in Holzfässern unterschiedlicher Größe, wobei große Fässer und Barriques je nach Wein und Jahrgang kombiniert werden. Das Ergebnis sind Weine mit dem für großen Nebbiolo typischen Duft nach Rosen, Kirschen, Lakritz und Teer, festem, feinkörnigem Tannin und großem Reifepotenzial.
Ungewöhnlich ehrgeizig ist der Umgang mit Barbera: Die Costamiòle wurde Mitte der 1990er-Jahre bewusst als barriquegereifter Spitzenwein konzipiert und zählt heute zu den Referenzen der Appellation Nizza, die aus dem Kern des Barbera-d'Asti-Gebiets hervorgegangen ist. Daneben bleibt das Sortiment breit und alltagstauglich: Dolcetto d'Alba, Nebbiolo d'Alba, Roero Arneis und ein Moscato d'Asti decken die klassische piemontesische Bandbreite ab, ergänzt durch einen Langhe-Rosé und Grappe.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist um mehrere historische Lagen gebaut. Zu den bekanntesten zählen:
- Bussia (Monforte d'Alba) – der Barolo, mit dem 1961 die Einzellagen-Serie begann
- Bussia Vigna Colonnello – die Riserva aus dem Herzstück der Lage, nur in starken Jahrgängen
- Bric Turot (Barbaresco) – der Barbaresco des Guts, rund fünf Hektar in bester Ausrichtung
- Costamiòle (Agliano Terme) – Barbera als Nizza DOCG, im Barrique ausgebaut
- Pian Romualdo – Barbera d'Alba aus einer Lage bei Monforte d'Alba
- Occhetti – Nebbiolo d'Alba aus dem Roero
- Bansella – eine weitere der historischen Produktionsparzellen des Hauses
Dazu kommen der klassische Barolo als Cuvée aus mehreren Parzellen, Dolcetto d'Alba, Roero Arneis und Moscato d'Asti. In den vergangenen Jahren hat das Gut seine Basis weiter verstärkt und unter anderem Flächen in der renommierten Lage Cerretta in Serralunga d'Alba erworben.
Auszeichnungen
Prunotto wird in den führenden internationalen Weinführern und Fachmagazinen seit Jahrzehnten regelmäßig mit hohen Bewertungen bedacht; besonders der Barolo Bussia, die Riserva Vigna Colonnello und die Barbera Costamiòle tauchen verlässlich in den Spitzengruppen ihrer Kategorien auf. Über einzelne Punktzahlen hinaus liegt die Bedeutung des Hauses jedoch in seiner Rolle als Wegbereiter: Prunotto exportierte Barolo in eine Zeit, in der die Langhe international kaum wahrgenommen wurden, und half unter Beppe Colla, den Einzellagen-Barolo als Kategorie zu begründen. Unter der Regie der Antinori ist daraus ein modern geführtes Gut mit eigenen Spitzenlagen geworden, das die Handschrift seiner Geschichte bewusst weiterträgt.
