Zusammenfassung
Das Weingut Jurtschitsch in Langenlois zählt zu den bekanntesten Adressen des Kamptals. Auf rund 62 Hektar entstehen kühl-elegante, terroirbetonte Weine – vor allem Grüner Veltliner und Riesling aus den großen Rieden rund um Langenlois und Zöbing. Was das Gut prägt, ist seine kompromisslos ökologische Handschrift: Die Weinberge werden zertifiziert biologisch bewirtschaftet, mit biodynamischen und naturweinnahen Elementen, und im Keller wird bewusst wenig eingegriffen. Seit rund 2009 führen Alwin und Stefanie Jurtschitsch das traditionsreiche Familiengut in die Gegenwart und haben es zu einem der Vorreiter der Bio-Bewegung in Österreich gemacht.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen tief in die Geschichte von Langenlois zurück: Teile der Keller stammen aus dem 14. Jahrhundert, und seit 1868 ist das Weingut in Familienbesitz der Jurtschitsch. Über Generationen wuchs das Gut zu einem der bekannteren Betriebe des Kamptals heran.
Die entscheidende Wende der jüngeren Geschichte kam um 2009, als Alwin Jurtschitsch gemeinsam mit seiner Frau Stefanie (geborene Hasselbach, aus einer rheinhessischen Winzerfamilie) die Verantwortung übernahm. Das junge Paar stellte den Betrieb konsequent auf biologische Bewirtschaftung um und richtete die Weine stilistisch neu aus – hin zu mehr Frische, Präzision und Terroir. Damit wurde Jurtschitsch zu einem der prägenden Namen für den modernen, ökologisch orientierten Kamptaler Weinbau.
Lage & Terroir
Das Kamptal liegt im Nordosten Niederösterreichs, entlang des Flusses Kamp nördlich der Donau. Das Klima ist von einem markanten Gegensatz geprägt: Warme, pannonische Einflüsse aus dem Osten treffen auf kühle Luft aus dem Waldviertel im Norden. Diese großen Tag-Nacht-Temperaturunterschiede sorgen für lange, langsame Reife und bewahren Frische und Aromatik – die Grundlage der kühl-eleganten Jurtschitsch-Weine.
Entscheidend ist die Vielfalt der Böden. Der berühmte Zöbinger Heiligenstein besteht aus einem seltenen Urgestein mit Wüstensandstein und vulkanischen Einschlüssen und gilt als eine der großen Riesling-Lagen Österreichs. Rundherum prägen Löss, Verwitterungsgestein und Konglomerate die Rieden – Löss bringt füllige, würzige Grüne Veltliner hervor, während karge Urgesteinsböden straffe, mineralische Rieslinge liefern.
Stil & Philosophie
Im Zentrum der Arbeit steht der Boden: Die Weinberge werden zertifiziert biologisch bewirtschaftet, ergänzt um biodynamische und naturweinnahe Elemente. Begrünung, Verzicht auf synthetische Mittel und viel Handarbeit sollen lebendige, ausgewogene Weinberge schaffen. Im Keller setzt das Gut auf Spontangärung mit weinbergseigenen Hefen und minimale Eingriffe – wenig Schwefel, langer Hefekontakt und Geduld statt Technik.
Das Ergebnis sind Weine mit klarer Herkunft: kühl, elegant und straff, mit feiner Mineralität und Trinkfluss. Neben den klassischen Lagenweinen entstehen auch experimentellere, naturweinnahe Cuvées, mit denen Alwin und Stefanie Jurtschitsch ihren Ruf als Grenzgänger zwischen Tradition und Avantgarde untermauern.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt: von zugänglichen Guts- und Ortsweinen bis zu den großen Erste-Lage-Rieden im Rang der ÖTW. Zu den wichtigsten Lagen des Guts zählen:
- Ried Zöbinger Heiligenstein – die berühmte Urgesteins-Lage, Heimat großer Rieslinge
- Ried Käferberg – Löss und Verwitterungsgestein, für kraftvolle Grüne Veltliner
- Ried Loiserberg – kühl und mineralisch geprägt
- Ried Dechant und Ried Lamm – klassische Kamptaler Spitzenrieden
- Ried Schenkenbichl
Die Weine aus diesen Rieden gehören regelmäßig zu den ausdrucksstärksten Grünen Veltlinern und Rieslingen des Kamptals.
Auszeichnungen
Seit der Neuausrichtung sammelt Jurtschitsch konstant hohe Bewertungen in den führenden Weinführern und Verkostungen, unter anderem regelmäßig bei Falstaff. Das Gut gilt heute als eines der Aushängeschilder für biologisch erzeugten Kamptaler Wein – und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Bio und Naturwein in der Region kein Nischenthema mehr sind, sondern zum Selbstverständnis einer neuen Winzergeneration gehören.
