Zusammenfassung
Das Weingut Forstmeister Geltz Zilliken in Saarburg gehört zu den Ikonen der Saar – jenem kühlen Seitental der Mosel, das für die filigransten Rieslinge Deutschlands steht. Auf rund 12 bis 13 Hektar wächst ausschließlich Riesling, der ganz überwiegend aus der steilen Schieferlage Saarburger Rausch stammt. Vergoren und ausgebaut wird kompromisslos traditionell im 1.000-Liter-Fuderfass, in einem außergewöhnlich tiefen und feuchten Keller, dessen unterste Etage als „Schatzkammer“ bekannt ist. Herausgekommen sind über Jahrzehnte Weine, die trotz geringer Alkoholgrade eine enorme Spannung und Lebensdauer besitzen – allen voran die fruchtsüßen Prädikatsweine und die raren Eisweine.
Geschichte
Der Weinbau der Familie lässt sich in Saarburg und Ockfen bis etwa 1742 zurückverfolgen – eine der längsten dokumentierten Traditionen an der Saar. Die entscheidende Figur war jedoch Ferdinand Geltz (1851–1925), königlich-preußischer Forstmeister und zugleich Bürgermeister von Saarburg. Er baute den Betrieb zu einem der führenden Güter der Region aus und zählte zu den Mitbegründern des Vereins der Naturweinversteigerer „Großer Ring“, aus dem der heutige VDP hervorging.
Nach Geltz' Tod wurde der Weinbergsbesitz unter seinen Töchtern Antoinette und Ella aufgeteilt. Im Dezember 1944 zerstörte ein Bombenangriff die Gutsanlage vollständig. Enkelin Marianne führte den Betrieb dennoch weiter; ihre Heirat mit Fritz Zilliken im Jahr 1947 gab dem Gut seinen heutigen Doppelnamen. 1950 erwarb das Paar den Kellerbau, der bis heute das Herz des Weinguts bildet.
Mit dem Jahrgang 1976 übernahm Hanno Zilliken die Verantwortung und formte über drei Jahrzehnte den internationalen Ruf des Guts. Seine Tochter Dorothee Zilliken stieg nach dem Studium in Geisenheim und Stationen in der Pfalz und in Südafrika im Jahr 2007 ein und leitet seit 2016 die Weinbereitung – nach Zählung der Familie in der elften Generation.
Lage & Terroir
Die Saar ist das kühlste Teilgebiet der Mosel. Was hier über Jahrhunderte als Risiko galt, ist im heutigen Klima ein Vorteil: Die Trauben reifen langsam, behalten ihre schneidende Säure und ergeben Weine von großer Frische und niedrigem Alkoholgehalt – viele Kabinett-Weine liegen unter 9 % Vol.
Das Rückgrat des Guts ist der Saarburger Rausch, eine steile Südlage direkt oberhalb von Saarburg, in der der weitaus größte Teil der Rebfläche liegt. Charakteristisch ist der devonische Schiefer, durchsetzt mit Diabas – einem harten vulkanischen Gestein, das dem Boden eine besondere Würze verleiht. Die Reben wurzeln in den zerklüfteten Schichten mehrere Meter tief und finden dort selbst in trockenen Jahren Wasser. Hinzu kommt der benachbarte Ockfener Bockstein, ebenfalls eine große Saar-Lage auf verwittertem Schiefer.
Stil & Philosophie
Der Stil des Guts ist bewusst zurückhaltend und traditionell. Gelesen wird selektiv von Hand, die Moste vergären spontan mit den weinbergseigenen Hefen – und ausschließlich im Fuderfass, dem klassischen 1.000-Liter-Holzfass der Mosel. Viele dieser Fässer sind Jahrzehnte alt und geben keinen Holzton mehr ab; sie dienen allein der langsamen, sauerstoffarmen Reifung.
Möglich macht das der außergewöhnliche Keller: Er reicht mehrere Meter tief in den Fels, hält konstant rund 11 °C und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 95 Prozent. Unter diesen Bedingungen ziehen sich Gärungen oft über Monate. Die tiefste Ebene beherbergt die „Schatzkammer“ mit historischen Jahrgängen, die dort über Jahrzehnte unter idealen Bedingungen ruhen. Das Gut arbeitet zertifiziert biologisch.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt – vom Gutswein bis zur Versteigerungsrarität:
- Rausch Riesling Großes Gewächs – der trockene Spitzenwein aus der Kernlage
- Saarburger Rausch Kabinett, Spätlese und Auslese – die berühmten fruchtsüßen Prädikate mit Feinheit statt Wucht
- Rausch Eiswein und Trockenbeerenauslese – seltene Süßweine mit extremem Reifepotenzial
- Ockfener Bockstein Riesling – würziger, etwas kerniger Gegenpol zum Rausch
- Zilliken Riesling „Butterfly“ – der zugängliche, feinherbe Einstiegswein des Guts
- Trockene Ortsweine aus Saarburg, teils von alten Reben
Auszeichnungen
Forstmeister Geltz Zilliken zählt seit Jahrzehnten zur Spitzengruppe der deutschen Weinführer. Der Gault&Millau kürte Dorothee und Hanno Zilliken zu den Winzern des Jahres 2017 und führt das Gut in der höchsten Bewertungsstufe; im Folgejahrgang wurden zudem Kabinett, Spätlese und Auslese des Guts jeweils als beste ihrer Kategorie ausgezeichnet. Auch international sammeln die Weine – vom trockenen Großen Gewächs bis zum Eiswein – regelmäßig Bestnoten bei Falstaff, Vinum und im Wine Advocate. Damit gilt das Gut neben wenigen anderen Häusern als Maßstab dafür, was Riesling an der Saar zu leisten vermag.
