Zusammenfassung
Finca Las Moras ist eine der bekanntesten Bodegas der argentinischen Provinz San Juan – jener Region, die nach Mendoza die zweitgrößte Weinbauprovinz des Landes ist und lange im Schatten des großen Nachbarn stand. Seit der Gründung 1993 hat das Gut maßgeblich dazu beigetragen, dass San Juan heute vor allem für eines steht: Syrah. Auf rund 1.100 Hektar eigener Weinberge in den Tälern Tulum, Zonda und Pedernal entstehen Weine über die gesamte Bandbreite – von unkomplizierten Alltagsweinen bis zu ambitionierten Cuvées aus dem Hochtal Pedernal auf etwa 1.350 Metern. Hinter dem Gut steht die Grupo Peñaflor, die größte Weingruppe Argentiniens.
Geschichte
Weinbau hat in San Juan eine lange Tradition, doch über Jahrzehnte ging es hier vor allem um Menge: Die Provinz lieferte Fasswein, Tafeltrauben und Traubenmostkonzentrat. Die Wende kam in den frühen Neunzigern, als in Argentinien flächendeckend auf Qualität umgestellt wurde.
1993 wurden die Weinberge des Guts grundlegend neu strukturiert – mit fachlicher Begleitung des australischen Weinbauwissenschaftlers Richard Smart, der als einer der einflussreichsten Berater für Laubwandmanagement gilt. Aus dieser Neuausrichtung ging Finca Las Moras hervor. Der Name verweist auf die Maulbeerbäume (spanisch „moras“), die traditionell die Weinberge der Gegend säumen und als Windschutz dienen.
Das Gut gehört zur Grupo Peñaflor, die 1904 von einer italienischen Einwandererfamilie gegründet wurde und in den 1990er-Jahren den Sprung vom Massenwein zum Qualitätswein vollzog. Zur Gruppe zählen weitere bekannte argentinische Häuser. Seit rund 2004 verantwortet Eduardo Casademont die Weine von Finca Las Moras; er gilt als treibende Kraft hinter dem Vorstoß in die höheren Lagen von Pedernal.
Lage & Terroir
San Juan liegt im Westen Argentiniens am Fuß der Anden, rund 150 Kilometer nördlich von Mendoza. Das Klima ist ausgesprochen heiß, trocken und sonnenreich – Niederschlag ist knapp, bewässert wird mit Schmelzwasser aus den Bergen. Was San Juan besonders macht, ist nicht ein einzelnes Terroir, sondern die enorme Spannbreite an Höhenlagen auf kleinem Raum.
Finca Las Moras arbeitet mit drei Tälern:
- Valle de Tulum auf etwa 650 Metern – das klassische, warme Herz des sanjuaninischen Weinbaus, das reife, weiche und großzügige Weine hervorbringt.
- Valle de Zonda auf rund 950 Metern – ein enges Tal mit kalkhaltigen Böden, etwas kühler und straffer im Ausdruck.
- Valle de Pedernal auf etwa 1.350 Metern – ein abgelegenes Hochtal rund 90 bis 100 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt, nahe der Grenze zu Mendoza.
Pedernal ist der eigentliche Qualitätsmotor. Die Böden sind steinig und kalkhaltig, die Nächte kühl, die Tag-Nacht-Unterschiede betragen bis zu 20 Grad. Das Ergebnis: Trauben mit reifen Tanninen, aber erhaltener Säure und ausgeprägter Würze. Seit 2007 ist Valle de Pedernal als eigene Indicación Geográfica (I.G.) anerkannt – einer der ersten Schritte, mit denen sich San Juan als Herkunft für Spitzenweine positioniert hat.
Stil & Philosophie
Der Hausstil ist eindeutig: reife Frucht, warme Würze, weiche Textur. Die Weine sind zugänglich und geradlinig gebaut, ohne aggressive Tannine oder scharfe Kanten. Genau darin liegt die Handschrift von San Juan – wärmer und runder als das kühlere, straffere Mendoza.
Im Zentrum steht Syrah. Er zeigt hier schwarze Frucht, schwarzen Pfeffer und oft eine feine Rauch- und Lakritznote; in den höheren Lagen kommt eine deutliche florale und würzige Frische dazu. Malbec fällt in San Juan fülliger und pflaumiger aus als in Mendoza, Bonarda liefert saftige, unkomplizierte Weine mit dunkler Frucht. Bei den Weißweinen setzt das Gut auf frische, aromatische Stile – etwa Viognier, Chardonnay und Sauvignon Blanc.
Kellertechnisch reicht das Spektrum von reduktivem Ausbau im Stahltank für die Einstiegsweine bis zu langer Barriquereife für die Spitzenlinien. Das Sortiment ist bewusst breit angelegt: Finca Las Moras versteht sich als Haus, das den Zugang zu argentinischem Wein auf jeder Preisstufe ermöglicht.
Bekannte Lagen & Weine
Die Palette ist klar gestaffelt – von der Einstiegslinie bis zu den Weinen aus Pedernal:
- Gran Syrah – die Syrah-Visitenkarte des Guts, mit Trauben aus den höheren Lagen
- Mora Negra – die Prestige-Cuvée aus Malbec und Bonarda, benannt nach der schwarzen Maulbeere
- Sagrado Pedernal – Weine, die konsequent aus dem Hochtal Pedernal stammen
- Los Intocables und Paz – ausdrucksstarke Linien im mittleren bis gehobenen Segment
- Barrel Select und die klassische Finca-Las-Moras-Linie – der breit verfügbare Einstieg
- Dadá und Alma Mora – zugängliche, moderne Marken aus dem Umfeld des Guts
Wer den Stil kennenlernen möchte, beginnt am besten beim Syrah: Er zeigt am deutlichsten, was San Juan von Mendoza unterscheidet.
Auszeichnungen
Finca Las Moras gehört zu den international sichtbarsten Häusern San Juans und ist in zahlreichen Märkten weltweit gelistet. Die Spitzenweine – allen voran Gran Syrah und Mora Negra – erreichen bei internationalen Kritikern und Verkostungen regelmäßig Bewertungen im Bereich um 90 bis 93 Punkte.
Mindestens ebenso wichtig ist die Rolle des Guts für die Region: Der Vorstoß nach Pedernal hat wesentlich dazu beigetragen, dass San Juan heute nicht mehr nur als Massenlieferant, sondern als eigenständige Herkunft für ambitionierte Rotweine wahrgenommen wird. Für Argentinien-Einsteiger ist Finca Las Moras damit ein guter Weg, den Blick über den Mendoza-Malbec hinaus zu weiten.
