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Brancaia – Schweizer Präzision und toskanische Eleganz im Chianti Classico

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
5. August 2026
brancaiatoskanasangiovese

Brancaia in Radda und Castellina in Chianti: Il Blu, Ilatraia und Chianti Classico Gran Selezione. Geschichte, Stil, Lagen und Steckbrief des Toskana-Guts.

Das Wichtigste in Kürze

  • 11981 vom Schweizer Ehepaar Bruno und Brigitte Widmer gegründet – aus einem Ferienhaus mit vier Hektar Reben wurde ein Toskana-Klassiker.
  • 2Seit 1998 führt Tochter Barbara Widmer das Gut als Inhaberin und Önologin – ausgebildet in Wädenswil in der Schweiz.
  • 3Drei Güter: Castellina in Chianti, Radda in Chianti und ein Gut in der Maremma an der toskanischen Küste.
  • 4Der Kultwein Il Blu entstand erstmals 1988 und zählt zu den bekanntesten Supertuscans überhaupt.
  • 5Bereits 1986 gewann der Chianti Classico 1983 eine Blindverkostung des Schweizer Magazins VINUM – der Durchbruch.

Steckbrief

Region
Chianti Classico – Radda und Castellina in Chianti (Provinz Siena), Italien; drittes Gut in der Maremma
Gegründet
1981 durch Bruno und Brigitte Widmer aus der Schweiz
Inhaber / Winzer
Barbara Widmer (Inhaberin und Önologin) mit ihrer Familie
Rebfläche
rund 80 Hektar Reben, verteilt auf drei toskanische Güter
Leitrebsorten
Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Cabernet Franc
Weinstile
Kraftvolle, moderne Rotweine; dazu Weißwein, Rosé und ein Spumante
Klassifikation
Chianti Classico DOCG (Annata, Riserva, Gran Selezione), Toscana IGT, Maremma Toscana
Besonderheit
Der Supertuscan „Il Blu“ seit 1988 – Aushängeschild eines Schweizer Familienbetriebs in der Toskana

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Zusammenfassung

Brancaia gehört zu den bekanntesten Adressen des Chianti Classico – und ist doch eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Denn das Gut wurde 1981 von den Schweizern Bruno und Brigitte Widmer gegründet, die eigentlich nur ein Ferienhaus in der Toskana suchten und dabei ein verfallenes Anwesen mit einer Handvoll Rebzeilen kauften. Heute umfasst Brancaia drei Güter: zwei im Chianti Classico bei Castellina und Radda sowie eines in der Maremma an der Küste. Geführt wird der Betrieb seit 1998 von Tochter Barbara Widmer, die als Önologin auch die Weine verantwortet. Ihre Handschrift verbindet toskanische Wärme mit einer beinahe schweizerischen Genauigkeit – ablesbar am Kultwein „Il Blu“ ebenso wie an den klassischen Chianti Classico.

Geschichte

Die Geschichte beginnt an Weihnachten 1980, als Bruno und Brigitte Widmer bei einem Toskana-Besuch auf den Hügel von Brancaia stoßen. Ein Jahr später, 1981, kaufen sie das Anwesen in Castellina in Chianti – ein renovierungsbedürftiges Haus, Land und etwa vier Hektar Reben. Schon im ersten Jahr wird gelesen, zunächst eher aus Leidenschaft als aus unternehmerischem Kalkül.

Der Durchbruch kommt schneller als gedacht: 1986 gewinnt der Chianti Classico des Jahrgangs 1983 eine große Blindverkostung des Schweizer Weinmagazins VINUM. Aus dem Hobby wird ein Projekt. 1988 entsteht mit „Il Blu“ erstmals jener merlotbetonte Supertuscan, der Brancaia international bekannt machen wird – und im selben Jahr das markante quadratische Logo, das den Namen mit dem Jahrgang kombiniert.

1989 erwerben die Widmers ein zweites, damals verfallenes Anwesen in Radda in Chianti, wo später die eigene Kellerei entsteht. 1998 folgt der Schritt an die Küste: Das Gut in der Maremma wird gekauft und neu bepflanzt – ein Projekt, mit dem Tochter Barbara Widmer ihre Diplomarbeit im Önologiestudium bestreitet. Im selben Jahr übernimmt sie die Verantwortung für den Betrieb. Barbara hatte 1993 ihre erste Lese miterlebt, das ursprüngliche Studium abgebrochen und sich 1995 an der Hochschule in Wädenswil in der Schweiz für Önologie eingeschrieben. Seither prägt sie Weinberg und Keller. In den 2010er- und 2020er-Jahren kamen ein Logistikzentrum zwischen Siena und Florenz sowie gastronomische Angebote hinzu, darunter die Osteria Brancaia.

Lage & Terroir

Das Herz von Brancaia liegt im Chianti Classico, dem historischen Kern der Toskana zwischen Florenz und Siena. Die beiden Güter unterscheiden sich deutlich: Castellina in Chianti liegt tiefer und wärmer, mit tonig-kalkigen Böden, die runde, zugängliche Weine ergeben. Radda in Chianti dagegen zählt zu den höchstgelegenen Gemeinden der Zone; kühle Nächte, magere, steinige Böden und eine späte Reife sorgen hier für Weine mit ausgeprägter Säure, Frische und Finesse. Diese Gegensätze ergänzen sich in den Cuvées.

Ganz anders die Maremma im Südwesten: mediterranes Küstenklima, mehr Sonne, mehr Wärme, ein leichter Meereseinfluss. Hier gedeihen internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot, die im kühleren Chianti Classico schwerer reif würden. Die drei Standorte zusammen erlauben es dem Gut, sehr unterschiedliche Weinstile aus eigenen Reben zu keltern.

Stil & Philosophie

Barbara Widmer beschreibt das Selbstverständnis des Guts gern als Zusammenspiel von italienischem Stil und Schweizer Präzision. Konkret heißt das: konsequente Ertragsreduzierung, Handlese, penible Selektion und ein sehr sauberer, kontrollierter Ausbau. Die Rotweine reifen überwiegend in französischer Eiche, die Spitzenweine über viele Monate im Barrique.

Stilistisch stehen die Weine für eine moderne, internationale Lesart der Toskana: dicht, samtig und mit reifer Frucht, aber ohne die Struktur des Sangiovese zu verlieren. Im Weinberg orientiert sich das Gut an naturnahen, biologisch geprägten Prinzipien – eine Haltung, die Barbara Widmer unter anderem aus einem Praktikum bei einem großen Schweizer Bio-Weinerzeuger mitgebracht hat. Ziel ist ein Wein, der Herkunft zeigt, ohne kantig zu sein.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment ist klar gegliedert und in mehrere Herkünfte aufgeteilt:

  • Il Blu – der Supertuscan des Guts als Toscana IGT, seit 1988 produziert. Merlot gibt den Ton an, ergänzt um Sangiovese und Cabernet Sauvignon; die Anteile schwanken je nach Jahrgang.
  • Chianti Classico Gran Selezione DOCG – reinsortiger Sangiovese aus einer einzelnen Parzelle bei Castellina, im Gut „Vigna 10“ genannt.
  • Chianti Classico Riserva DOCG – Sangiovese mit einem Anteil Merlot, gereift und geschliffen.
  • Chianti Classico DOCG – der klassische Einstieg, reinsortiger Sangiovese aus beiden Chianti-Gütern.
  • Ilatraia – der Spitzenwein aus der Maremma: eine Cuvée aus Petit Verdot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, ausgebaut im Barrique.
  • Tre, Il Bianco, Rosé und der Spumante Stella ergänzen das Programm nach unten und in der Breite.

Auszeichnungen

Der erste große Erfolg war die gewonnene VINUM-Blindverkostung von 1986 – für ein Gut, das erst wenige Jahre zuvor aus einem Ferienhauskauf entstanden war, ein bemerkenswertes Ergebnis. Seither gehören Brancaias Spitzenweine, allen voran Il Blu und Ilatraia, zu den regelmäßig hoch bewerteten Rotweinen der Toskana in internationalen Weinführern und Verkostungen. Mehr noch als einzelne Punktzahlen zählt aber die Kontinuität: Brancaia hat es geschafft, in gut vier Jahrzehnten von einem Schweizer Familienabenteuer zu einem festen Namen im Chianti Classico zu werden – und gleichzeitig in der Maremma ein eigenständiges zweites Standbein aufzubauen.

Häufige Fragen

Wofür ist Brancaia bekannt?

Brancaia steht für die Verbindung aus toskanischer Eleganz und Schweizer Präzision. Berühmt ist vor allem der Supertuscan Il Blu, ein merlotbetonter Rotwein aus dem Chianti Classico, dazu kommen ein klassischer Chianti Classico DOCG in drei Stufen und der wuchtige Ilatraia aus der Maremma.

Wo liegt das Weingut Brancaia?

Der Sitz mit der Kellerei liegt in Radda in Chianti in der Provinz Siena. Dazu kommen das Ursprungsgut in Castellina in Chianti und ein drittes Gut in der Maremma an der toskanischen Küste, das seit 1998 zum Betrieb gehört.

Was ist der Unterschied zwischen Il Blu und Ilatraia?

Il Blu ist ein Toscana IGT aus den beiden Chianti-Classico-Gütern und wird von Merlot dominiert, ergänzt um Sangiovese und Cabernet Sauvignon. Ilatraia stammt dagegen aus der Maremma und ist eine Cuvée aus Petit Verdot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc – deutlich dunkler und würziger im Ausdruck.

Gibt es bei Brancaia auch einen Chianti Classico Gran Selezione?

Ja. Die Gran Selezione ist ein reinsortiger Sangiovese aus einer einzelnen Parzelle in Castellina in Chianti, die im Gut Vigna 10 genannt wird. Sie steht an der Spitze der Chianti-Classico-Pyramide über Annata und Riserva.

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