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Weingut am Nil – Riesling und Spätburgunder aus dem Kallstadter Saumagen

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
29. Juli 2026
am nilpfalzriesling

Weingut am Nil in Kallstadt: kalkgeprägte Rieslinge und Spätburgunder aus dem Saumagen. Geschichte, Stil, Steckbrief und Lagen des lila Löwen der Pfalz im Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Traditionsbetrieb in Kallstadt an der Mittelhaardt, seit 1841 von der Winzerfamilie Schuster geführt und 2010 von der Familie Pohl übernommen und neu ausgerichtet.
  • 2Rund 30 Hektar Rebfläche in Spitzenlagen wie Kallstadter Saumagen, Ungsteiner Weilberg und Ungsteiner Herrenberg – Riesling dominiert klar.
  • 3Der Name geht auf die historische Einzellage „Nil“ zurück, die heute Teil des Kallstadter Saumagen ist.
  • 4Kalkstein im Saumagen gibt den Rieslingen ihre salzig-mineralische Handschrift; der Spätburgunder von dort zeigt Kirsche, Gewürz und weiche Tannine.
  • 5Der lila Löwe auf dem Etikett greift das Kallstadter Wappentier auf – Kellermeister Till Tempel holte dem Gut drei Sterne bei Eichelmann und zwei Trauben im Gault&Millau.

Steckbrief

Region
Pfalz – Kallstadt (Mittelhaardt), Deutschland
Gegründet
1841 durch die Winzerfamilie Schuster; Übernahme und Neuausrichtung als „Weingut am Nil“ 2010
Inhaber / Winzer
Familie Pohl (Dr. Ana und Reinfried Pohl); Geschäftsführung Christine Ludt, Kellermeister Till Tempel
Rebfläche
rund 30 Hektar (Angaben schwanken je Quelle zwischen etwa 26 und 34 Hektar)
Leitrebsorten
Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder, Chardonnay
Weinstile
Trockene Lagenrieslinge, Spätburgunder aus dem Barrique, Burgundersorten, Riesling-Sekt
Klassifikation
Dreistufige Qualitätspyramide aus Guts-, Orts- und Lagenweinen nach VDP-Vorbild
Besonderheit
Kalkstein im Kallstadter Saumagen – Quelle der salzigen Mineralität der Nil-Rieslinge

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Zusammenfassung

Das Weingut am Nil in Kallstadt gehört zu den Betrieben, die in den letzten fünfzehn Jahren am deutlichsten an Profil gewonnen haben. Auf rund 30 Hektar entstehen im nördlichen Teil der Mittelhaardt trockene Rieslinge und Spätburgunder aus historischen Lagen wie dem Kallstadter Saumagen und dem Ungsteiner Weilberg. Der Name ist kein exotischer Einfall, sondern ein Stück Flurgeschichte: Er verweist auf die alte Einzellage „Nil“, die heute im Saumagen aufgegangen ist. Zusammen mit dem lila Löwen auf dem Etikett – dem Kallstadter Wappentier – macht das ein Gut, das sich auffällig präsentiert und dabei sehr klassisch arbeitet.

Geschichte

Die Wurzeln des Betriebs reichen bis 1841 zurück, als die Winzerfamilie Schuster in Kallstadt ein Weingut begründete. Über rund 170 Jahre blieb das Gut in Familienhand – ein für die Pfalz typischer, gewachsener Betrieb mitten im Dorf, mit Kellergebäuden, die Generationen überdauert haben.

Die entscheidende Wende kam 2010: Dr. Ana und Reinfried Pohl übernahmen das Weingut, modernisierten Keller und Auftritt und gaben dem Betrieb einen neuen Namen. Aus dem alten Familiengut wurde das „Weingut am Nil“ – benannt nach der historischen Kallstadter Einzellage „Nil“. Zum Neustart gehörte auch ein konsequentes Markenbild: Der lila Löwe greift das Wappentier auf, das Kallstadt seit dem 15. Jahrhundert führt, und macht die Flaschen im Regal auf Anhieb erkennbar.

Seit Mai 2020 führt Christine Ludt die Geschäfte. Für den Wein verantwortlich ist Till Tempel als Kellermeister und technischer Betriebsleiter – unter seiner Handschrift sammelte das Gut Bestnoten in den einschlägigen Weinführern. Parallel wuchs das Gut zu einer Adresse, die weit mehr ist als ein Weinverkauf: Gastronomie, Gästezimmer und Veranstaltungen gehören heute dazu.

Lage & Terroir

Kallstadt liegt an der Deutschen Weinstraße im nördlichen Abschnitt der Mittelhaardt, nur wenige Kilometer von Ungstein und Bad Dürkheim entfernt. Es ist eine der wärmsten und trockensten Weinbauzonen Deutschlands: Der Haardtrand als östlicher Ausläufer des Pfälzerwaldes schirmt die Reben gegen Wetter aus Westen ab, die Reifebedingungen sind entsprechend verlässlich.

Der eigentliche Schlüssel zum Stil des Guts liegt im Untergrund. Der Kallstadter Saumagen ist von einem außergewöhnlich hohen Anteil an Kalkstein geprägt – eine für deutsche Rieslinglagen seltene Konstellation. Genau daraus ziehen die Rieslinge ihre straffe Säurestruktur und jene salzig-mineralische Note, die als Erkennungszeichen der Nil-Weine gilt. Die historische Lage „Nil“ ist heute Teil dieses Saumagen; hier bewirtschaftet das Gut rund 3,8 Hektar, überwiegend mit Riesling und Spätburgunder bepflanzt.

Ergänzt wird das Lagenbild durch die Ungsteiner Klassiker: der Weilberg mit seinem Kalkmergel und der Herrenberg liefern Weine mit etwas mehr Fülle und Wärme als die kühl-mineralischen Saumagen-Gewächse.

Stil & Philosophie

Die Weine sind trocken ausgerichtet und folgen einer klaren Staffelung: unkomplizierte Gutsweine als Einstieg, darüber Ortsweine, an der Spitze die Lagenweine aus Saumagen, Weilberg und Herrenberg. Diese dreistufige Pyramide entspricht der Logik, die der Verband Deutscher Prädikatsweingüter geprägt hat.

Beim Riesling setzt das Gut auf Präzision statt Opulenz: kühle Frucht, salzige Mineralität, spürbarer Zug und moderate Alkoholgrade. Die Lagenweine werden mit mehr Zeit auf der Feinhefe und Ausbau im Holz gebaut, was Textur ohne Aufdringlichkeit gibt. Der Spätburgunder aus dem Saumagen ist der rote Gegenpol – tiefwurzelnd, mit Aromen von Kirsche, Kaffee und Zimt, weichen Tanninen und Barriquefeinschliff. Dazu kommen die weißen Burgundersorten Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay, ein wenig Sauvignon Blanc sowie Bordeaux-Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Auch Riesling-Sekt gehört ins Sortiment – ein naheliegender Schritt für ein Gut mit so säurestarkem Ausgangsmaterial.

Bekannte Lagen & Weine

Die wichtigsten Lagen und Weinstile des Guts:

  • Kallstadter Saumagen – Kalkstein-Herzstück mit der historischen Teilfläche „Nil“; straffe, salzige Rieslinge und dichter Spätburgunder
  • Ungsteiner Weilberg – Kalkmergel, etwas fülligere und wärmere Rieslinge
  • Ungsteiner Herrenberg – kraftvoll und würzig
  • Gutsweine – trockene Rieslinge und Burgunder als Einstieg in den Stil
  • Sekt – Riesling-Sekt b. A. brut aus dem eigenen Traubenmaterial

Auszeichnungen

Unter Kellermeister Till Tempel hat sich das Weingut am Nil in den führenden deutschen Weinführern etabliert: drei Sterne bei Eichelmann und zwei Trauben im Gault&Millau stehen für ein Gut, das in der Pfalz konstant im oberen Feld bewertet wird; das Prädikat „Sehr gutes Weingut“ führte Eichelmann bereits ab Mitte der 2010er-Jahre. Die Kombination aus historischen Kalklagen, klarem Markenauftritt und verlässlicher Qualität hat aus dem einst stillen Familienbetrieb eine der sichtbarsten Adressen von Kallstadt gemacht.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut am Nil bekannt?

Das Gut steht für trockene, kalkgeprägte Rieslinge und dichte Spätburgunder aus den historischen Lagen rund um Kallstadt und Ungstein. Charakteristisch ist die salzige Mineralität, die der Kalkstein im Kallstadter Saumagen den Weinen mitgibt. Bekannt ist das Weingut außerdem für seinen unverwechselbaren Auftritt mit dem lila Löwen auf dem Etikett.

Woher kommt der Name „am Nil“?

Der Name bezieht sich nicht auf Ägypten, sondern auf die historische Kallstadter Einzellage „Nil“, die heute zum Kallstadter Saumagen gehört. In diesem Kernstück bewirtschaftet das Gut rund 3,8 Hektar, bepflanzt vor allem mit Riesling und Spätburgunder. Bei der Übernahme 2010 wurde der alte Flurname zum Namen des Weinguts.

Wo liegt das Weingut am Nil?

Das Gut hat seinen Sitz in Kallstadt an der Deutschen Weinstraße, im nördlichen Teil der Mittelhaardt in der Pfalz. Die wichtigsten Lagen liegen in Kallstadt selbst sowie im benachbarten Ungstein.

Kann man das Weingut am Nil besuchen?

Ja. Neben Weinverkauf und Verkostungen betreibt das Gut in Kallstadt Gastronomie und Gästezimmer und ist damit eine der Adressen, an denen sich Pfälzer Weinkultur und Aufenthalt verbinden lassen. Termine und Öffnungszeiten sollte man vorab abstimmen.

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