Weingüter

Allegrini – Amarone und La Poja aus der Valpolicella Classica

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
1. September 2026
allegrinivalpolicellacorvina

Weingut Allegrini in Fumane: Amarone, La Poja und La Grola aus der Valpolicella Classica. Familiengeschichte, Stil, Lagen und Steckbrief im Weingut-Porträt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Eines der prägenden Weingüter der Valpolicella Classica, mit Sitz in Fumane nördlich von Verona.
  • 2Rund 150 Hektar eigene Rebflächen in den Klassiker-Gemeinden rund um Fumane und San Pietro in Cariano.
  • 3Giovanni Allegrini ersetzte die traditionelle Pergola veronese durch dicht gepflanzte Guyot-Erziehung – ein Bruch mit der Region.
  • 4La Poja ist seit 1979 der erste reinsortige Corvina-Wein der Valpolicella und läuft als Veronese IGT.
  • 5Palazzo della Torre gilt als Vorreiter der doppelten Gärung mit getrockneten Trauben – nah am Ripasso, aber eigenständig.

Steckbrief

Region
Valpolicella Classica – Fumane, Provinz Verona (Veneto), Italien
Gegründet
Familie seit dem 16. Jahrhundert in Fumane; Betrieb in heutiger Form seit rund 1854, moderner Aufstieg ab den 1960er-Jahren
Inhaber / Winzer
Familie Allegrini – Francesco, Giovanni und Matteo Allegrini gemeinsam mit ihrer Cousine Silvia Allegrini
Rebfläche
rund 150 Hektar, vollständig in der Valpolicella Classica
Leitrebsorten
Corvina Veronese, Corvinone, Rondinella, Oseleta
Weinstile
Amarone und Recioto aus getrockneten Trauben, Valpolicella Classico Superiore, reinsortiger Corvina als IGT
Klassifikation
Amarone und Recioto della Valpolicella Classico DOCG, Valpolicella Classico Superiore DOC, Veronese IGT
Besonderheit
La Poja – seit 1979 der erste reinsortige Corvina der Valpolicella, von der Kuppe über La Grola

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Zusammenfassung

Allegrini aus Fumane ist einer der prägenden Namen der Valpolicella Classica. Auf rund 150 Hektar in den Hügeln nördlich von Verona entstehen Amarone und Recioto aus getrockneten Trauben, klassischer Valpolicella Superiore und mit La Poja ein reinsortiger Corvina, der die Region neu vermessen hat. Charakteristisch ist eine Handschrift, die auf Frische, Frucht und Struktur setzt statt auf Süße und Wucht – erarbeitet über Jahrzehnte mit Neupflanzungen, engerer Pflanzdichte und einem konsequenten Blick auf einzelne Lagen.

Geschichte

Die Familie Allegrini ist seit dem 16. Jahrhundert in Fumane verwurzelt; das Weingut in seiner heutigen Form wird üblicherweise auf 1854 datiert. Den Ruf als moderne Adresse verdankt das Haus jedoch Giovanni Allegrini, der ab den 1960er-Jahren begann, Weine aus den Familienlagen selbst zu füllen. Er dachte für die damalige Valpolicella ungewöhnlich lagenbezogen, kaufte Hügelparzellen mit Potenzial und stellte die Rebanlagen um.

Nach Giovannis Tod 1983 führten seine Kinder Walter, Marilisa und Franco Allegrini den Betrieb weiter – Franco im Weinberg und Keller, Marilisa in Vertrieb und Kommunikation. Walter starb bereits 2003; seine Tochter Silvia Allegrini kümmert sich heute vor allem um Nachhaltigkeitsthemen. Franco Allegrini, der über Jahrzehnte den Stil des Guts prägte, starb Anfang 2022.

Danach ordnete die Familie ihren Besitz neu: Seit 2023 führt Marilisa Allegrini mit ihren Töchtern die toskanischen Güter Poggio al Tesoro in Bolgheri und San Polo in Montalcino sowie die Renaissance-Villa Villa della Torre in einer eigenen Gruppe. Das Weingut Allegrini in der Valpolicella liegt bei Francos Söhnen Francesco, Giovanni und Matteo sowie ihrer Cousine Silvia.

Lage & Terroir

Fumane gehört zu den fünf Gemeinden der Valpolicella Classica, jenem historischen Kernstück des Anbaugebiets nordwestlich von Verona. Die Weinberge liegen in Hügelketten, die von den Lessinischen Bergen zur Poebene abfallen – ein Relief aus schmalen Tälern, Terrassen und Kuppen. Der Gardasee im Westen mildert das Klima, die Höhenlagen sorgen für kühle Nächte und damit für Aroma und Säure.

Die Böden sind überwiegend kalkhaltig, oft steinig und flachgründig, mit Anteilen von Ton und vulkanischem Material. Genau diese Vielfalt nutzt Allegrini für Einzellagenweine: La Grola liegt auf rund 310 Metern und umfasst etwa 30 Hektar, Villa Cavarena zählt zu den höchstgelegenen Parzellen des Guts und liefert Trauben für Amarone und Palazzo della Torre. Auf den kalkreichen Kuppen reift die spätreifende Corvina langsam und behält ihre Frische.

Stil & Philosophie

Der wichtigste Eingriff war weinbaulich: Giovanni Allegrini ersetzte die in der Valpolicella allgegenwärtige Pergola veronese durch eine dichte Guyot-Erziehung mit rund 4.500 Stöcken je Hektar. Weniger Ertrag pro Stock, bessere Belichtung und kontrollierte Reife wurden zur Grundlage des Stils. Parallel pflanzte die Familie neben Corvina, Corvinone und Rondinella auch die fast verschwundene Lokalsorte Oseleta wieder an, die Farbe, Tannin und Würze beisteuert.

Im Keller arbeitet Allegrini eher zurückhaltend: sauber definierte Frucht, präsente, aber nicht harte Tannine, moderater Holzeinsatz und beim Amarone ein Ausbau, der Trockenfruchtaromen und Frische im Gleichgewicht hält. Für die Traubentrocknung war die Familie an der Gründung der gemeinschaftlichen Trocknungsanlage Terre di Fumane beteiligt, die den Prozess in der Region deutlich präziser gemacht hat.

Bekannte Lagen & Weine

  • Amarone della Valpolicella Classico DOCG – das Aushängeschild: aus monatelang getrockneten Trauben, dicht, würzig, aber betont klar in der Frucht
  • La Poja – reinsortige Corvina von der rund 2,6 Hektar kleinen Kuppe über La Grola, seit dem Jahrgang 1983 als Veronese IGT gefüllt
  • La Grola – Valpolicella Classico Superiore aus der gleichnamigen Lage, überwiegend Corvina mit einem Anteil Oseleta
  • Palazzo della Torre – Veronese IGT, Vorreiter der doppelten Gärung mit getrockneten Trauben aus derselben Ernte
  • Recioto della Valpolicella Classico – die süße, historische Vorstufe des Amarone
  • Valpolicella Classico – der frische, unkomplizierte Einstieg ins Sortiment

Auszeichnungen

Allegrini gehört zu den meistausgezeichneten Betrieben Veronas. Das Gut hat über die Jahre eine zweistellige Zahl an Tre Bicchieri des Gambero Rosso gesammelt – nach verbreiteter Zählung rund 30, davon mehrfach für La Poja und regelmäßig für den Amarone della Valpolicella Classico. Auch in internationalen Verkostungen und in der Fachpresse gilt das Haus als eine der Referenzadressen, wenn es darum geht, wie klar und langlebig Amarone und Corvina sein können.

Häufige Fragen

Wofür ist Allegrini bekannt?

Allegrini steht für einen modernen, präzisen Stil in der Valpolicella Classica: Amarone della Valpolicella Classico mit klarer Frucht statt Marmelade, dazu die Einzellagenweine La Grola und La Poja. La Poja war der erste reinsortige Corvina der Region und gilt vielen als Beweis, dass Corvina auch ohne Trocknung großen Wein ergibt.

Wo liegt das Weingut Allegrini?

Der Sitz ist Fumane, eine der fünf klassischen Gemeinden der Valpolicella Classica in der Provinz Verona im Veneto. Die wichtigsten Lagen liegen in den Hügeln zwischen Fumane, Sant’Ambrogio di Valpolicella und San Pietro in Cariano.

Was ist der Unterschied zwischen La Grola und La Poja?

La Grola ist ein rund 30 Hektar großer Weinberg auf etwa 310 Metern Höhe, aus dem ein Rotwein aus überwiegend Corvina mit etwas Oseleta entsteht. La Poja ist die knapp drei Hektar kleine Kuppe über La Grola, seit 1979 ausschließlich mit Corvina bepflanzt – daraus entsteht der reinsortige Spitzenwein des Guts.

Gehören Poggio al Tesoro und San Polo noch zu Allegrini?

Nicht mehr. Nach der Aufteilung des Familienbesitzes ab 2023 führt Marilisa Allegrini die toskanischen Betriebe Poggio al Tesoro in Bolgheri und San Polo in Montalcino sowie die Villa della Torre in einer eigenen Gruppe. Das Weingut Allegrini in der Valpolicella wird von Francesco, Giovanni und Matteo Allegrini gemeinsam mit ihrer Cousine Silvia geführt.

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