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Was sollte ich bei Weinen zu Weihnachten beachten?

18. Dezember 2025
6 Min. Lesezeit
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Von der richtigen Auswahl bis zur perfekten Serviertemperatur: Alles, was du über Weine zu Weihnachten wissen musst. Mit Tipps von Sommeliers.

Weihnachten steht vor der Tür, das Menü ist geplant, die Gäste sind eingeladen – aber welcher Wein passt eigentlich zum Festessen? Und wie stelle ich sicher, dass ich nicht in letzter Minute mit der falschen Temperatur oder einer unglücklichen Auswahl dastehe? Die Wahl des richtigen Weins zu Weihnachten ist mehr als nur eine Frage des Geschmacks. Es geht darum, die Stimmung zu setzen, das Essen zu ergänzen und den Abend unvergesslich zu machen.

In diesem Guide erfährst du alles, was du über Weine zu Weihnachten wissen musst – von der Auswahl über die richtige Serviertemperatur bis hin zu praktischen Tipps, die dir das Leben leichter machen. Egal, ob du zum ersten Mal ein Weihnachtsessen ausrichtest oder schon Profi bist: Hier findest du wertvolle Insider-Tipps, die den Unterschied machen.

Die richtige Weinauswahl: Worauf kommt es an?

Setze auf Klassiker, die jeden begeistern

Zu Weihnachten ist nicht der Zeitpunkt für gewagte Experimente. Deine Gäste haben unterschiedliche Geschmäcker, und du möchtest niemanden vor den Kopf stoßen. Die Lösung? Klassische, prestigeträchtige Weine, die eine breite Zustimmung finden.

Bewährte Rotweine für die Feiertage:

  • Bordeaux: Ein gereifter Bordeaux bringt Eleganz und Struktur mit kräftigen Tanninen – perfekt zu festlichen Fleischgerichten
  • Barolo: Der König der Weine aus dem Piemont, intensiv und langlebig mit Noten von Rosen und Teer
  • Burgund: Samtige Spätburgunder aus Burgund sind wahre Allrounder – nicht zu schwer, aber voller Charakter
  • Ribera del Duero: Saftige spanische Tempranillo-Weine mit viel Frucht und angenehmer Würze
  • Amarone oder Brunello: Für den ganz großen Auftritt – vollmundig, kraftvoll und eindrucksvoll

Die beste Weißwein-Wahl:

  • Chardonnay im Barrique: Ein im Eichenholz gereifter Chardonnay aus Burgund, Deutschland oder dem Piemont bringt Cremigkeit und Komplexität
  • Riesling Spätlese: Deutsche Riesling-Klassiker von Mosel oder Rheingau mit ihrer feinen Säure und Fruchtigkeit
  • Grauburgunder: Mild, weich und unkompliziert – passt fast immer

Tipp vom Sommelier: Wähle mindestens zwei kontrastierende Stile – einen säurebetonten Weißwein wie Riesling und einen milden wie Weißburgunder. So bietest du für jeden Geschmack etwas.

Aperitif nicht vergessen

Der erste Eindruck zählt. Starte das Weihnachtsfest mit einem eleganten Aperitif, der die Geschmacksnerven weckt, ohne zu erschlagen.

Perfekte Aperitif-Weine:

  • Champagner: Der Klassiker schlechthin – Champagne Brut passt immer
  • Crémant: Die günstigere Alternative aus Elsass, Loire oder Burgund – flaschenvergoren wie Champagner, aber deutlich erschwinglicher
  • Winzersekt: Ein deutscher Sekt mit traditioneller Flaschengärung aus einem guten Weingut zeigt regionale Klasse

Die ideale Serviertemperatur für Schaumweine liegt bei 6 bis 8 Grad Celsius. Kühler als das solltest du sie nicht servieren, sonst gehen die Aromen verloren.

Die richtige Temperatur: Das wird oft unterschätzt

Hier scheitern die meisten. Du hast einen großartigen Wein gekauft, aber dann servierst du ihn zu warm oder zu kalt – und das Erlebnis ist dahin. Die Temperatur hat einen riesigen Einfluss darauf, wie ein Wein schmeckt.

So servierst du jeden Wein perfekt

Weißwein:

  • Ideale Temperatur: 7 bis 10 Grad Celsius
  • Leichte, frische Weißweine eher kühler (7–9°C)
  • Kräftige Chardonnays im Barrique etwas wärmer (10–12°C)
  • Wichtig: Lieber eine Spur zu kühl servieren – der Wein erwärmt sich im Glas schnell

Rotwein:

  • Ideale Temperatur: 14 bis 18 Grad Celsius
  • Leichte Rotweine wie Gamay oder Pinot Noir: 14–16°C
  • Schwere, tanninreiche Weine wie Bordeaux oder Barolo: 16–18°C
  • Achtung: "Zimmertemperatur" bedeutet NICHT 22°C aus deinem Wohnzimmer, sondern etwa 15–18°C

Schaumwein:

  • Ideale Temperatur: 6 bis 8 Grad Celsius
  • Zu kalt und du schmeckst nichts, zu warm und die Perlage verschwindet

Dessertwein:

  • Portwein, Beerenauslese, Sauternes: 10 bis 14 Grad Celsius
  • Gut gekühlt, aber nicht eiskalt

Profi-Trick: Stelle den Weißwein rechtzeitig in den Kühlschrank – mindestens zwei Stunden vorher. Rotwein bei normaler Kellertemperatur lagern oder eine Stunde vor dem Servieren aus dem warmen Wohnzimmer in einen kühlen Raum stellen.

Menge kalkulieren: Wie viel Wein brauchst du?

Eine der häufigsten Fragen: Wie viele Flaschen soll ich kaufen? Die Faustregel lautet:

  • Pro Person: 0,5 bis 0,75 Liter über den gesamten Abend (also 1 Flasche für 2 Personen)
  • Aperitif: Etwa 1 Flasche Sekt oder Champagner für 4 Personen
  • Zum Hauptgang: Mindestens 1 Flasche Rotwein und 1 Flasche Weißwein pro 2–3 Personen
  • Zum Dessert: 1 Flasche Süßwein für 6–8 Personen (kleine Gläser)

Plane lieber eine Flasche mehr ein – lieber etwas übrig haben als zu wenig.

Wann solltest du den Wein dekantieren?

Nicht jeder Wein profitiert vom Dekantieren, aber bei Weihnachtsweinen ist es oft eine gute Idee.

Diese Weine dekantieren:

  • Junge, tanninreiche Rotweine (Barolo, Bordeaux, Brunello)
  • Gereifte Rotweine mit Depot (vorsichtig dekantieren, um Bodensatz zu entfernen)
  • Kräftige Rotweine, die sich noch verschlossen zeigen

So gehst du vor:

  1. Flasche einige Stunden vorher aufrecht hinstellen (bei alten Weinen)
  2. Wein langsam und gleichmäßig in die Karaffe gießen
  3. Bei jungen Weinen: 1–2 Stunden vor dem Servieren dekantieren
  4. Bei alten Weinen: Kurz vor dem Servieren dekantieren (nur wegen Depot)

Diese Weine NICHT dekantieren:

  • Leichte, frische Weißweine
  • Alte, fragile Rotweine (können "zusammenbrechen")
  • Champagner und Schaumweine

Einkauf planen: Rechtzeitig kümmern

Der größte Fehler, den du machen kannst, ist, den Weinkauf auf den letzten Drücker zu schieben. Gute Weinläden und Online-Shops sind vor Weihnachten oft ausverkauft oder überlastet.

So planst du richtig:

  • Mindestens 2 Wochen vorher: Weine aussuchen und bestellen
  • Bei Online-Bestellung: Lieferzeiten einplanen (vor Weihnachten oft länger)
  • Im Fachhandel: Beraten lassen – gute Weinhändler kennen ihre Weine und können dir Alternativen vorschlagen
  • Supermärkte meiden: Für besondere Anlässe lohnt sich der Gang zum Spezialisten

Die besten Bezugsquellen

  • Fachgeschäfte: Persönliche Beratung, oft kuratierte Auswahl
  • Online-Shops: Hawesko, Vicampo, Wine in Black – große Auswahl und oft gute Angebote
  • Direkt beim Winzer: Online-Shops von Weingütern bieten oft exklusive Abfüllungen
  • Vinotheken: Regionale Weine, oft mit Verkostung

Die wichtigsten Do's and Don'ts

Do's:

  • ✓ Klassische, bewährte Weine wählen
  • ✓ Auf die richtige Temperatur achten
  • ✓ Rechtzeitig einkaufen
  • ✓ Mehr Wein einplanen als nötig
  • ✓ Verschiedene Stile anbieten (trocken/fruchtig, leicht/kräftig)
  • ✓ Gläser vorher polieren – Spülmittelreste können den Geschmack beeinflussen

Don'ts:

  • ✗ Experimente mit unbekannten Weinen
  • ✗ Billigwein aus dem Supermarkt für das Festessen
  • ✗ Rotwein zu warm servieren (über 18°C)
  • ✗ Weißwein zu kalt servieren (unter 6°C)
  • ✗ Den Weinkauf auf den letzten Drücker schieben
  • ✗ Zu wenig Wein kaufen – lieber eine Flasche mehr

Mein persönlicher Tipp

Nach Jahren als Weinliebhaber habe ich gelernt: Weihnachten ist die Zeit für die großen Klassiker. Ich setze auf einen guten Spätburgunder aus dem Burgund oder der Pfalz – samtig, elegant und nie zu aufdringlich. Dazu ein Crémant aus dem Elsass als Aperitif und ein kleiner Portwein zum Dessert. Diese Kombination hat mich noch nie enttäuscht.

Wenn du unsicher bist, frag im Fachhandel nach einem "Weihnachtsmenü-Paket" – viele Händler stellen passende Weinpakete zusammen, abgestimmt auf klassische Festtagsgerichte.

Fazit

Die Wahl des richtigen Weins zu Weihnachten muss nicht kompliziert sein. Setze auf bewährte Klassiker, achte auf die richtige Temperatur und kaufe rechtzeitig ein. Mit einem eleganten Aperitif-Schaumwein, einem oder zwei Rotweinen zum Hauptgang und einem edlen Dessertwein machst du garantiert nichts falsch.

Das Wichtigste: Genieße den Abend und lass dich nicht stressen. Der perfekte Wein ist der, der dir und deinen Gästen schmeckt – und nicht der, der die höchste Parker-Punktzahl hat. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und Prost!

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