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Weingut Tiefenbrunner – Castel Turmhof und Europas höchster Müller-Thurgau

Robert KozinskiVon Robert Kozinski
30. Juli 2026
tiefenbrunnersuedtirolmueller-thurgau

Weingut Tiefenbrunner in Südtirol: Castel Turmhof in Entiklar und Europas höchster Müller-Thurgau am Fennberg. Geschichte, Lagen, Stil und Steckbrief.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Der Weinberg Feldmarschall von Fenner liegt auf rund 1.000 Metern am Fennberg und gilt als höchstgelegener Müller-Thurgau-Weinberg Europas.
  • 2Seit 1675 in Familienbesitz: Christof und Sabine Tiefenbrunner führen den Ansitz Castel Turmhof in fünfter Generation, die sechste ist schon im Betrieb.
  • 3Rund 25 Hektar eigene Rebflächen, mit Vertragswinzern insgesamt etwa 80 Hektar; rund 750.000 Flaschen pro Jahr, davon etwa 70 bis 75 Prozent Weißwein.
  • 4Enorme Höhenspanne: Die Lagen reichen von rund 210 bis 1.000 Metern über dem Meer – ein Klimalabor in einem einzigen Betrieb.
  • 5Vier klar gestaffelte Linien: Merus als Basis, Turmhof als Hangselektion, Linticlarus als Reserve und Vigna für die Einzellagen.

Steckbrief

Region
Südtirol / Alto Adige – Entiklar bei Kurtatsch an der Weinstraße, Provinz Bozen, Italien
Gegründet
1225 erste urkundliche Nennung des Gutes „Linticlar“; 1848 Registrierung des Weinhandels gilt als Gründungsjahr der Kellerei
Inhaber / Winzer
Christof und Sabine Tiefenbrunner (fünfte Generation); Kellermeister und Önologe Stephan Rohregger seit 2007
Rebfläche
rund 25 Hektar eigene Flächen, inklusive Vertragswinzern insgesamt rund 80 Hektar
Leitrebsorten
Müller-Thurgau, Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer
Weinstile
überwiegend trockene Weißweine (rund 70 bis 75 Prozent), dazu Rotweine aus Vernatsch, Lagrein, Merlot, Cabernet Sauvignon und Blauburgunder
Klassifikation
überwiegend Südtirol DOC / Alto Adige DOC, Reserven als Riserva, Einzellagen mit der in Südtirol zulässigen „Vigna“-Bezeichnung; Mitglied im Konsortium Südtirol Wein
Besonderheit
Höchstgelegener Müller-Thurgau-Weinberg Europas am Fennberg auf rund 1.000 Metern

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Zusammenfassung

Das Weingut Tiefenbrunner – Schlosskellerei Turmhof in Entiklar, einer Fraktion von Kurtatsch an der Weinstraße, gehört zu den bekanntesten Adressen Südtirols. Der Ansitz Castel Turmhof mit seinem denkmalgeschützten Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert ist seit 1675 in Familienbesitz; als Gründungsjahr der Kellerei gilt 1848, das Jahr, in dem der Weinhandel registriert wurde. Heute führen Christof und Sabine Tiefenbrunner das Gut in fünfter Generation, während die sechste Generation bereits mitarbeitet. Weltberühmt ist Tiefenbrunner vor allem für den Müller Thurgau Vigna Feldmarschall von Fenner aus einem Weinberg auf rund 1.000 Metern am Fennberg – dem höchstgelegenen Müller-Thurgau-Weinberg Europas. Rund 750.000 Flaschen pro Jahr, etwa 70 bis 75 Prozent davon Weißwein, entstehen aus Lagen zwischen rund 210 und 1.000 Metern Höhe.

Geschichte

1225 wird das Gut erstmals urkundlich als „Linticlar“ erwähnt – der Name klingt bis heute in der Reservelinie Linticlarus nach. Der Wohnturm des Turmhofs stammt aus dem 13. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz. Seit 1675 befindet sich der Ansitz in Familienbesitz. Als Gründungsjahr der Kellerei gilt 1848, das Jahr der Registrierung des Weinhandels. Die genaue Besitzerkette im 19. Jahrhundert ist in den Quellen nicht eindeutig; belegt ist, dass 1897 Luise Tiefenthaler Johann Tiefenbrunner heiratete – daher der heutige Name des Betriebs.

Geprägt wurde das moderne Gut von Herbert Tiefenbrunner (1928–2015), der 1943 mit gerade 15 Jahren Kellermeister wurde und den Betrieb über Jahrzehnte formte. 1968 folgte die erste eigene Flaschenabfüllung; im selben Jahr eröffnete seine Frau Hilde Goller Tiefenbrunner eine Jausenstation, aus der die heutige Gastronomie am Gut hervorging. 1972 legte Herbert Tiefenbrunner den Weinberg am Fennberg an – jene Parzelle, die den Feldmarschall von Fenner hervorbringt. 1983 trat Christof Tiefenbrunner in den Betrieb ein, seit rund 2000 leitet er das Gut.

Auffällig ist die lange technische Eigenständigkeit des Hauses: Ein eigenes Wasserkraftwerk versorgt den Betrieb bereits seit 1910. 2020 kam ein neuer Gär- und Barriquekeller hinzu, 2024 eine Photovoltaikanlage.

Lage & Terroir

Entiklar liegt auf 260 Metern im Südtiroler Unterland, die Weinberge des Guts reichen jedoch von rund 210 bis 1.000 Metern Höhe. Diese Spannweite ist das eigentliche Kapital: Sie erlaubt es, jede Rebsorte auf der Höhenlage zu pflanzen, die ihr Säure und Aromatik am besten erhält.

Die spektakulärste Parzelle ist der Feldmarschall-von-Fenner-Weinberg auf etwa 1.000 Metern am Fennberg (Favogna) in der Gemeinde Margreid. Das südexponierte Hochplateau wird nach Norden von der Felsrippe „Rotwand“ geschützt. Die Böden bestehen aus roten, heterogenen Moränenschottern glazialen Ursprungs mit Sand, Schluff und Ton, weißem Marmor sowie Porphyr- und Granitblöcken; in der Tiefe folgen Dolomit und Kalk.

Die anderen Einzellagen zeigen eigene Profile: Die Lage Au direkt oberhalb des Gutes umfasst rund einen Hektar zwischen 260 und 320 Metern auf tiefem, tonhaltigem Sand mit hohem Kalkgehalt. Rachtl in Völser Aicha liegt auf schluffigem Sand und Kalkgesteinsmehl über grauem Porphyr. Weitere Weinberge verteilen sich auf Entiklar, Kurtatsch, Margreid, den Fennberg, Bozen und Montan.

Stil & Philosophie

Tiefenbrunner ist ein Weißweinbetrieb mit rotem Nebengleis: Etwa 70 bis 75 Prozent der Produktion sind weiß, insgesamt werden 12 Rebsorten zu rund 28 Weinen ausgebaut. Weiß dominieren Weißburgunder, Chardonnay, Pinot Grigio, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Müller-Thurgau und Goldmuskateller; rot stehen Vernatsch, Merlot, Cabernet Sauvignon, Lagrein, Blauburgunder und Rosenmuskateller im Sortiment.

Die Philosophie ist an der Staffelung der Linien ablesbar: Merus bildet die zugängliche Basis, Turmhof bündelt die Hangselektionen, Linticlarus die Reserven, und die 2016 eingeführte Linie Vigna ist den Einzellagen vorbehalten. Unter dem Namen Ad Tempus kommen spät freigegebene Reserveabfüllungen auf den Markt – ein Bekenntnis dazu, dass die besten Weine des Hauses Zeit brauchen. Im Keller verantwortet Stephan Rohregger seit 2007 als Kellermeister und Önologe die Handschrift.

Bekannte Lagen & Weine

  • Müller Thurgau Vigna Feldmarschall von Fenner – das Flaggschiff aus rund 1.000 Metern Höhe am Fennberg
  • Chardonnay Vigna Au Riserva – aus der rund ein Hektar großen Lage Au oberhalb des Gutes (260 bis 320 Meter)
  • Sauvignon Blanc Vigna Rachtl Riserva – aus der Lage Rachtl in Völser Aicha
  • Cabernet Sauvignon Vigna Toren Riserva – der rote Spitzenwein des Hauses
  • Linticlarus – die Reservelinie, benannt nach der Erstnennung des Gutes von 1225

Auszeichnungen

Der Müller Thurgau Vigna Feldmarschall von Fenner erhält sehr konstant die Tre Bicchieri des Gambero Rosso – unter anderem für die Jahrgänge 2015 bis 2022, zuletzt im Guide 2026. Falstaff bewertete den Vigna Toren Cabernet Sauvignon Riserva 2020 mit 97 Punkten; laut Falstaff wird das Gut selbst auf Höchstniveau geführt und in der Ausgabe 2025 mit fünf Sternen ausgewiesen. wein.plus zählt Tiefenbrunner zu den besten Produzenten des Landes. Bewertungen finden sich außerdem unter anderem in Slow Wine, Vitae/AIS, Bibenda, Decanter, Wine Spectator, James Suckling, Vinum und Gault&Millau.

Häufige Fragen

Wofür ist das Weingut Tiefenbrunner bekannt?

Vor allem für den Müller Thurgau Vigna Feldmarschall von Fenner, einen Kultwein aus einem Weinberg auf rund 1.000 Metern am Fennberg – dem höchstgelegenen Müller-Thurgau-Weinberg Europas. Daneben steht Tiefenbrunner für präzise Südtiroler Weißweine aus Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer sowie für den historischen Ansitz Castel Turmhof.

Wo liegt das Weingut Tiefenbrunner?

Der Sitz ist der Ansitz Castel Turmhof am Schlossweg 4 in Entiklar, einer Fraktion von Kurtatsch an der Weinstraße in der Provinz Bozen. Entiklar liegt auf 260 Metern; die Weinberge des Guts verteilen sich auf Entiklar, Kurtatsch, Margreid, den Fennberg, Völser Aicha, Bozen und Montan.

Was ist der Feldmarschall von Fenner?

Ein trockener Müller-Thurgau aus einer Einzellage auf etwa 1.000 Metern am Fennberg in der Gemeinde Margreid. Herbert Tiefenbrunner legte den Weinberg 1972 an; das südexponierte Hochplateau wird nach Norden von der Felsrippe „Rotwand“ geschützt. Der Wein gilt als Aushängeschild des Guts und erhält sehr konstant die Tre Bicchieri des Gambero Rosso.

Welche Weinlinien gibt es bei Tiefenbrunner?

Das Sortiment ist vierstufig: Merus als Einstiegslinie, Turmhof für die Hangselektionen, Linticlarus für die Reserven und die 2016 eingeführte Linie Vigna für die Einzellagen. Ergänzend gibt es unter „Ad Tempus“ spät freigegebene Reserveabfüllungen. Insgesamt sind es rund 28 Weine aus 12 Rebsorten.

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