Zusammenfassung
Taittinger aus Reims gehört zu den großen und zugleich eigenständigsten Champagnerhäusern. Seine Wurzeln reichen bis 1734 zurück, als das Weinhaus Forest-Fourneaux gegründet wurde; seit 1932 trägt es den Namen der Familie Taittinger. Anders als viele große Marken wird Taittinger bis heute von der Familie geführt und verfügt über rund 288 Hektar eigene Weinberge. Den Hausstil prägt ein hoher Chardonnay-Anteil, der den Champagnern Eleganz, Frische und Leichtigkeit verleiht. Das Aushängeschild ist die Prestige-Cuvée Comtes de Champagne, einer der renommiertesten Blanc de Blancs der Welt.
Geschichte
Die Ursprünge des Hauses liegen im Jahr 1734, als Jacques Fourneaux in der Champagne ein Weinhandelshaus gründete, das eng mit den örtlichen Benediktinerabteien zusammenarbeitete. Damit zählt Taittinger zu den ältesten Champagnerhäusern überhaupt. 1932 erwarb Pierre Taittinger das Haus Forest-Fourneaux samt dem Château de la Marquetterie und dessen Weinbergen – der Beginn der Marke Taittinger.
Unter seinen Söhnen, allen voran François und später Claude Taittinger, wurde das Haus zu einer international angesehenen Champagnermarke ausgebaut. In dieser Zeit bezog Taittinger die spektakulären Kreidekeller unter der einstigen Abtei Saint-Nicaise in Reims.
2005 verkaufte die Familie das Haus an die US-Investmentgruppe Starwood Capital – ein Schritt, der in der Champagne großes Aufsehen erregte. Bereits 2006 holte Pierre-Emmanuel Taittinger, der den Verkauf stets abgelehnt hatte, das Haus gemeinsam mit der Regionalbank Crédit Agricole Nord Est in Familienhand zurück. Seit 2020 leitet seine Tochter Vitalie Taittinger das Haus als Präsidentin, ihr Bruder Clovis ist in die Geschäftsführung eingebunden.
Lage & Terroir
Sitz des Hauses ist Reims, eines der beiden Zentren der Champagne. Die Keller liegen in gallo-römischen Kreidegruben aus dem 4. Jahrhundert, über denen im 13. Jahrhundert die Abtei Saint-Nicaise errichtet wurde. Die Abtei selbst ging nach der Französischen Revolution verloren, doch die kühlen, gleichmäßig temperierten Kreidegewölbe blieben erhalten – ideale Bedingungen für die lange Reife der Champagner.
Die rund 288 Hektar eigenen Weinberge verteilen sich auf die drei klassischen Teilgebiete: die Côte des Blancs, Heimat des Chardonnay, die Montagne de Reims und das Vallée de la Marne. Die Kreide- und Kalkböden speichern Wasser, geben Wärme gleichmäßig ab und verleihen den Grundweinen Frische und mineralische Spannung.
Stil & Philosophie
Taittinger steht für Finesse statt Wucht. Der hohe Chardonnay-Anteil in den Cuvées – selbst im Standard-Brut deutlich höher als bei vielen anderen großen Häusern – sorgt für Leichtigkeit, zarte Zitrus- und Blütenaromen und eine feine Perlage. Pinot Noir und Pinot Meunier ergänzen Struktur und Frucht.
Als Familienunternehmen denkt Taittinger in langen Zeiträumen. Das zeigt sich nicht nur in der langen Flaschenreife der Spitzencuvées, sondern auch im Blick über die Champagne hinaus: In Kalifornien ist das Haus mit der Domaine Carneros vertreten, und im englischen Kent hat Taittinger eigene Weinberge für Schaumwein unter dem Namen Domaine Evremond angelegt.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment reicht vom zugänglichen Brut bis zur großen Prestige-Cuvée:
- Brut Réserve – der Non-Vintage-Klassiker des Hauses mit hohem Chardonnay-Anteil
- Prestige Rosé – die frische, fruchtbetonte Rosé-Variante
- Prélude Grands Crus – eine Cuvée ausschließlich aus Grand-Cru-Lagen
- Brut Millésimé – Jahrgangschampagner aus besonders guten Jahren
- Comtes de Champagne Blanc de Blancs – die Prestige-Cuvée aus 100 % Chardonnay von Grand-Cru-Lagen der Côte des Blancs, erstmals mit dem Jahrgang 1952 erzeugt
- Comtes de Champagne Rosé – das Rosé-Gegenstück mit Pinot-Noir-Schwerpunkt
Auszeichnungen
Der Comtes de Champagne gilt weltweit als einer der großen Blanc de Blancs und wird nur in herausragenden Jahrgängen erzeugt; ältere Jahrgänge sind bei Sammlern gesucht. Taittinger genießt zudem den Ruf eines der wenigen großen Champagnerhäuser, die trotz internationaler Bedeutung in Familienhand geblieben sind. Die Kreidekeller von Saint-Nicaise gehören zu den meistbesuchten Kellern der Champagne, deren Hänge, Häuser und Keller seit 2015 zum UNESCO-Welterbe zählen.
