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Schloss Wackerbarth – Sachsens Staatsweingut und Europas erstes Erlebnisweingut

Schloss Wackerbarth in Radebeul bei Dresden: Barockanlage von 1730, Sekt seit 1836, Riesling und Burgunder aus Sachsens Steillagen. Geschichte & Steckbrief.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Sächsisches Staatsweingut im Besitz des Freistaats Sachsen – seit 2002 als „Europas erstes Erlebnisweingut“ mit über 200.000 Gästen pro Jahr.
  2. 2Barocke Schloss- und Gartenanlage, 1727 bis 1730 für Graf August Christoph von Wackerbarth erbaut, mit Belvedere und Jacobstein.
  3. 3Sekttradition seit 1836: Die Wurzeln reichen zur Sektkellerei Bussard zurück, bis heute klassische Flaschengärung.
  4. 4Rund 90 bis 100 Hektar Rebfläche, etwa ein Viertel davon terrassierte Steillagen mit rund 25.000 Quadratmetern historischer Sandsteinmauern.
  5. 5Cool-Climate-Weißweine aus Riesling, Grau- und Weißburgunder, Traminer und der sächsischen Rarität Goldriesling.

Zusammenfassung

Schloss Wackerbarth in Radebeul bei Dresden ist das Aushängeschild des sächsischen Weinbaus: ein Staatsweingut im Besitz des Freistaats Sachsen, eingebettet in eine barocke Schloss- und Gartenanlage aus den Jahren 1727 bis 1730 und seit 2002 als „Europas erstes Erlebnisweingut“ geöffnet. Auf rund 90 bis 100 Hektar – etwa ein Viertel davon terrassierte Steillagen – wachsen vor allem Riesling, Grau- und Weißburgunder, Traminer und die sächsische Rarität Goldriesling. Die zweite Säule des Hauses ist der Sekt: Die Tradition reicht bis 1836 zurück, und bis heute wird ausschließlich in klassischer Flaschengärung gearbeitet. Mit mehr als 200.000 Gästen im Jahr ist Wackerbarth zugleich einer der meistbesuchten Weinorte Deutschlands.

Geschichte

Die Anlage verdankt ihren Namen August Christoph Graf von Wackerbarth, Generalfeldmarschall und Baumeister-Intendant am Hof Augusts des Starken. Zwischen 1727 und 1730 ließ er sich in den Radebeuler Weinbergen nach Plänen von Johann Christoph Knöffel einen barocken Alterssitz mit Schloss, Garten und dem markanten Belvedere auf der Bergkuppe errichten. 1742 kam der Jacobstein hinzu, ein Weinbergpavillon, der bis heute zu den Wahrzeichen der Lößnitz gehört.

Mit dem Sekt begann 1836 ein zweites Kapitel: In Radebeul entstand die Sektkellerei Bussard, aus der der erste Sekt Sachsens stammt – eine Tradition, auf die sich Schloss Wackerbarth bis heute als eine der ältesten Sektkellereien Europas beruft. 1928 wurde die Anlage zum Sitz des sächsischen Staatsweinguts; in der DDR-Zeit lief der Betrieb als Volkseigenes Gut Weinbau Radebeul weiter.

Nach der Wiedervereinigung gründete der Freistaat 1992 die Sächsische Staatsweingut GmbH Schloss Wackerbarth. Ab 1997 folgte eine umfassende Sanierung des historischen Ensembles, ergänzt durch eine gläserne, moderne Wein- und Sektmanufaktur. Im Jahr 2002 öffnete das Gut als „Europas erstes Erlebnisweingut“ neu – ein Konzept, das Weinbau, Gastronomie, Kultur und Führungen an einem Ort bündelt. Für die Wiederherstellung erhielt das Gut den Radebeuler Bauherrenpreis 2004 und den Gottfried-Semper-Architekturpreis 2007. Knapp zwanzig Jahre führte Sonja Schilg das Haus; im Juli 2022 übernahm Andreas Stuhl die Geschäftsführung.

Lage & Terroir

Schloss Wackerbarth liegt in Radebeul, direkt vor den Toren Dresdens, mitten in der Lößnitz – jenem Abschnitt des Elbtals, der das Herz des sächsischen Weinbaus bildet. Sachsen ist eines der nördlichsten und kleinsten Anbaugebiete Deutschlands, und die Reben wachsen hier auf dem 51. Breitengrad an den nach Süden geneigten Hängen über der Elbe.

Prägend sind die terrassierten Steillagen: Rund ein Viertel der Rebfläche liegt an steilen Hängen, gestützt von etwa 25.000 Quadratmetern historischer Sandsteinmauern, die Wärme speichern und die Reben vor kalten Winden schützen. Die Böden bestehen vor allem aus verwittertem Granit und Syenit, überlagert von Löss und Sand. Das Klima ist kontinental geprägt mit warmen, trockenen Sommern und kühlen Nächten – ideale Voraussetzungen für Cool-Climate-Weißweine mit ausgeprägter Frische und für Sektgrundweine mit lebendiger Säure.

Zu den Lagen des Guts gehören der Radebeuler Johannisberg, der Radebeuler Steinrücken mit dem Wackerbarthberg und dem Weinberg Paradies sowie der Staatsweinberg Goldener Wagen nahe der Hoflößnitz. Dazu kommen Flächen in der Seußlitzer Heinrichsburg weiter elbabwärts bei Meißen.

Stil & Philosophie

Kellermeisterin Christiane Spieler beschreibt den Anspruch des Hauses als manufakturelle Herstellung von Cool-Climate-Weinen und klassischen Flaschengärsekten. Die Weißweine werden überwiegend trocken ausgebaut, mit Fokus auf Sortentypizität, Frische und Trinkfreude statt auf Holz und Wucht. Riesling zeigt sich straff und mineralisch, die Burgundersorten cremig und fein, Traminer würzig-aromatisch.

Eine Besonderheit ist der Goldriesling, eine Kreuzung aus Riesling und Courtillier musqué, die praktisch nur noch in Sachsen angebaut wird. Wackerbarth keltert daraus einen leichten, feinwürzigen Weißwein, der als sächsische Spezialität gilt. Das Gut versteht sich zudem als Bewahrer der Weinkulturlandschaft: Der Erhalt der Steillagen und Trockenmauern ist ausdrücklich Teil des Auftrags, ebenso ein umweltschonender Weinbau.

Sekt aus klassischer Flaschengärung

Alle Sekte des Hauses entstehen in klassischer Flaschengärung: Der Grundwein wird mit Hefe und Fülldosage in die Flasche gefüllt, vergärt dort ein zweites Mal und reift auf der Hefe, bevor die Flaschen gerüttelt und degorgiert werden. Das Gut bringt es selbst auf die Formel: gerüttelt, nicht geschüttelt. Die Sektmanufaktur ist in Führungen zu besichtigen und macht das Verfahren für Besucher sichtbar – ein Kernstück des Erlebniskonzepts.

Bekannte Lagen & Weine

Die Weine tragen die Namen der Radebeuler Lagen und der sächsischen Leitsorten:

  • Radebeuler Johannisberg und Steinrücken – Riesling, Grau- und Weißburgunder aus den Steillagen über der Lößnitz
  • Goldener Wagen – historischer Staatsweinberg bei der Hoflößnitz
  • Seußlitzer Heinrichsburg – Weine aus dem Elbtal bei Meißen
  • Goldriesling – die sächsische Rarität als leichter, würziger Sommerwein
  • Sekt-Kollektion – Flaschengärsekte von Riesling- und Burgundersekt bis zu Jahrgangs- und Rosésekten

Die Jahresproduktion liegt bei rund 600.000 Flaschen, die überwiegend über den Gutsmarkt, das Gasthaus, den Onlineshop und den Handel in Sachsen vertrieben werden.

Auszeichnungen

Beim Deutschen Sekt Award 2018 wurde Schloss Wackerbarth für seine Kollektion als bester Sekterzeuger Deutschlands ausgezeichnet. Die Weinführer Vinum und Falstaff bewerten das Gut mit vier Sternen, auch der Gault&Millau Weinguide führt es unter den empfehlenswerten Erzeugern Sachsens. Für die vorbildliche Sanierung des barocken Ensembles erhielt das Staatsweingut den Radebeuler Bauherrenpreis (2004) und den Gottfried-Semper-Architekturpreis (2007). Mit über 200.000 Gästen im Jahr ist Wackerbarth außerdem einer der wichtigsten Botschafter des sächsischen Weins.

Häufige Fragen

Wem gehört Schloss Wackerbarth?

Das Weingut gehört dem Freistaat Sachsen und wird als Sächsisches Staatsweingut GmbH geführt. Es ist damit eines der wenigen staatlichen Weingüter Deutschlands. Geschäftsführer ist seit Juli 2022 Andreas Stuhl, im Keller verantwortet Kellermeisterin Christiane Spieler die Weine und Sekte.

Warum heißt Schloss Wackerbarth Erlebnisweingut?

Nach einer umfassenden Sanierung wurde das Gut 2002 als „Europas erstes Erlebnisweingut“ neu eröffnet. Besucher können täglich Führungen durch Weinkeller, Sektmanufaktur und Weinberge buchen, im Gasthaus einkehren, im Gutsmarkt einkaufen und Feste, Konzerte und Verkostungen in der barocken Anlage erleben.

Welche Weine macht Schloss Wackerbarth?

Der Schwerpunkt liegt auf frischen, kühlen Weißweinen: Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder, Traminer, Müller-Thurgau und Goldriesling – eine Rarität, die fast nur in Sachsen wächst. Dazu kommen Rotweine wie Spätburgunder, Frühburgunder und Blaufränkisch sowie die Sekte aus klassischer Flaschengärung, für die das Gut seit 1836 bekannt ist.

Wie werden die Sekte von Schloss Wackerbarth hergestellt?

Alle Sekte entstehen in klassischer Flaschengärung, also nach dem Verfahren, das auch in der Champagne angewendet wird: Die zweite Gärung findet in der einzelnen Flasche statt, die Flaschen werden anschließend von Hand oder maschinell gerüttelt und degorgiert. Das Gut zählt damit zu den ältesten Sektkellereien Europas.

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