Zusammenfassung
Cantina Sampietrana ist eine der traditionsreichen Winzergenossenschaften des Salento in Apulien. Gegründet am 21. April 1952 von 68 Winzern aus San Pietro Vernotico in der Provinz Brindisi, verfolgte sie von Anfang an ein klares Ziel: die eigenen Trauben selbst zu verarbeiten, statt sie günstig an Händler abzugeben. Aus dem Fassweinbetrieb der Nachkriegszeit ist eine Genossenschaft geworden, die heute ausschließlich Flaschenweine unter eigener Marke vermarktet – und dabei die klassischen roten Sorten der Region in den Mittelpunkt stellt: Negroamaro, Primitivo, Malvasia Nera di Brindisi und die seltene Lokalsorte Susumaniello. Aushängeschild ist der Settebraccia, eine Cuvée aus Negroamaro und Susumaniello aus alten Buschreben.
Geschichte
Die Geschichte der Cantina Sampietrana beginnt in einer Zeit, in der die Winzer des Salento vor allem Fasswein für den Norden lieferten – und dafür oft nur einen Bruchteil des Werts erhielten. Am 21. April 1952 schlossen sich 68 Winzer aus San Pietro Vernotico zusammen, um das zu ändern. Sie wollten, wie es die Genossenschaft selbst beschreibt, ihre Trauben in eigener Regie verarbeiten und den Erlös in der Gemeinde behalten.
Der Standort war klug gewählt: Das Kellereigebäude entstand nur wenige Meter neben der Bahnlinie, damit die Weine bequem nach Norditalien und in andere europäische Länder verschickt werden konnten. Bis heute sitzt die Genossenschaft in genau diesem Gebäude im historischen Zentrum von San Pietro Vernotico, das etwa auf halbem Weg zwischen den Städten Brindisi und Lecce liegt.
Über Jahrzehnte blieb der Fasswein das Kerngeschäft. Der entscheidende Wandel kam mit der Entscheidung, den Wert nicht mehr im losen Wein, sondern in der eigenen Marke zu suchen. Schritt für Schritt investierte die Genossenschaft in Kellertechnik, Abfüllung und Vertrieb. Heute wird ausschließlich in der Flasche verkauft, ein erheblicher Teil der Produktion – nach eigenen Angaben über 40 Prozent – geht in den Export nach Europa, Nordamerika und Asien. Aus den 68 Gründern sind mittlerweile einige hundert Mitgliedsfamilien geworden.
Lage & Terroir
San Pietro Vernotico liegt im nördlichen Salento, wenige Kilometer von der Adria entfernt, in der Ebene zwischen Brindisi und Lecce. Das Klima ist ausgeprägt mediterran: heiße, trockene Sommer, viel Sonne und milde Winter. Die Nähe zum Meer bringt Brisen, die die Hitze mildern und die Reben gesund halten. Unter diesen Bedingungen reifen Negroamaro, Primitivo und Malvasia Nera vollständig aus und bringen dichte Frucht und weiche Tannine hervor.
Die Böden der Mitgliedsweinberge sind überwiegend kalkhaltig und tonig – ein klassisches Salento-Terroir, das Wasser speichert und den Reben auch in trockenen Jahren Reserven bietet. Viele der älteren Parzellen sind noch im traditionellen Alberello pugliese erzogen, der niedrigen Buschform, die geringe Erträge liefert und in Handarbeit gepflegt wird. Gerade aus diesen alten Buschreben stammen die Trauben für die Spitzenweine der Genossenschaft. Jüngere Anlagen sind zum Teil mit internationalen Sorten wie Chardonnay, Syrah, Cabernet oder Merlot bepflanzt.
Das Gebiet liegt im Einzugsbereich gleich mehrerer Herkunftsbezeichnungen: Brindisi DOP, Salice Salentino DOP und Squinzano DOP sowie der weiter gefassten Salento IGP und Puglia IGP.
Stil & Philosophie
Die Philosophie der Cantina Sampietrana ist die einer modernen Genossenschaft: Sie verbindet die bäuerliche Tradition ihrer Mitglieder mit zeitgemäßer Kellertechnik und einem klaren Bekenntnis zur Herkunft. Im Zentrum stehen die autochthonen Sorten des Salento – allen voran Negroamaro, Primitivo und Malvasia Nera di Brindisi. Besonders am Herzen liegt dem Haus der Susumaniello, eine alte Sorte aus dem Raum Brindisi, die lange fast verschwunden war und die die Genossenschaft gezielt wieder in ihre Weine holt.
Stilistisch stehen die Rotweine für den warmen, großzügigen Salento-Charakter: dunkle Frucht, Würze, weiche Tannine und ein voller Körper, oft mit Noten von Kirsche, Heidelbeere, Kakao und Lakritz. Die Spitzenweine reifen in Holz, ohne die Frucht zu überdecken. Daneben spielen frische Weißweine aus Fiano, Verdeca, Malvasia Bianca und Chardonnay, Rosato aus Negroamaro sowie eine kleine Schaumwein-Linie eine Rolle.
Nachhaltigkeit ist Teil des Konzepts: Die Genossenschaft ist Bio-zertifiziert und arbeitet nach dem italienischen SQNPI-Standard für integrierten Pflanzenschutz; für den Export sind die Standards BRC, IFS und ISO 9001 hinterlegt. Mit einer eigenen Enoteca und Kellerführungen hat sich das Haus zudem dem Weintourismus geöffnet und ist vom Touring Club Italiano anerkannt sowie Partner des Fondo Ambiente Italiano (FAI).
Bekannte Lagen & Weine
Als Genossenschaft besitzt Cantina Sampietrana keine klassischen Einzellagen; sie definiert sich über ihre Weinlinien und Selektionen. Zu den bekanntesten Weinen zählen:
- Settebraccia (Salento IGP) – das Aushängeschild: rund 80 Prozent Negroamaro und 20 Prozent Susumaniello aus alten Buschreben, dicht, würzig und weich
- Sumaest, Mirafolia und Tre Filari – die weiteren Weine der Premium-Linie
- Riserve und Selezioni – gereifte Rotweine aus den besten Trauben der Mitglieder
- Tacco Barocco und Centoare – zugängliche Linien, die den Salento-Stil im Alltag erlebbar machen
- Natura – die Bio-Linie der Genossenschaft
- Bollicine – Schaumweine, darunter Rosato-Varianten
- Cinquantino – die Einstiegslinie
Weitere Etiketten wie Le Monache, Giglio di Mare, Parnanio oder Egoroseo ergänzen das Sortiment um Weißweine und Rosati.
Auszeichnungen
Cantina Sampietrana ist in den großen italienischen Weinführern vertreten: Der Settebraccia wird regelmäßig in der Guida Vini d'Italia des Gambero Rosso besprochen und taucht auch bei Falstaff mit Bewertungen auf. Der Kritiker Luca Maroni vergab für einen Jahrgang des Settebraccia nach Angaben des Handels 95 Punkte. Über die Weinkritik hinaus steht die Anerkennung durch den Touring Club Italiano und die Partnerschaft mit dem FAI für die Rolle, die die Genossenschaft in der Bewahrung des lokalen Kulturerbes spielt. Für ein Haus, das als Fassweinlieferant begann, ist das ein bemerkenswerter Weg – und ein gutes Beispiel dafür, wie Genossenschaften den Ruf des Salento auf den Weltmärkten mitprägen.
