Zusammenfassung
Das Weingut Markus Huber in Reichersdorf ist das bekannteste Gesicht des Traisentals – jener kleinen, kühlen Weinbauregion südlich der Donau in Niederösterreich, die lange im Schatten von Wachau und Kamptal stand. Seit Markus Huber im Jahr 2000 den elterlichen Betrieb mit rund vier Hektar übernahm, hat er ihn zu einem Gut mit etwa 60 Hektar ausgebaut und das Traisental auf die internationale Weinkarte gesetzt. Sein Rezept: Grüner Veltliner und Riesling vom Kalkkonglomerat, kompromisslos trocken, präzise und mineralisch. Die Erste-Lagen-Weine aus der Ried Berg holten 100 Punkte bei James Suckling – Falstaff kürte Huber schon 2015 zum Winzer des Jahres.
Geschichte
Die Familie Huber baut in Reichersdorf bereits seit 1648 Wein an – so weit reicht die erste urkundliche Erwähnung des Betriebs zurück. Über Jahrhunderte blieb das Gut ein typischer gemischter Familienbetrieb des Traisentals: klein, bodenständig, regional verwurzelt.
Die Wende kam mit Markus Huber. Nach seiner Ausbildung sammelte er Erfahrung im Ausland, unter anderem in Südafrika und im Elsass, sowie bei führenden österreichischen Betrieben wie Bründlmayer und Jurtschitsch. Im Jahr 2000 übernahm er mit gerade einmal 21 Jahren die rund vier Hektar seiner Eltern – und zwar mit dem klaren Anspruch, Weine von internationalem Format zu erzeugen. Schon 2001 wurde er zum niederösterreichischen Weinchampion gekürt, 2006 folgte bei der International Wine Challenge in London der Titel als bester Weißweinproduzent.
In den folgenden Jahren wuchs das Gut rasant: Huber kaufte und pachtete Weingärten in den besten Rieden des Tals, baute Keller und Vertrieb aus und wurde zu einem der wichtigsten Exporteure österreichischer Premiumweine. 2008 trat das Weingut den Österreichischen Traditionsweingütern bei, 2009 stieg sein jüngerer Bruder Michael Huber in den Betrieb ein. Nach langer Umstellungsphase sind heute alle Weingärten biologisch zertifiziert. Mit rund 60 Hektar zählt das Weingut heute zu den größten Betrieben des Traisentals – und ist dessen wichtigster Botschafter.
Lage & Terroir
Das Traisental ist mit rund 800 Hektar Rebfläche Österreichs kleinstes DAC-Gebiet. Es erstreckt sich entlang der Traisen von Traismauer bis St. Pölten, südlich der Donau zwischen Kremstal und Wagram. Prägend ist das Zusammenspiel zweier Klimaeinflüsse: Warme pannonische Luft aus dem Osten trifft auf kühle Nachtwinde aus den Voralpen. Die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht verlängern die Reifezeit und bewahren die Aromen und die Säure der Trauben.
Der Boden ist die eigentliche Signatur der Region: Die Ur-Traisen trug aus den Alpen Kalkschotter ins Tal, der sich über Jahrmillionen zu Kalkkonglomerat verfestigte. Vielerorts ist dieses Gestein von einer Schicht Löss überdeckt – mal wenige Zentimeter, mal bis zu zwei Meter. Genau dieses Wechselspiel nutzt Markus Huber: Seine rund 140 Parzellen liegen auf unterschiedlich mächtigen Lössauflagen, in Hanglagen zwischen etwa 245 und 380 Metern Seehöhe, häufig auf Terrassen.
Stil & Philosophie
Hubers Weine sind kompromisslos trocken, klar und von kühler Präzision. Der Grüne Veltliner zeigt hier weniger die breite, pfeffrige Üppigkeit mancher Nachbarregionen, sondern Frische, Würze und eine kalkige, salzige Mineralität. Der Riesling ist straff, steinig und zitrusfrisch, mit dem kühlen Rückgrat, das die Voralpenwinde mitbringen.
Im Keller setzt das Gut auf schonende Verarbeitung und einen klaren, präzisen Ausbau, der die Frucht nicht überdeckt. Ziel ist nicht Kraft, sondern Herkunft – jede Ried soll im Glas erkennbar bleiben. Über die Jahre hat Huber dazu die Reben konsequent auf die besten Kalkparzellen konzentriert und die Erträge gesenkt.
Die DAC-Pyramide als Leitfaden
Das Sortiment folgt der dreistufigen Herkunftspyramide des Traisental DAC: Gebietsweine stehen für Frische und Trinkfluss, Ortsweine aus Reichersdorf, Getzersdorf oder Inzersdorf zeigen den Charakter ihres Dorfes, und die Riedenweine aus den klassifizierten Ersten Lagen bilden die Spitze – dichte, tiefgründige Weißweine, die problemlos zehn Jahre und länger reifen. Dass das Traisental heute als ernstzunehmende Herkunft für Grünen Veltliner und Riesling gilt, ist zu einem guten Teil Hubers Verdienst: Zahlreiche junge Winzer sind seinem Beispiel gefolgt.
Bekannte Lagen & Weine
Das Weingut bewirtschaftet gleich mehrere der Ersten Lagen (1ÖTW), die die Österreichischen Traditionsweingüter im Traisental klassifiziert haben:
- Ried Berg (Getzersdorf) – die Paradelage: steile Ost-Terrassen mit kaum Humus über Kalkkonglomerat; Grüner Veltliner und Riesling von enormer Spannung und Tiefe
- Ried Alte Setzen (Reichersdorf) – bis zu zwei Meter Löss über Konglomerat, alte Reben; saftiger, würziger Grüner Veltliner mit Finesse
- Ried Zwirch (Inzersdorf) – grobes Kalkkonglomerat unter Löss und Lehm; kraftvoller, langlebiger Grüner Veltliner
- Ried Hochschopf (Nußdorf) – mehliger Löss mit Konglomerat; eleganter Grüner Veltliner
- Ried Rothenbart (Inzersdorf) – mit bis zu 380 Metern eine der höchsten Terrassenlagen des Tals; magere, steinige Böden für einen kühlen, mineralischen Riesling
- Ried Spiegeln – Kalkkonglomerat mit Lössauflage, Heimat des Chardonnay
Ergänzt wird das Programm durch Ortsweine, den Gebiets-Veltliner sowie Sekt aus dem Traisental.
Auszeichnungen
Markus Huber wurde 2001 niederösterreichischer Weinchampion und 2006 bei der International Wine Challenge in London als bester Weißweinproduzent ausgezeichnet. 2015 kürte ihn Falstaff zum Winzer des Jahres – als Anerkennung dafür, den kleinen elterlichen Betrieb in wenigen Jahren zu einem der bekanntesten Weingüter Österreichs gemacht zu haben. Der internationale Durchbruch auf Punkteebene folgte bei James Suckling: Der Riesling Ried Berg 2023 erhielt 100 Punkte und landete unter den Top 100 Weinen Österreichs; kurz darauf bekam auch der Grüne Veltliner Ried Berg 2024 die Höchstnote – einer von nur drei österreichischen Weinen mit 100 Punkten in jenem Report. Rund 60 % der Produktion gehen heute in den Export in weit über 35 Länder.
