Zusammenfassung
Das Weingut Loimer in Langenlois zählt zu den stilprägenden Adressen Österreichs. Seit Fred Loimer 1998 den elterlichen Betrieb übernommen hat, ist aus einem soliden Kamptaler Familienweingut einer der internationalen Botschafter für Grünen Veltliner und Riesling geworden. Rund 85 Hektar werden biodynamisch bewirtschaftet, ergänzt um einen zweiten Betriebsteil in Gumpoldskirchen. Der Stil ist klar erkennbar: kühl, salzig-mineralisch, wenig Holz, viel Trinkfluss – und mit einer Portion Risikobereitschaft, die sich in spontanvergorenen Naturweinen und in Sekten aus dem Kamptal zeigt. Weithin sichtbares Wahrzeichen ist der schwarze Kubus, den Loimer um die Jahrtausendwende über den historischen Lösskeller stellen ließ.
Geschichte
Die Familie Loimer hat in Langenlois eine lange Weinbautradition. Den entscheidenden Schnitt setzte Fred Loimer, ein Absolvent der Weinbauschule Klosterneuburg, als er 1998 den elterlichen Betrieb übernahm. Schon davor hatte er mit ungewöhnlichen Ideen aufhorchen lassen – etwa mit im Barrique ausgebautem Grünen Veltliner, was in den frühen 1990er-Jahren in Österreich alles andere als selbstverständlich war.
Um die Jahrtausendwende folgte der bauliche Befreiungsschlag: ein minimalistischer schwarzer Kubus, gesetzt auf einen rund 150 Jahre alten, von Hand gegrabenen Lösskeller. Das Gebäude machte Loimer zu einem der Pioniere der österreichischen Weinarchitektur und ist bis heute sein Erkennungszeichen.
2004 kam mit dem gepachteten Weingut Schellmann in Gumpoldskirchen ein zweiter Standort dazu – klimatisch und geologisch eine ganz andere Welt, mit den Thermenregion-Spezialitäten Zierfandler und Rotgipfler sowie Chardonnay und Pinot Noir. Mitte der 2000er-Jahre begann die Umstellung auf Biodynamie; 2007 gehörte Fred Loimer zu den Mitbegründern von respekt-BIODYN. Seit 2013 ist außerdem der Sekt zurück im Programm und macht heute einen spürbaren Anteil der Produktion aus.
Lage & Terroir
Langenlois ist der größte Weinort Niederösterreichs und das Zentrum des Kamptals. Prägend ist hier das Aufeinandertreffen zweier Klimaeinflüsse: warme, pannonische Luft aus dem Osten und kühle Strömungen, die nachts aus dem Waldviertel durchs Kamptal herunterziehen. Diese Tag-Nacht-Spreizung ist der Grund, warum Kamptaler Weißweine bei aller Reife so aromatisch und säurefrisch bleiben.
Ebenso wichtig sind die Böden. Auf den tiefgründigen Löss-Terrassen rund um Langenlois – etwa am Loiserberg oder am Spiegel – wächst ein breiter, würziger, oft pfeffriger Grüner Veltliner. Auf den kargen Urgesteins- und Verwitterungsböden, allen voran am berühmten Heiligenstein mit seinem Wüstensandstein-Konglomerat, findet der Riesling die Bedingungen, die ihm Straffheit, Zitrusfrucht und einen deutlich mineralischen Zug geben. Der zweite Standort in Gumpoldskirchen ergänzt das Bild um kalkgeprägte Böden und wärmere Bedingungen.
Stil & Philosophie
Loimer arbeitet im Weingarten biodynamisch: Kompost statt Mineraldünger, Präparate, Begrünung, Tiere im Betriebskreislauf und der Verzicht auf Herbizide. Die Zertifizierung erfolgt über respekt-BIODYN, das im Unterschied zu manch anderem Verband ausdrücklich auch Vorgaben für den Keller macht.
Im Keller ist die Handschrift zurückhaltend. Viele Weine gären spontan, ausgebaut wird überwiegend im großen Holzfass oder im Edelstahl, Schwefel wird sparsam dosiert, geschönt wird kaum. Das Ziel ist nicht Kraft, sondern Klarheit und Trinkfluss: Die Weine sind eher schlank als breit, oft unter 13 % Vol., mit salziger Textur und langem, kühlem Nachhall.
Am weitesten geht die Linie „mit Achtung!“ – naturnah vergorene Weine mit minimalem Eingriff, teils auf der Maische, bewusst als Gegenentwurf zum polierten Mainstream angelegt. Ergänzt wird das Sortiment durch klassische Flaschengärsekte, die Loimers Vorliebe für kühle, säurebetonte Stilistik konsequent weiterführen.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt: von den frischen Gebietsweinen unter dem Label „Lois“ über Ortsweine bis zu den Riedenweinen aus den Ersten Lagen des ÖTW-Systems. Zu den wichtigsten Rieden zählen:
- Käferberg – Grüner Veltliner mit Tiefe, Würze und Reifepotenzial
- Loiserberg – Grüner Veltliner von Löss- und Verwitterungsböden, feingliedrig und pfeffrig
- Spiegel – kräftigerer, breiter angelegter Grüner Veltliner
- Steinmassl und Seeberg – Riesling mit Zitrusfrucht und straffer Säure
- Heiligenstein – die berühmteste Riesling-Lage des Kamptals, mineralisch und langlebig
Dazu kommen Chardonnay, Grau- und Weißburgunder, Pinot Noir und Zweigelt sowie – aus dem Standort Gumpoldskirchen – Zierfandler und Rotgipfler.
Auszeichnungen
Fred Loimer gilt seit Jahren als eine der konstantesten Adressen Österreichs und wurde bereits wenige Jahre nach der Betriebsübernahme von Falstaff zum Winzer des Jahres gekürt. Seine Riedenweine erhalten regelmäßig Spitzenbewertungen in den führenden Weinführern und internationalen Verkostungen. Mindestens ebenso wichtig ist sein Einfluss über das eigene Gut hinaus: Als Mitbegründer von respekt-BIODYN und als Vorreiter der Weinarchitektur hat er das Bild des modernen österreichischen Weinbaus mitgeprägt.
