Zusammenfassung
Die Tenuta J. Hofstätter in Tramin ist eines der bekanntesten Familienweingüter Südtirols – und ein Gut, das früher als andere in der Region konsequent in Lagen dachte. Auf rund 50 Hektar auf beiden Seiten des Etschtals entstehen Weine, die zwei Pole verbinden: den aromatischen Gewürztraminer aus den Hängen über Tramin, wo die Rebsorte ihren Namen hat, und den kühlen, feingliedrigen Blauburgunder aus dem Hochplateau Mazon. Der Barthenau Vigna S. Urbano war 1987 der erste Südtiroler Wein mit der geschützten Einzellagen-Bezeichnung „Vigna“ und gilt seit Jahrzehnten als eine Referenz für italienischen Pinot Noir. Geführt wird das 1907 gegründete Haus heute in vierter Generation von Martin Foradori Hofstätter.
Geschichte
Die Geschichte des Guts beginnt 1907, als Josef Hofstätter in Tramin ein Weingut begründete. Sitz des Betriebs ist bis heute ein historisches Gebäude aus dem 16. Jahrhundert am Rathausplatz des Dorfs – erweitert 1997 um einen preisgekrönten Weinturm des Südtiroler Architekten Walter Angonese, der Kellertechnik und historische Bausubstanz miteinander verzahnt.
Über die Heirat kam das Gut in die Verbindung mit der Familie Foradori, die den Betrieb bis heute führt. Der entscheidende Schritt für den internationalen Ruf war jedoch das konsequente Bekenntnis zur Einzellage: Bereits 1987 füllte Hofstätter als erstes Südtiroler Weingut einen Wein mit der geschützten italienischen Lagenbezeichnung „Vigna“ ab – den Blauburgunder Barthenau Vigna S. Urbano aus Mazon. Damit war das Gut Vorreiter einer Idee, die in Südtirol heute selbstverständlich klingt: dass nicht nur die Rebsorte, sondern das genau abgegrenzte Flurstück den Wein prägt.
Heute leitet Martin Foradori Hofstätter als vierte Generation das Haus. Unter ihm wurde das Lagenprogramm ausgebaut und der Betrieb über Südtirol hinaus erweitert – unter anderem in das südliche Trentino und, als erstes italienisches Weingut, an die Saar in Deutschland.
Lage & Terroir
Tramin liegt an der Südtiroler Weinstraße im südlichen Teil des Anbaugebiets, wenige Kilometer südwestlich von Bozen. Prägend ist das für Südtirol typische Wechselspiel aus warmen, sonnigen Tagen und deutlich kühlen, alpin beeinflussten Nächten. Diese großen Tag-Nacht-Unterschiede bewahren Aroma, Frische und Säure – die Grundlage für die Präzision der Region.
Hofstätter nutzt bewusst beide Talseiten. Auf der westlichen Seite, in den Hängen über Tramin, liegt der Kolbenhof: eine Gewürztraminer-Lage in rund 360 bis 420 Metern Höhe mit ost- bis nordostwärtiger Ausrichtung und steilen Neigungen. Ihre Böden verbinden sandige Grödner Schichten, kalkreiche Moränenböden und junge Dolomitschichten mit feinen Tonmineralien – eine Kombination, die dem Gewürztraminer neben Aroma auch Struktur und Reifepotenzial gibt.
Auf der kühleren östlichen Seite liegt das Hochplateau Mazon, Italiens vielleicht renommierteste Herkunft für Blauburgunder. Dort steht die Villa Barthenau, vor rund 150 Jahren von Ludwig Barth von Barthenau errichtet, der in dieser Zone früh auf Pinot Noir setzte. Die Böden gehen hier auf die Werfener Schichten zurück; kühle Nächte und ein langsames Ausreifen erklären die feine Säure und den zurückhaltenden Charakter der Weine. Höher gelegene Höfe – etwa der Oberkerschbaumerhof auf rund 750 Metern – liefern besonders frische Weißweine.
Stil & Philosophie
Der Leitgedanke des Guts ist das Zusammenspiel von Rebsorte und Ort: Jede Sorte soll dort stehen, wo sie ihr passendes Terroir findet – Gewürztraminer in den warmen, aber luftigen Hängen über Tramin, Blauburgunder in den kühlen Parzellen von Mazon, Lagrein in wärmeren, tiefer gelegenen Zonen.
Im Weinberg arbeitet das Gut zurückhaltend und pflegt traditionelle Erziehungsformen; einzelne Parzellen wie die Pergola-Anlage des Vigna Roccolo werden seit 1942 bewirtschaftet und gelten als älteste Blauburgunder-Fläche Südtirols. Im Keller wird jede Vigna getrennt vinifiziert und ausgebaut, häufig mit langem Hefekontakt und maßvollem Holzeinsatz. Das Sortiment ist klar gestaffelt: von zugänglichen, sortentypischen Gutsweinen über Ortsweine bis zu den Einzellagen und Riserve.
Bekannte Lagen & Weine
Zu den bekanntesten Lagen und Weinen des Guts zählen:
- Vigna Kolbenhof – Gewürztraminer aus den Steilhängen über Tramin, einer der Referenzweine der Rebsorte
- Barthenau Vigna S. Urbano – Blauburgunder aus Mazon, seit 1987 als Vigna gefüllt und international hoch bewertet
- Barthenau Vigna Roccolo – Blauburgunder von der 1942 angelegten, ältesten Pinot-Noir-Anlage Südtirols
- Vigna Steinraffler – Lagrein, die kraftvolle, dunkelfruchtige Südtiroler Rotweinspezialität
- Yngram (Oberer und Unterer Yngramhof) – ebenfalls Blauburgunder-Herkünfte in Mazon
- Weißburgunder und Vernatsch – die klassischen Südtiroler Sorten als Rückgrat des Sortiments
Rund um die Villa Barthenau bewirtschaftet das Gut etwa 16 Hektar und ist damit der größte Blauburgunder-Erzeuger Südtirols.
Auszeichnungen
Hofstätter gehört seit Jahrzehnten zu den festen Größen in den führenden Weinführern und internationalen Verkostungen. Der Gewürztraminer Vigna Kolbenhof erhielt für den Jahrgang 2022 rund 95 Falstaff-Punkte in der Trophy Gewürztraminer; ein älterer Jahrgang wurde von Forbes unter die 50 besten italienischen Weine gewählt. Der Barthenau Vigna S. Urbano wird regelmäßig als einer der besten Pinot Noirs Italiens gehandelt. Über die einzelnen Bewertungen hinaus liegt die Bedeutung des Guts in seinem Pioniergeist: Mit dem Bekenntnis zur Lage hat Hofstätter mitgeprägt, wie Südtirol heute über Herkunft spricht.
