Zusammenfassung
Das Weingut Gröhl im rheinhessischen Weinolsheim ist ein Familienbetrieb mit außergewöhnlich langer Geschichte: Bereits seit 1625 widmet sich die Familie hier dem Weinbau – heute in der 13. Generation. Auf rund 30 Hektar entstehen mineralische, trockene Rieslinge, konzentrierte Silvaner von alten Reben sowie feine Weiß- und Spätburgunder. Einen Teil ihrer Reben bewirtschaftet die Familie in den weltberühmten Lagen des Roten Hangs bei Nierstein. Seit 2022 arbeitet das Gut vollständig biologisch. Franziska und Johannes Gröhl haben dem Traditionshaus zuletzt neuen Schwung gegeben und dafür mehrere Nachwuchs- und Aufsteigerpreise erhalten.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen bis ins Jahr 1625 zurück – seither ist der Weinbau in Weinolsheim fester Bestandteil der Familie Gröhl. Über die Jahrhunderte gaben 13 Generationen ihr Wissen weiter und formten den Betrieb, der heute im Ortskern von Weinolsheim seinen Sitz hat.
Die jüngere Entwicklung prägte zunächst Eckehart Gröhl, der den elterlichen Betrieb Mitte der 1990er-Jahre übernahm und ihn qualitativ konsequent nach vorne brachte. Unter ihm wuchs die Rebfläche, und 2003 entstand ein neues Kelterhaus mit modernen Weiß- und Rotweinkellern. Den nächsten Schritt gehen heute seine Kinder Franziska und Johannes Gröhl: Sie stehen für die 13. Generation, haben das Gut 2022 auf biologischen Weinbau umgestellt und dem Haus eine junge, eigenständige Handschrift gegeben.
Lage & Terroir
Weinolsheim liegt im Süden von Rheinhessen, unweit des Rheins und südlich der Weinstadt Nierstein. Das Klima ist mild und vergleichsweise trocken – Rheinhessen zählt zu den wärmeren Anbauzonen Deutschlands, was reife, zugängliche Weine begünstigt.
Prägend sind die Kalkstein- und Mergelböden rund um Weinolsheim, auf denen vor allem der Riesling seine mineralische Finesse entwickelt. Einen besonderen Schatz stellen die Parzellen am Roten Hang dar: Die steilen Weinberge zwischen Nierstein und Nackenheim ruhen auf rotem Ton- und Schieferboden (Rotliegendes), der den Rieslingen Kraft, Würze und eine unverwechselbare Mineralität verleiht. Diese kleinräumige Vielfalt an Böden erlaubt es dem Gut, aus jeder Lage einen eigenen Charakter herauszuarbeiten.
Stil & Philosophie
Im Mittelpunkt steht der ehrliche, terroirgeprägte Ausbau. Die meisten Weine sind trocken vinifiziert und sollen die Herkunft klar abbilden – vom unkomplizierten Gutswein bis zum konzentrierten Lagenwein. Der Riesling von alten, teils über 40 Jahre alten Reben gilt als Aushängeschild: mineralisch, straff und finessenreich. Daneben stehen ein dichter, samtiger Silvaner von alten Reben und die Burgundersorten – vom würzigen Grauburgunder über den Weißburgunder bis zum saftigen Spätburgunder und dem seltenen Frühburgunder.
Mit der Umstellung auf biologischen Weinbau 2022 haben Franziska und Johannes Gröhl ihre Philosophie geschärft: nachhaltige Bewirtschaftung im Weinberg, behutsame Arbeit im Keller und ein moderner, präziser Stil. Auch der Sekt ist zu einem Markenzeichen des Guts geworden und wurde mehrfach ausgezeichnet.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt: von zugänglichen Guts- und Ortsweinen bis zu den Weinen aus den Spitzenlagen. Besonders begehrt sind die Rieslinge vom Roten Hang bei Nierstein, zu dessen weltbekannten Lagen das Gut Zugang hat:
- Niersteiner Pettenthal – steile Lage am Roten Hang, Quelle eines der Spitzenrieslinge des Guts
- Niersteiner Ölberg – kraftvolle, würzige Rieslinge auf rotem Schiefer
- Niersteiner Hölle – wärmebegünstigt und bekannt auch für kräftige Burgunder
- Dazu die Weinberge rund um Weinolsheim auf Kalk- und Mergelböden, Basis für Silvaner und Gutsweine
Die Bandbreite reicht vom frischen Gutsriesling über kräuterwürzige Silvaner und Burgunder bis zu den mineralischen Lagenrieslingen und dem hauseigenen Sekt.
Auszeichnungen
Die jüngere Arbeit der Familie ist mehrfach honoriert worden. Der Weinführer Eichelmann führt Gröhl als „hervorragendes Weingut", Vinum kürte den Betrieb zum „Aufsteiger des Jahres 2022" in Rheinhessen, und Johannes Gröhl wurde von Falstaff zum „Newcomer des Jahres 2023" gewählt. Hinzu kommen Erfolge beim Deutschen Sektpreis und verschiedene Nachwuchsauszeichnungen – Belege dafür, dass das Traditionsgut den Sprung in die aktuelle Spitze der jungen rheinhessischen Weinszene geschafft hat.
