Zusammenfassung
Casanova di Neri zählt zu den bekanntesten Brunello-Erzeugern der Gegenwart. 1971 gründete der aus Montevarchi stammende Getreidehändler Giovanni Neri das Gut in Montalcino, seit 1991 führt es sein Sohn Giacomo Neri – inzwischen gemeinsam mit der dritten Generation. Auf rund 63 Hektar Reben, verteilt über mehrere Zonen der Appellation, entsteht vor allem Brunello di Montalcino aus reinem Sangiovese. Weltweit Schlagzeilen machte das Haus 2006, als der „Tenuta Nuova“ 2001 von Wine Spectator zum Wein des Jahres gekürt wurde – als erster Brunello überhaupt.
Geschichte
Giovanni Neri, ein Getreide- und Saatguthändler aus Montevarchi, war fasziniert vom Charakter, den der Sangiovese in Montalcino entwickelt. 1971 erwarb er das rund 200 Hektar große Podere Casanova, dessen Böden, Höhenlage und Mikroklima ihm ideale Voraussetzungen für einen großen Rotwein zu bieten schienen. 1977 folgte die erste Abfüllung, 1978 der erste Brunello di Montalcino – das bis heute geführte „weiße Etikett“.
Schon früh suchte Neri gezielt nach besonderen Parzellen: 1981 kam der Weinberg Cerretalto hinzu, dessen erster Jahrgang 1981 im Jahr 1987 auf den Markt kam. 1986 stieg Sohn Giacomo fest in den Betrieb ein und übernahm nach dem Tod des Vaters 1991 die Leitung. Unter ihm wuchs das Gut deutlich: 1993 wurde die Tenuta Nuova im Süden von Montalcino erworben, 1994 der Weinberg Pietradonice, auf dem Cabernet Sauvignon steht. Zwischen 2003 und 2005 entstand ein neuer, nachhaltig geplanter Keller.
Den internationalen Durchbruch markierte das Jahr 2006: Wine Spectator setzte den Tenuta Nuova 2001 auf Platz 1 seiner Top 100 – erst das dritte Mal, dass ein italienischer Wein diesen Rang erreichte. 2015 kam mit Collalli ein weiterer Weinberg hinzu, und mit Giovanni, Gianlorenzo und Marianna Neri ist inzwischen die dritte Generation im Unternehmen aktiv.
Lage & Terroir
Der Betrieb liegt im Nordosten von Montalcino an der Straße nach Torrenieri, mit Blick auf das Städtchen. Anders als viele Erzeuger arbeitet Casanova di Neri bewusst mit Weinbergen in verschiedenen Zonen der Appellation – von Fiesole am Stammsitz über Cerretalto im äußersten Osten bis zu den Lagen im Süden rund um Sant'Angelo und Castelnuovo dell'Abate. So fließen sehr unterschiedliche Böden und Mikroklimata in die Weine ein.
Die Lage Fiesole liegt auf etwa 350 bis 380 Metern mit Südost-Ausrichtung auf Galestro, dem typischen schiefrig-mergeligen Boden der Toskana. Cerretalto ist ein kleines, rund vier Hektar großes natürliches Amphitheater an einer Biegung des Flusses Asso: Die Böden sind durch Eisen fast rot gefärbt und mischen Galestro mit Flusskieseln und verwittertem Gestein. Höher gelegene Weinberge wie Podernuovo erreichen etwa 420 bis 490 Meter. Seit dem Jahrgang 2018 stellt das Gut auf biologischen Anbau um.
Stil & Philosophie
Giacomo Neri gilt als einer der Erzeuger, die den Brunello in den 1990er- und 2000er-Jahren modern interpretiert haben: Die Weine verbinden Kraft und Konzentration mit samtigen, reifen Tanninen und großer Eleganz. Im Zentrum steht die Lagenarbeit – jeder Weinberg, teils sogar einzelne Blöcke, wird separat gelesen und ausgebaut, um die Handschrift der jeweiligen Parzelle herauszuarbeiten.
Die Brunelli sind auf lange Reife angelegt, zeigen aber schon jung eine einladende Frucht. Die Familie wählt die Jahrgänge streng aus: In schwierigen Jahren werden einzelne Spitzenweine auch einmal nicht erzeugt, wenn die Qualität nicht dem Anspruch entspricht.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar nach Herkunft gegliedert:
- Brunello di Montalcino „Tenuta Nuova“ – aus dem 1993 erworbenen Gut im Süden, dicht, samtig und tiefdunkel; das Aushängeschild des Hauses
- Brunello di Montalcino „Cerretalto“ – Einzellage im äußersten Osten am Fluss Asso, der seltenste und langlebigste Wein
- Brunello di Montalcino „Giovanni Neri“ – Hommage an den Gründer, aus einem Weinberg an der Straße nach Castelnuovo dell'Abate
- Brunello di Montalcino („weißes Etikett“) – der klassische Brunello des Hauses seit 1978
- Rosso di Montalcino – die zugänglichere, früher trinkreife Sangiovese-Variante
- „Pietradonice“ – Toscana-Rotwein aus Cabernet Sauvignon
Auszeichnungen
Der größte Erfolg war die Wahl des Brunello Tenuta Nuova 2001 zum Wine of the Year 2006 durch Wine Spectator – der erste Brunello an der Spitze dieser Rangliste. Ein Jahr später erhielt der Cerretalto 2001 von demselben Magazin 100 Punkte. Weitere Jahrgänge landeten regelmäßig weit oben in den Top 100, und auch die neueren Weine werden von Kritikern wie James Suckling mit Höchstnoten bedacht, darunter 100 Punkte für den Brunello „Giovanni Neri“. Damit gehört Casanova di Neri zu den am konstantesten hoch bewerteten Erzeugern von Montalcino.
