Zusammenfassung
Der Badische Winzerkeller in Breisach am Rhein ist der größte Weinerzeuger Badens. Gegründet wurde er 1952 als Zentralkellerei der Kaiserstühler Winzergenossenschaften; heute liefern rund 4.000 Winzerinnen und Winzer aus etwa 50 örtlichen Genossenschaften ihre Trauben nach Breisach. Gemeinsam bewirtschaften sie nach eigenen Angaben etwa 1.400 Hektar Reben in sieben badischen Weinbaubereichen. Das Sortiment umfasst mehr als 500 Weine und Sekte – mit klarem Schwerpunkt auf den Burgundersorten Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder, die im warmen Klima zwischen Kaiserstuhl und Markgräflerland besonders gut reifen.
Geschichte
Die Genossenschaftsidee hat in Baden eine lange Tradition: Viele kleine Familienbetriebe am Kaiserstuhl und im Breisgau bewirtschafteten nur wenige Rebzeilen und hätten allein weder moderne Kellertechnik noch Zugang zu größeren Märkten gehabt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich deshalb mehrere örtliche Winzergenossenschaften zusammen und gründeten am 13. März 1952 in Breisach die Zentralkellerei Kaiserstühler Winzergenossenschaften. Das Motto „Einer für alle, alle für einen“ war bereits in der Gründungssatzung verankert.
Schon 1954 wurde die Kellerei neu aufgestellt und zur Gebietszentralkellerei für das gesamte Anbaugebiet Baden – von der Badischen Bergstraße im Norden bis an den Bodensee im Süden. In den folgenden Jahrzehnten wuchs Breisach zu einer der größten Kellereien Europas. 1988 erhielt die Genossenschaft ihren heutigen Namen Badischer Winzerkeller eG.
Die Zahl der Mitgliedsgenossenschaften hat sich durch Fusionen vor Ort immer wieder verändert; zuletzt lag sie bei rund 50. Bewegung gab es auch in jüngerer Zeit: So wechselten die Winzergenossenschaften Kürnbach und Sulzfeld aus dem Kraichgau nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft bei den Winzern von Baden zum Badischen Winzerkeller. Geführt wird die Genossenschaft heute vom Vorstand um André Weltz und Christian Schätzle.
Lage & Terroir
Breisach liegt auf einem Felsen direkt am Rhein, unmittelbar gegenüber dem Elsass und am Fuß des Kaiserstuhls. Das erloschene Vulkanmassiv gehört zu den wärmsten Weinbaugebieten Deutschlands: Die Oberrheinische Tiefebene, die schützenden Vogesen im Westen und der Schwarzwald im Osten sorgen für viel Sonne und wenig Niederschlag. Die Böden reichen von verwittertem Vulkangestein bis zu mächtigen Lössauflagen, die am Kaiserstuhl die typischen Terrassen bilden.
Ein Großteil der Mitgliedswinzer stammt aus dem südlichen Baden – vom Kaiserstuhl und dem benachbarten Tuniberg mit seinen Kalk- und Lössböden über den Breisgau bis ins Markgräflerland, wo neben den Burgundersorten traditionell auch Gutedel wächst. Durch Mitglieder aus weiteren Bereichen, etwa dem Kraichgau, deckt der Winzerkeller insgesamt sieben badische Weinbaubereiche ab. Das warme Klima Badens begünstigt besonders die Burgunderfamilie, die hier volle Reife, weiche Frucht und gute Struktur erreicht.
Stil & Philosophie
Der Badische Winzerkeller versteht sich als Partner seiner Mitgliedswinzer und als Vollsortimenter für den Handel. Die Trauben werden während der Lese zentral in Breisach angenommen, nach Rebsorte, Herkunft und Qualität getrennt und in der Kellerei ausgebaut. Die Stilistik ist bewusst zugänglich: fruchtbetonte, saubere Weißweine, samtige Spätburgunder und frische Rosés, dazu Sekte und Seccos. Ein großer Teil der Weine geht in den Lebensmittelhandel, ergänzt durch Fachhandel, Gastronomie, Export und Direktverkauf. Daneben bietet die Genossenschaft ihren Mitgliedern Dienstleistungen wie Labor, Beratung, Lagerung und Logistik an.
Marken und Linien
Unter dem Dach des Badischen Winzerkellers erscheinen mehrere Marken, darunter:
- Badischer Winzerkeller – die Hauptmarke für badische Rebsortenweine
- Martin Schongauer – eine Linie, benannt nach dem spätgotischen Maler, dessen Fresken im Breisacher Münster zu sehen sind
- Heinrich Hansjakob – eine Linie, benannt nach dem badischen Pfarrer und Volksschriftsteller
- Schloss Munzingen – Sekte
- Schumacher Wines – eine weitere Marke des Hauses
Bekannte Lagen & Weine
Da der Winzerkeller Trauben aus vielen Orten verarbeitet, stehen meist die Rebsorte und die Herkunft Baden im Vordergrund, weniger einzelne Lagen. Das Aushängeschild ist der Spätburgunder – von unkomplizierten, fruchtigen Rotweinen bis zu kräftigeren, im Holz ausgebauten Varianten. Bei den Weißweinen sind Grauburgunder und Weißburgunder die bekanntesten Weine, ergänzt durch Müller-Thurgau, Gutedel und neuere, pilzwiderstandsfähige Sorten wie Solaris, die unter anderem für Federweißer gelesen wird. Für Sammler bietet die Genossenschaft im Onlineshop zudem eine Auswahl gereifter Weinraritäten an. Zum Probieren eignet sich der Direktverkauf am Sitz in Breisach.
Auszeichnungen
Als Großerzeuger stellt der Badische Winzerkeller seine Weine regelmäßig bei Wettbewerben wie der Gebietsweinprämierung Baden und der DLG-Bundesweinprämierung an, wo einzelne Weine immer wieder Medaillen erhalten. Mindestens ebenso wichtig ist die Rolle der Genossenschaft für die Region: Für Tausende Nebenerwerbs- und Familienwinzer am Oberrhein sichert sie Ausbau, Vermarktung und damit den Fortbestand des Weinbaus – ganz im Sinne des Gründungsmottos „Einer für alle, alle für einen“.
