Zusammenfassung
Das Weingut Alexander Laible in Durbach gehört zu den auffälligsten Neugründungen im deutschen Weinbau der letzten zwanzig Jahre. 2007 startete Alexander Laible – aufgewachsen im traditionsreichen Durbacher Weingut seiner Familie – mit einem eigenen Betrieb, und schon zwei Jahre später wurde er als Entdeckung des Jahres gefeiert. Auf rund 13 Hektar in der Ortenau und um Sinzheim entstehen trockene, kühl gezeichnete Weißweine, in denen Riesling die Hauptrolle spielt, ergänzt um Weiß- und Grauburgunder, Chardonnay sowie Spätburgunder und Lemberger für die Rotweine. Die Handschrift ist unverwechselbar: filigran, mineralisch, präzise – und bewusst ohne die Kraftmeierei, die man in einem so warmen Anbaugebiet erwarten könnte.
Geschichte
Die Familie Laible ist seit Generationen in Durbach verwurzelt und zählt zu den prägenden Winzerfamilien der Ortenau. Alexander Laible wuchs entsprechend im elterlichen Betrieb auf, entschied sich aber gegen den bequemen Weg. 2007 gründete er in Durbach ein eigenes Weingut – ein Neuanfang ohne Keller, ohne Etikett und ohne Kundenstamm, während das Stammgut unter dem Namen Weingut Andreas Laible von seinem Bruder weitergeführt wurde.
Die Grundlage bildeten Rebflächen, die Laible von einem Verwandten in Sinzheim bei Baden-Baden übernehmen konnte. Dazu kamen Parzellen in Durbach und in der Gegend um Lahr. Der Start gelang bemerkenswert schnell: Bereits mit einem der ersten Jahrgänge machte der Betrieb überregional auf sich aufmerksam und wurde 2009 von Gault&Millau als Entdeckung des Jahres ausgezeichnet; im selben Jahr wurde Alexander Laible als bester Jungwinzer Europas geehrt. Seither ist das Gut kontinuierlich gewachsen, ohne seinen handwerklichen Zuschnitt aufzugeben.
Lage & Terroir
Durbach liegt in der Ortenau, dem nördlichen Herzstück Badens, dort wo die Rebhänge unmittelbar an den Schwarzwald stoßen. Das Klima ist mild und sonnenreich – Baden ist das wärmste deutsche Anbaugebiet –, doch die Hanglagen am Waldrand sorgen für kühle Nächte und einen deutlichen Tag-Nacht-Unterschied. Genau diese Frische ist die Voraussetzung für die feine Säure und Präzision, die Laibles Weine auszeichnen.
Die Böden sind vielfältig: In Durbach prägen Granit- und Urgesteinsverwitterung die Weinberge, was dem Riesling eine straffe, salzig-mineralische Note gibt. In den Parzellen bei Sinzheim und rund um Lahr kommen Löss, Kalkmergel und verwitterter Kalkstein hinzu – Böden, auf denen die Burgundersorten und Chardonnay ihre cremige Textur und ihren Schmelz entwickeln. Die überwiegend nach Südwesten ausgerichteten Hänge liefern Sonne bis in den späten Nachmittag und zugleich gute Durchlüftung, was für gesundes Lesegut sorgt.
Eine badische Eigenheit begegnet einem hier gleich auf dem Etikett: In der Ortenau heißt Riesling traditionell Klingelberger – ein Name, der auf die historische Sortenreinpflanzung am Schloss Staufenberg zurückgeht und bis heute gepflegt wird.
Stil & Philosophie
Alexander Laibles Arbeitsweise lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Reduktion und Ruhe. Im Weinberg bedeutet das konsequente Ertragsreduktion, viel Handarbeit, selektive Lese und einen Verzicht auf alles, was Menge vor Dichte stellt. Für die Spitzenweine liegen die Erträge unter 50 Hektoliter pro Hektar, für die mittlere Stufe bei höchstens rund 65 Hektolitern – Werte, die deutlich unter dem in Baden Üblichen liegen.
Im Keller folgt die zweite Hälfte der Philosophie: dem Wein Zeit geben. Schonende Verarbeitung, langer Hefekontakt und ein bewusst unaufgeregter Ausbau führen zu Weinen, die eher über Spannung und Länge als über Wucht funktionieren. Die Rieslinge sind trocken, zitrisch und salzig, die Weiß- und Grauburgunder sowie der Chardonnay klar und texturbetont, oft mit dezentem Holzeinsatz. Auch die Rotweine aus Spätburgunder und Lemberger folgen dieser kühlen, eleganten Linie statt einem breiten, marmeladigen Stil.
Die Sternepyramide
Statt sich in eine Verbandshierarchie einzuordnen, sortiert das Gut sein Sortiment über ein eigenes, leicht lesbares Sternesystem:
- Ein Stern – die verlässlichen Basisweine, in denen Herkunft und Sortencharakter deutlich werden
- Zwei Sterne – Weine aus deutlich reduzierten Erträgen mit mehr Dichte und Reifepotenzial
- Drei Sterne – die Spitze aus den besten Parzellen mit sehr niedrigen Erträgen, geprägt von Mineralität und Länge
Bekannte Lagen & Weine
Die wichtigsten Herkünfte des Guts sind der Durbacher Plauelrain – eine der klassischen Ortenauer Lagen – sowie Parzellen bei Sinzheim nahe Baden-Baden, unter anderem in den Gewannen Sätzler und Frühmessler, dazu Flächen im Umkreis von Lahr.
Auffällig ist, dass viele Weine nicht über die Lage, sondern über Fantasienamen kommuniziert werden – eine bewusst zugängliche Alternative zum deutschen Bezeichnungsdickicht. Zu den bekanntesten Etiketten zählen die Rieslinge Tausend Sterne und Grenzenlos, der Chardonnay Heaven und ein Spätburgunder, der seinen Boden im Namen trägt: Muschelkalk. Der trockene Riesling bildet dabei das Rückgrat des Sortiments und ist der Wein, an dem sich der Stil des Hauses am besten ablesen lässt.
Auszeichnungen
Für einen Betrieb, der erst 2007 gegründet wurde, ist die Auszeichnungsliste bemerkenswert dicht. Gault&Millau kürte Alexander Laible 2009 zur Entdeckung des Jahres, im selben Jahr wurde er als bester Jungwinzer Europas ausgezeichnet. 2017 folgte die Kollektion des Jahres beim Magazin Der Feinschmecker, 2020 wählte das Magazin Selection das Gut zum Weingut des Jahres. Dazu kommen regelmäßige Spitzenbewertungen für die trockenen Rieslinge in nationalen Verkostungen sowie Erfolge bei internationalen Wettbewerben. Zusammengenommen haben diese Erfolge Alexander Laible innerhalb weniger Jahre von einem Neugründer zu einer der meistbeachteten Adressen Badens gemacht.
