Rebsorten

Scheurebe

4. Dezember 2025
weissweindeutschlandfruchtigaromatisch

Scheurebe – die aromatische deutsche Spezialität mit Grapefruit & Cassis. Entdecke Geschmack, Herkunft und perfekte Food Pairings für diese außergewöhnliche Rebsorte.

Säure
hohe Säure
Süße
halbtrocken
Körper
mittlerer Körper
Tannine
keine Tannine
Alkohol
11.5-13.5 % Alk.

Typische Aromen

  • GrapefruitGrapefruit
  • black-currantblack currant
  • PfirsichPfirsich
  • PassionsfruchtPassionsfrucht
  • Frische KräuterFrische Kräuter

Scheurebe Charakteristik: hohe Säure, halbtrocken,mittlerer Körper, keine Tannine, Alkoholgehalt 11.5-13.5%. Typische Aromen: grapefruit, black-currant, peach, passion-fruit, fresh-herbs.

Einleitung

Die Scheurebe ist eine der aromatischsten und charaktervollsten Weißweinrebsorten Deutschlands – und gleichzeitig eine, die viel zu oft unterschätzt wird. Mit ihrer unverwechselbaren Kombination aus Pink Grapefruit und schwarzer Johannisbeere (Cassis) bietet sie ein Geschmackserlebnis, das man so bei kaum einer anderen Rebsorte findet. Ob knochentrocken, fruchtsüß oder als edle Beerenauslese: Die Scheurebe zeigt ihre ganze Vielseitigkeit und beweist, dass deutsche Weißweine weit mehr zu bieten haben als nur Riesling.

Auf einen Blick

  • Züchtung: 1916 von Georg Scheu in Alzey entwickelt, ursprünglich als Kreuzung aus Riesling × Silvaner angenommen (heute weiß man: Riesling × Buketttraube)
  • Hauptanbaugebiete: Pfalz, Rheinhessen und Franken – mit insgesamt ca. 1.400 Hektar Rebfläche in Deutschland
  • Charakteristisch: Intensive Grapefruit- und Cassis-Aromen, oft mit exotischen Fruchtnoten
  • Säure: Lebhaft und erfrischend, ähnlich wie beim Riesling
  • Stilvielfalt: Von trocken und mineralisch bis hin zu edelsüßen Prädikatsweinen
  • Besonderheit: Entwickelt bei Vollreife einen charakteristischen "Scheurebeduft" – eine Mischung aus rosa Grapefruit und schwarzer Johannisbeere

Geschmacksprofil & Charakteristik

Die Scheurebe ist ein echter Charakterkopf unter den deutschen Weißweinen. Ihr Markenzeichen ist die ungewöhnliche Kombination aus Pink Grapefruit und schwarzer Johannisbeere – eine Aromenkombination, die man so bei kaum einer anderen Rebsorte findet. Dazu gesellen sich oft Noten von reifem Pfirsich, Maracuja und frischen Kräutern, die dem Wein eine spannende Komplexität verleihen.

Im trockenen Ausbau zeigt sich die Scheurebe von ihrer eleganten, mineralischen Seite. Die lebhafte Säure – ein Erbe des Rieslings – sorgt für Frische und Trinkfluss, während die charakteristische Fruchtigkeit dem Wein Fülle und Ausdruckskraft gibt. Bei höheren Reifegrad werden die Grapefruit-Noten intensiver und manchmal leicht bitter-herb, was dem Wein zusätzliche Spannung verleiht.

In der feinherben und edelsüßen Variante entfaltet die Scheurebe ihre ganze aromatische Pracht. Die exotischen Fruchtnoten treten stärker in den Vordergrund, Honig- und Bienenwachsaromen gesellen sich hinzu, und die Säure balanciert die Süße perfekt aus. Spätlesen, Auslesen und Beerenauslesen aus Scheurebe gehören zu den großen Weinen Deutschlands – konzentriert, komplex und mit enormem Alterungspotenzial.

Mit zunehmendem Alter entwickelt die Scheurebe eine faszinierende Tertiäraromatik. Die frischen Fruchtnoten weichen dezenten Petrol-Noten (ähnlich wie beim Riesling), Honig und kandierter Orangenschale. Gut gemachte trockene Scheureben können problemlos 5-8 Jahre reifen, hochwertige Prädikatsweise sogar 15-20 Jahre und länger.

Herkunft & Geschichte

Die Scheurebe ist eine echte deutsche Erfolgsgeschichte – geboren aus dem Ehrgeiz, eine Rebsorte zu schaffen, die die Qualitäten des Rieslings mit höheren Erträgen verbindet. 1916 züchtete Georg Scheu, damaliger Leiter der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey (Rheinhessen), diese neue Sorte. Lange Zeit ging man davon aus, dass es sich um eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner handelte – DNA-Analysen enthüllten später jedoch, dass die Eltern tatsächlich Riesling und die heute nahezu vergessene Buketttraube sind.

Ihren Namen erhielt die Rebsorte übrigens erst posthum: Zu Ehren ihres Züchters wurde sie 1956, nach Scheus Tod, in "Scheurebe" umbenannt. Zuvor war sie unter der nüchternen Bezeichnung "Sämling 88" bekannt.

Die große Zeit der Scheurebe begann in den 1960er und 1970er Jahren, als die Rebfläche rapide wuchs. Damals wurde sie vor allem für liebliche und restsüße Weine verwendet, die beim Publikum sehr beliebt waren. Mit dem Wandel der Weintrends hin zu trockenen Weinen in den 1980er und 1990er Jahren geriet die Scheurebe zunächst etwas ins Hintertreffen – doch engagierte Winzer erkannten ihr Potenzial und begannen, die Rebsorte auch trocken auszubauen. Heute erlebt sie eine Renaissance als vielseitige Qualitätsrebsorte.

Anbau & Terroir

Die Scheurebe stellt ähnliche Ansprüche an Klima und Boden wie der Riesling, ist aber etwas weniger heikel. Sie bevorzugt warme, geschützte Lagen mit guter Sonneneinstrahlung, kommt aber auch mit weniger optimalen Standorten zurecht – was sie für Winzer attraktiv macht. Die Rebsorte reift etwa zwei Wochen vor dem Riesling und ist damit weniger anfällig für Herbstfröste.

Besonders wohl fühlt sich die Scheurebe auf Löss- und Lehmböden, wie sie in Rheinhessen häufig vorkommen. Auch kalkreiche Böden, wie man sie in Teilen der Pfalz und in Franken findet, bringen interessante Weine hervor – hier zeigt sich die Scheurebe oft besonders mineralisch und strukturiert. Auf Buntsandstein entwickelt sie eine feine Würze, auf Muschelkalk eine elegante Säurestruktur.

Die Pfalz ist mit über 600 Hektar das größte Anbaugebiet für Scheurebe, gefolgt von Rheinhessen mit etwa 500 Hektar. In Franken findet man rund 120 Hektar, wo die Rebsorte oft besonders trockene, gradlinige Weine hervorbringt. Kleinere Bestände gibt es auch in der Nahe und in Baden. International spielt die Scheurebe kaum eine Rolle – sie ist und bleibt eine deutsche Spezialität.

Weinstile & Varianten

Die Scheurebe ist ein echtes Multitalent und wird in nahezu allen denkbaren Süßegraden ausgebaut. Im trockenen Stil zeigt sie ihre moderne, elegante Seite: frisch, mineralisch, mit knackiger Säure und intensiver Fruchtigkeit. Diese Weine sind perfekte Essensbegleiter und zeigen, dass die Scheurebe weit mehr kann als nur süß.

Feinherbe und halbtrockene Scheureben kombinieren die charakteristische Fruchtigkeit mit einer leichten Restsüße, die die Säure wunderbar balanciert. Diese Weine sind sehr zugänglich und eignen sich hervorragend als Terrassenwein oder für die asiatische Küche.

Die wahre Größe der Scheurebe zeigt sich aber oft in den edelsüßen Prädikatsweinen. Spätlesen bieten eine herrliche Balance aus Frucht, Süße und Säure. Auslesen sind konzentrierter und komplexer, während Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen zu den großen Dessertweinen Deutschlands gehören. Hier entfaltet die Scheurebe eine faszinierende Aromentiefe mit Honig, kandierten Früchten und einer perfekten Balance.

Eisweine aus Scheurebe sind selten, aber spektakulär – die natürliche Säure der Rebsorte macht sie ideal für diese konzentrierte Stilistik. Als Sekt ist die Scheurebe ebenfalls eine interessante Alternative, wobei ihre intensive Fruchtigkeit auch nach der zweiten Gärung erhalten bleibt.

In Cuvées wird die Scheurebe eher selten verwendet – ihre starke Persönlichkeit macht sie zu einem klassischen Solisten. Gelegentlich findet man sie in Verbindung mit Riesling oder anderen aromatischen Rebsorten.

Typische Aromen

Primäraromen (aus der Traube)

Pink Grapefruit ist das Leitmotiv der Scheurebe – kein anderer deutscher Weißwein zeigt diese Aromatik so ausgeprägt. In kühleren Jahren oder bei früher Lese dominiert die grüne, herbe Seite der Grapefruit, in warmen Jahren und bei voller Reife zeigt sich die rosa, süßere Variante.

Schwarze Johannisbeere (Cassis) ist das zweite Erkennungsmerkmal der Scheurebe. Diese ungewöhnliche Aromatik für einen Weißwein gibt den Weinen eine besondere Tiefe und Würze. Auf Buntsandstein- oder Muschelkalkböden ist diese Note oft besonders ausgeprägt.

Pfirsich zeigt sich vor allem bei vollreifen Trauben aus warmen Lagen. Die Aromatik reicht von weißem Pfirsich in kühleren Regionen bis zu saftigem, gelbem Pfirsich in wärmeren Anbaugebieten wie der Südpfalz.

Maracuja und andere exotische Früchte verleihen der Scheurebe ihren unverwechselbaren Charakter. Diese Noten sind besonders ausgeprägt bei Spätlesen und Auslesen, wo die Konzentration durch die längere Reifezeit zunimmt.

Frische Kräuter – von Zitronenmelisse über Brennnessel bis zu wilden Kräutern – sorgen für Komplexität und Würze. Diese Aromatik ist typisch für trockene Scheureben aus mineralischen Böden und verleiht den Weinen zusätzliche Tiefe.

Sekundäraromen (durch Weinbereitung)

Hefe und Brioche entwickeln sich bei Ausbau auf der Feinhefe (sur lie) oder bei der Sektbereitung. Diese cremigen Noten runden die intensive Fruchtigkeit ab und geben den Weinen mehr Struktur und Komplexität.

Honig und Bienenwachs entstehen bei edelsüßen Weinen durch die Konzentration der Trauben, besonders bei Auslesen und Beerenauslesen. Diese Aromen harmonieren perfekt mit der natürlichen Säure der Rebsorte.

Tertiäraromen (durch Reifung)

Petrol entwickelt sich ähnlich wie beim Riesling mit zunehmendem Alter, ist bei der Scheurebe aber meist dezenter ausgeprägt. Diese mineralische Note gibt gereiften Weinen zusätzliche Komplexität.

Kandierte Orangenschale und getrocknete Aprikose entstehen bei der Flaschenreifung edelsüßer Weine. Diese Aromen zeigen die Entwicklung von frischer Frucht zu konzentrierter, komplexer Süße.

Die Scheurebe ist grundsätzlich gut lagerfähig, wenn auch nicht ganz so langlebig wie Riesling. Trockene Qualitätsweine sollten innerhalb von 3-5 Jahren genossen werden, hochwertige trockene Weine können 5-8 Jahre reifen. Spätlesen entwickeln sich über 8-12 Jahre, während Auslesen und höhere Prädikate 15-20 Jahre und länger reifen können. Die hohe Säure ist dabei der natürliche Konservierungsstoff, der die Weine frisch hält.

Food Pairing

Perfekte Kombinationen

Asiatische Küche ist wie geschaffen für die Scheurebe. Die Kombination aus intensiver Fruchtigkeit, lebhafter Säure und der charakteristischen Grapefruit-Note harmoniert perfekt mit der Schärfe und den komplexen Gewürzen der Thai-, Vietnamesischen oder Chinesischen Küche. Ein feinherber Scheurebe-Kabinett zu Pad Thai oder Vietnamesischen Sommerrollen ist ein Gedicht – die leichte Restsüße nimmt die Schärfe, während die Säure die fettigen Komponenten durchschneidet.

Fischgerichte mit exotischer Note profitieren von der aromatischen Intensität der Scheurebe. Ein trockener Scheurebe passt hervorragend zu Ceviche mit Grapefruit, gegrilltem Lachs mit Maracuja-Salsa oder Meeresfrüchten in Currysoße. Die Fruchtigkeit des Weines greift die Aromen des Gerichts auf, während die Säure für Balance sorgt.

Spargel – das klassische Frühlingsgemüse – findet in der Scheurebe einen idealen Partner. Die Kräuterwürzigkeit und die frische Säure des Weines harmonieren perfekt mit der feinen Bitterkeit des Spargels. Besonders zu weißem Spargel mit Sauce Hollandaise oder in Kombination mit Lachs ist eine trockene Scheurebe aus Rheinhessen eine exzellente Wahl.

Desserts mit Steinobst und exotischen Früchten sind die natürliche Begleitung für edelsüße Scheureben. Eine Auslese zu Pfirsich-Tarte Tatin, Maracuja-Panna Cotta oder einem exotischen Fruchtsalat ist pure Harmonie. Die konzentrierte Fruchtigkeit des Weines spiegelt die Aromen des Desserts wider, ohne es zu überladen – und die Säure verhindert, dass es zu süß wird.

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