Zusammenfassung
Das Weingut Stift Göttweig ist ein lebendiges Stück österreichischer Weingeschichte. Schon in der Gründungsurkunde des Stifts aus dem Jahr 1083 sind Weingärten verzeichnet – damit zählt das Gut zu den ältesten Weinbaubetrieben des Landes. Das Benediktinerstift thront auf dem Göttweiger Berg am südlichen Donauufer gegenüber von Krems, am Übergang von der Wachau ins Kremstal. Seit 2006 führt Fritz Miesbauer das Klosterweingut und hat es mit Grüner Veltliner und Riesling aus Ersten Lagen wie Gottschelle und Silberbichl zurück in die erste Reihe Österreichs gebracht.
Geschichte
Im Jahr 1083 gründete Bischof Altmann von Passau das Stift Göttweig, 1094 wurde es mit Benediktinermönchen besiedelt. Bereits die Gründungsurkunde nennt Weingärten – der Weinbau gehört also von Anfang an zur Identität des Klosters. Über Jahrhunderte bewirtschafteten die Mönche ihre Rebflächen teils selbst, teils über Teilpacht, bei der die Pächter einen Anteil der Ernte ablieferten; ab dem späten 17. Jahrhundert setzte sich die Eigenbewirtschaftung durch. Nach einem Großbrand wurde das Stift ab 1719 im Stil des Barock neu gestaltet und gilt seither als eines der eindrucksvollsten Klöster Österreichs – oft als „österreichisches Montecassino“ bezeichnet.
Im 20. Jahrhundert verlor der Klosterwein an Strahlkraft; nach Jahrzehnten in Eigenregie war das Weingut ab Ende der 1980er-Jahre für einige Zeit verpachtet. Die Wende kam 2006: Das Stift übernahm den Betrieb wieder in eigene Verantwortung und holte Fritz Miesbauer, zuvor Geschäftsführer der Freien Weingärtner Wachau, an die Spitze. Mit ihm begann eine konsequente Qualitätsoffensive, die das Gut rasch zurück auf die große Weinbühne führte.
Lage & Terroir
Das Stift liegt auf dem rund 450 Meter hohen Göttweiger Berg am südlichen Donauufer, gegenüber von Krems und am östlichen Rand der Wachau. Die Weingärten verteilen sich über die Hänge und Terrassen rund um den Berg und gehören zum Weinbaugebiet Kremstal.
Prägend sind zwei Bodenwelten: tiefgründiger, kalkhaltiger Löss auf alten Donauterrassen, ideal für saftigen, würzigen Grünen Veltliner, und karger Urgestein aus Gföhler Gneis, Glimmerschiefer und Amphibolit, auf dem der Riesling besonders mineralisch und präzise ausfällt. Das Zusammenspiel aus warmen pannonischen Einflüssen aus dem Osten und kühlen Nachtwinden aus dem Waldviertel sorgt für ausgereifte Frucht bei lebendiger Säure.
Stil & Philosophie
Unter Fritz Miesbauer steht Stift Göttweig für klare, herkunftsgeprägte Weißweine. Die Weine sind trocken ausgebaut, eher präzise als opulent und sollen die jeweilige Riede unverfälscht widerspiegeln. Die Bewirtschaftung ist nach dem Programm „Nachhaltig Austria“ zertifiziert.
Das Sortiment ist klar gestuft: Frische Gebietsweine unter dem Kremstal DAC bilden die Basis, darüber folgen Ortsweine vom Göttweiger Berg und an der Spitze die Erste-Lage-Weine, die das Signet der Österreichischen Traditionsweingüter tragen. Neben Grünem Veltliner und Riesling keltert das Gut auch Burgundersorten wie Pinot Noir und Chardonnay.
Bekannte Lagen & Weine
Drei Rieden des Guts sind als Erste Lage (1ÖTW) klassifiziert:
- Ried Gottschelle – Grüner Veltliner auf tiefem, kalkhaltigem Löss mit Donauschotter am Fuß des Göttweiger Bergs; bereits 1341 urkundlich erwähnt
- Ried Silberbichl – Riesling auf kalkhaltigem Lösslehm mit Glimmer in tieferen Schichten; die Lage verbindet Wachau und Kremstal
- Ried Pfaffenberg – Riesling auf kargem Gföhler Gneis, Glimmerschiefer und Amphibolit, sehr steil und direkt an der Donau; als „mons clericorum“ schon im 13. Jahrhundert belegt
Dazu kommen die Gebiets- und Ortsweine vom Göttweiger Berg, die den Stil des Hauses zugänglich und preislich attraktiv zeigen.
Auszeichnungen
Den größten Ritterschlag der jüngeren Geschichte gab es 2020: Das Magazin Falstaff kürte Fritz Miesbauer – für seine Arbeit bei Stift Göttweig und dem Weingut Stadt Krems – zum Winzer des Jahres. Die Erste-Lage-Weine aus Gottschelle, Silberbichl und Pfaffenberg erzielen regelmäßig hohe Bewertungen in der nationalen und internationalen Fachpresse. Die Weine werden heute unter anderem in die USA, nach Großbritannien, Australien, Deutschland, Skandinavien und Asien exportiert – und tragen so eine fast tausendjährige Klostertradition in die Welt.
