Zusammenfassung
Das Weingut St. Antony in Nierstein zählt zu den bekanntesten Adressen Rheinhessens. Seine Weinberge liegen am berühmten Roten Hang – jenen steilen Terrassen aus rotem Ton- und Schiefergestein, die sich über dem Rhein erheben und zu den eigenwilligsten Terroirs Deutschlands gehören. Auf rund 60 Hektar entstehen kompromisslos trockene, mineralische Rieslinge aus Großen Lagen wie Pettenthal, Hipping, Ölberg und Orbel. Das Gut wird biodynamisch nach Demeter bewirtschaftet und von Winzer und Kellermeister Dirk Würtz geführt. Als VDP-Mitglied gehört St. Antony zu den prägenden Betrieben der Region.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen bis ins Jahr 1912 zurück, als die Gutehoffnungshütte – der später als MAN bekannte Industriekonzern – im Süden Niersteins eine Kalkgrube samt angrenzender Weinberge erwarb. Nach dem Ersten Weltkrieg brach die Nachfrage nach Kalkstein ein, und die Verwaltung entschied, die Flächen für den Weinbau zu nutzen. 1920 wurde der erste Jahrgang gekeltert.
Seinen heutigen Namen erhielt der Betrieb 1995: „St. Antony" erinnert an die St.-Antony-Hütte in Oberhausen, die erste Eisenhütte des Ruhrgebiets und Keimzelle des Mutterkonzerns. Ein einschneidender Wendepunkt kam 2005, als der Unternehmer Detlev Meyer das Weingut übernahm und konsequent auf Qualität und ökologische Bewirtschaftung ausrichtete. Seit 2019 führt der Winzer und Kellermeister Dirk Würtz das Gut als geschäftsführender Partner und prägt seinen heutigen Stil.
Lage & Terroir
St. Antony liegt am Roten Hang, einem der markantesten Weinbergszüge Deutschlands. Über mehrere Kilometer ziehen sich zwischen Nierstein und Nackenheim steile Hänge aus rotem Ton- und Schiefergestein (Rotliegendes) entlang des Rheins. Dieser eisenhaltige Boden speichert Wärme, entwässert gut und verleiht den Rieslingen ihre unverwechselbare würzig-salzige, fast rauchige Mineralität.
Die Ausrichtung nach Südosten und die Nähe zum Fluss sorgen für viel Licht und eine ausgleichende Wärmewirkung, sodass die Trauben langsam und vollständig ausreifen. Die Steilheit der Lagen macht Handarbeit unverzichtbar – ein aufwendiger, aber lohnender Rahmen für große Weine.
Stil & Philosophie
St. Antony versteht sich als Terroir-Weingut: Der rote Schiefer soll möglichst unverstellt im Glas erscheinen. Das Gut wird biodynamisch bewirtschaftet – ökologisch zertifiziert seit 2006, nach den Demeter-Richtlinien seit 2018. Begrünung, Kompost und der Verzicht auf synthetische Mittel sollen lebendige Böden und widerstandsfähige Reben fördern.
Im Keller setzt das Team auf spontane Gärung, langes Hefelager und einen zurückhaltenden Holzeinsatz, damit Herkunft und Jahrgang im Vordergrund bleiben. Die Rieslinge sind trocken, straff und mineralisch, mit klarer Frucht und feiner Säure. Ergänzt werden sie durch feinwürzige Silvaner und – aus den wärmeren Parzellen – Spätburgunder.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt: von zugänglichen Guts- und Ortsweinen bis zu den großen Lagenrieslingen vom Roten Hang. Zu den berühmtesten Lagen des Guts zählen:
- Nierstein Pettenthal – steile Kernlage des Roten Hangs, für tiefgründige, mineralische Rieslinge
- Nierstein Hipping – elegant und finessenreich
- Nierstein Ölberg – kraftvoll und würzig
- Nierstein Orbel – dicht und langlebig
Diese Weine gehören regelmäßig zu den charaktervollsten trockenen Rieslingen Rheinhessens.
Auszeichnungen
St. Antony wird in den führenden Weinführern (Falstaff, Gault&Millau, Eichelmann) und Verkostungen konstant unter den besten Adressen Rheinhessens geführt. Als VDP-Mitglied mit mehreren Großen Lagen und konsequent biodynamischer Arbeit gilt das Gut als eines der Aushängeschilder für den unverwechselbaren Riesling vom Roten Hang.
