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Weingut Schloss Reinhartshausen – Rheingau-Riesling mit fast 700 Jahren Geschichte

Weingut Schloss Reinhartshausen in Erbach: rund 80 Hektar Riesling im Rheingau, Monopollage Schlossberg und die Rheininsel Mariannenaue. Geschichte und Stil.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Eines der ältesten Weingüter der Welt – Weinbau am Standort ist seit 1337 belegt, also seit rund 690 Jahren.
  2. 2Rund 80 Hektar Rebfläche mit etwa 80 % Riesling – eines der größten privat geführten Weingüter des Rheingaus.
  3. 3Der Erbacher Schlossberg gehört dem Gut als Monopollage im Alleinbesitz, dazu kommen Marcobrunn, Siegelsberg, Hohenrain, Nussbrunnen und Wisselbrunnen.
  4. 4Auf der Rheininsel Mariannenaue – einem Naturschutzgebiet – bewirtschaftet das Gut rund 24 Hektar mit eigenem Mikroklima.
  5. 5Seit 2013 in Händen der Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller, seit 2021 zertifiziert biologisch.

Zusammenfassung

Schloss Reinhartshausen in Erbach gehört zu den geschichtsträchtigsten Adressen des Rheingaus – und zu den ältesten Weingütern der Welt: Weinbau ist hier seit 1337 belegt. Auf rund 80 Hektar, davon etwa 80 Prozent Riesling, entstehen Weine aus einer außergewöhnlichen Lagensammlung: der Erbacher Schlossberg als Monopol im Alleinbesitz, dazu Marcobrunn, Siegelsberg, Hohenrain sowie Nussbrunnen und Wisselbrunnen in Hattenheim. Eine Besonderheit, die es sonst nirgends in Deutschland gibt, ist die Mariannenaue – eine Rheininsel und Naturschutzgebiet, auf der das Gut rund 24 Hektar bewirtschaftet. Seit 2013 führt die Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller den Betrieb, seit 2021 arbeitet er zertifiziert biologisch.

Geschichte

Die Wurzeln des Guts liegen im Rittersitz der Ritter zu Erbach, der bereits im 12. Jahrhundert bezeugt ist. Für den Weinbau gilt das Jahr 1337 als Ankerpunkt – seither wird an diesem Ort ununterbrochen Wein erzeugt, was Schloss Reinhartshausen in die kleine Gruppe der ältesten Weingüter weltweit stellt. Das heutige Schlossgebäude entstand 1801, als der damalige Besitzer Clemens August von Westphalen den alten Rittersitz abreißen und an seiner Stelle das klassizistische Schloss errichten ließ.

Die prägendste Figur der Gutsgeschichte kam 1855: die niederländische Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau. Sie machte Reinhartshausen zu einem kulturellen Zentrum am Rhein, trug eine bedeutende Kunstsammlung zusammen und stiftete 1861 die erste evangelische Kirche im Rheingau. Nach ihrem Tod 1883 ging das Anwesen an ihren Sohn Prinz Albrecht von Preußen über und blieb bis 1987 in preußischem Familienbesitz.

Danach folgten mehrere Eigentümerwechsel: 1987 erwarb der Unternehmer Willi Leibbrand Schloss und Weingut und sanierte die Anlage bis Anfang der 1990er-Jahre; das Schloss wurde zum Hotel. 2013 schließlich übernahm die Winzerfamilie Lergenmüller aus der Pfalz das Weingut – seither ist der Betrieb wieder in Winzerhand.

Lage & Terroir

Erbach liegt im Kernstück des Rheingaus, jenem Abschnitt, in dem der Rhein nach Westen abknickt und die Hänge dadurch nach Süden ausgerichtet sind. Der Taunus im Rücken schirmt kalte Nordwinde ab, der breite Strom davor speichert Wärme und wirft Licht in die Reben zurück. Genau diese Kombination macht den Rheingau seit Jahrhunderten zu einer der besten Riesling-Landschaften der Welt.

Die Erbacher Lagen ziehen sich vom Fluss den sanften Hang hinauf. Nahe am Rhein liegen tiefgründige, oft lehmig-mergelige Böden, die kräftige, füllige Rieslinge hervorbringen – der Marcobrunn ist dafür das klassische Beispiel. Weiter oben, Richtung Kiedrich, werden die Böden steiniger und die Weine straffer und mineralischer.

Ein Terroir für sich ist die Mariannenaue, die Rheininsel vor Erbach. Rundum vom Wasser umschlossen, erlebt sie mildere Nächte und weniger Spätfröste als das Festland; im Herbst begünstigen Flussnebel die Edelfäule und damit hochwertige süße Prädikatsweine. Weil die Insel unter Naturschutz steht, wächst hier Weinbau in einem ungewöhnlich naturnahen Umfeld heran.

Stil & Philosophie

Die Handschrift des Guts unter der Familie Lergenmüller lässt sich mit drei Worten fassen: Geduld, Präzision und reduzierte Kellertechnik. Ziel ist, dass jede der großen Lagen ihr eigenes Profil zeigt, statt einer über alles gelegten Kellerhandschrift. Die Rieslinge werden überwiegend trocken ausgebaut, ergänzt um feinherbe Kabinett- und Spätlese-Weine sowie edelsüße Auslesen aus guten Botrytis-Jahren.

Seit 2021 ist der Betrieb zertifiziert biologisch – ein Schritt, der zur Insel- und Naturschutzlage gut passt. Parallel wird experimentiert: mit PIWI-Sorten, mit fast vergessenen historischen Rebsorten und mit Schaumweinen bis hin zum PetNat. Mit Laurenz Lergenmüller als leitendem Kellermeister ist zudem die nächste Generation im Keller angekommen, was dem traditionsreichen Haus spürbar frischen Wind gibt.

Bekannte Lagen & Weine

Das Herz des Guts ist seine Lagensammlung in Erbach und Hattenheim:

  • Erbacher Schlossberg – Monopollage im Alleinbesitz des Weinguts
  • Erbacher Marcobrunn – eine der berühmtesten Rieslinglagen Deutschlands
  • Erbacher Siegelsberg und Erbacher Hohenrain
  • Hattenheimer Nussbrunnen und Hattenheimer Wisselbrunnen
  • Mariannenaue – rund 24 Hektar auf der Rheininsel, ein eigenes Mikroterroir

Das Sortiment reicht vom unkomplizierten Gutsriesling über Ortsweine bis zu den Lagenweinen aus diesen Spitzenparzellen. Dazu kommen Grauburgunder, Spätburgunder und ein wachsender Sektbereich.

Auszeichnungen

Schloss Reinhartshausen ist in den führenden deutschen Weinführern und Verkostungen regelmäßig vertreten. Bei der Berliner Wein Trophy wurden unter anderem Rieslinge aus dem Hattenheimer Wisselbrunnen sowie Guts- und Rotweine des Hauses mit Goldmedaillen bedacht. Wichtiger als einzelne Medaillen ist aber der Ruf, den die Lagen selbst tragen: Marcobrunn und Schlossberg gehören seit dem 19. Jahrhundert zu den Namen, die den Weltruhm des Rheingauer Rieslings begründet haben – und Schloss Reinhartshausen ist das Gut, über das sie bis heute zugänglich sind.

Häufige Fragen

Wofür ist Schloss Reinhartshausen bekannt?

Für Riesling aus den großen Erbacher und Hattenheimer Lagen des Rheingaus – allen voran aus dem Erbacher Schlossberg, den das Gut als Monopol im Alleinbesitz bewirtschaftet, und aus dem berühmten Erbacher Marcobrunn. Dazu kommt die Rheininsel Mariannenaue, die es in dieser Form an keinem anderen deutschen Weingut gibt.

Wo liegt Schloss Reinhartshausen?

Das Weingut liegt in Erbach, einem Stadtteil von Eltville am Rhein, im Herzen des Rheingaus. Vom Rheinufer trennt es nur die Bundesstraße 42. Die Weinberge verteilen sich über Erbach, Hattenheim, Kiedrich und die vorgelagerte Insel Mariannenaue.

Was ist die Mariannenaue?

Die Mariannenaue ist eine Insel im Rhein vor Erbach und heute Naturschutzgebiet – Weinbau ist dort aber weiterhin erlaubt. Schloss Reinhartshausen bewirtschaftet dort rund 24 Hektar. Der Fluss ringsum mildert Temperaturextreme und schafft ein eigenes, sehr ausgeglichenes Mikroklima. Benannt ist die Insel nach Prinzessin Marianne der Niederlande.

Ist Schloss Reinhartshausen ein VDP-Weingut?

Aktuell nicht. Die VDP-Mitgliedschaft ist an den jeweiligen Eigentümer gebunden und endete deshalb mit dem Verkauf des Guts im Jahr 2013. Die Spitzenweine werden stattdessen in der Rheingauer Tradition des Ersten Gewächses vermarktet – an der Qualität der Lagen ändert das nichts.

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