Zusammenfassung
Das Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim zählt zu den großen Traditionshäusern der Pfalz – und zu den wenigen Gütern Deutschlands, die für Stillwein und Schaumwein gleichermaßen Weltklasse liefern. Auf rund 56 Hektar, überwiegend Riesling, entstehen terroirgeprägte, trockene Weine aus den berühmten Lagen von Forst, Deidesheim und Ruppertsberg. Ebenso legendär ist der Sekt: nach klassischer Flaschengärung erzeugt, gehört er regelmäßig zu den besten Deutschlands. Entscheidend geprägt wurde der heutige Stil ab dem Jahrgang 2013 von Mathieu Kauffmann, dem früheren Kellermeister der Champagne Bollinger.
Geschichte
Die Wurzeln des Guts reichen bis ins Jahr 1849 zurück, als Franz Peter Buhl im Zuge der Aufteilung des früheren Weinguts Jordan ein eigenes Gut in Deidesheim begründete. Schon im 19. Jahrhundert erlangten die Weine Weltruf: Bei der Eröffnung des Suezkanals 1869 wurde ein Riesling von von Buhl gereicht – damals einer der teuersten Weine der Welt.
Den heutigen Namen verdankt das Haus einer politischen Auszeichnung. Franz Armand Buhl wurde für seine Verdienste vom Königreich Bayern der Titel „Reichsrat“ verliehen, der seit 1912 offiziell Bestandteil des Namens ist. Über Generationen blieb das Gut in Familienbesitz, ehe es im 20. Jahrhundert phasenweise verpachtet wurde.
Die entscheidende Wende der jüngeren Geschichte kam 2013: Ein neues Team übernahm die Verantwortung, an dessen Spitze Mathieu Kauffmann stand – zuvor viele Jahre Kellermeister (Chef de Cave) beim Champagnerhaus Bollinger. Kauffmann schärfte das Profil in Richtung präziser, trockener Rieslinge und feinster Sekte. Seit 2019 verantwortet Simone Frigerio als Kellermeister die Weinbereitung, seit 2023 zusätzlich als Technischer Direktor; die Geschäftsführung liegt bei Monika Schmid.
Lage & Terroir
Von Buhl liegt an der Deutschen Weinstraße in der Mittelhaardt – jenem Herzstück der Pfalz, das für einige der besten trockenen Rieslinge Deutschlands steht. Das Klima ist mild und sonnenverwöhnt; der Haardtrand als östlicher Ausläufer des Pfälzerwaldes schützt die Reben vor Wetterextremen, sodass zwischen den Zeilen sogar Feigen und Mandelbäume gedeihen.
Entscheidend ist die Vielfalt der Böden. In Forst sorgt der schwarze Basalt – Überrest eines längst erloschenen Vulkans, etwa in der Lage Pechstein – für rauchig-mineralische, straffe Weine. Kalk- und Buntsandsteinböden in Deidesheim und Ruppertsberg bringen dagegen füllige, elegante Rieslinge hervor. Diese kleinräumige geologische Vielfalt erlaubt es dem Gut, aus jeder Lage einen unverwechselbaren Charakter herauszuarbeiten. Seit 2009 sind die Weinberge ökologisch zertifiziert; biodynamische Praktiken halten zunehmend Einzug.
Stil & Philosophie
Von Buhl folgt einer betont terroirorientierten, zurückhaltenden Handschrift: spontane Gärung, langes Hefelager und wenig Eingriff im Keller sollen die Herkunft der jeweiligen Lage in den Vordergrund stellen. Die Rieslinge sind klar, mineralisch und auf Langlebigkeit angelegt – vom zugänglichen Gutswein bis zum kompromisslos trockenen Großen Gewächs.
Die zweite Säule ist der Sekt (deutscher Schaumwein), erzeugt nach der traditionellen Flaschengärung – demselben Verfahren wie in der Champagne. Selektive Handlese, Grundweine mit feiner Säure und eine lange Reife auf der Hefe ergeben Schaumweine von großer Finesse. Dass ausgerechnet ein früherer Bollinger-Kellermeister diesen Bereich prägte, ist kein Zufall: Der Weißburgunder und der Riesling liefern hier ideale Grundlagen für Blanc de Blancs und Rosé.
Bekannte Lagen & Weine
Das Sortiment ist klar gestaffelt: von zugänglichen Gutsrieslingen über Ortsweine bis zu den Großen Gewächsen aus den Grand-Cru-Lagen. Zu den berühmtesten Lagen des Guts zählen:
- Forster Kirchenstück – oft als beste Rieslinglage Deutschlands bezeichnet
- Forster Ungeheuer – kraftvoll und würzig, mit einem historischen Kernstück im Besitz des Guts
- Forster Pechstein – rauchig-mineralisch auf schwarzem Basalt
- Forster Freundstück – direkt an Kirchenstück und Ungeheuer angrenzend
- Deidesheimer Kieselberg und Ruppertsberger Reiterpfad
Dazu kommen die renommierten Sekte – Reserve Brut, Riesling Sekt und die Prestige-Cuvées als Blanc de Blancs und Rosé.
Auszeichnungen
Reichsrat von Buhl gehört zu den konstant hochbewerteten Adressen der Pfalz und wird in den führenden Weinführern (Falstaff, Gault&Millau, Eichelmann) regelmäßig ausgezeichnet. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Sekten: Der Reserve Brut zählte in den vergangenen Jahren zu den bestplatzierten klassisch flaschenvergorenen Sekten Deutschlands. Damit hat das Gut maßgeblich dazu beigetragen, deutschen Spitzensekt auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz zu positionieren – und zugleich seinen Ruf als einer der großen Riesling-Erzeuger der Pfalz gefestigt.
