Zusammenfassung
Die Moselland eG mit Sitz in Bernkastel-Kues ist die größte Winzergenossenschaft Deutschlands. Rund 1.800 Mitglieder bewirtschaften etwa 2.000 Hektar Reben – zum größten Teil an der Mosel, inzwischen aber auch an der Nahe, in Rheinhessen und in der Pfalz. Entstanden ist sie 1968 aus dem Zusammenschluss dreier Mosel-Genossenschaften. Mit mehr als der Hälfte Riesling auf der Mosel-Rebfläche gilt Moselland als einer der größten Riesling-Erzeuger der Welt. Das Sortiment reicht vom Alltagswein für den Lebensmittelhandel über die Premiumlinie Goldschild bis zu Sekten, Seccos und Traubensaft.
Geschichte
Weinbau an der Mosel reicht bis in die Römerzeit zurück – die Genossenschaft wirbt entsprechend mit dem Satz, die Mosel sei „über Generationen und seit Jahrtausenden“ geprägt. Die Genossenschaftsidee kam im 19. und frühen 20. Jahrhundert an die Mosel, als viele Kleinwinzer allein weder Kellertechnik noch Marktzugang hatten.
Die heutige Moselland eG entstand 1968: Damals schlossen sich die Gebietswinzergenossenschaft des Kreises Cochem in Ernst, die Winzergenossenschaft Mittelmosel in Wehlen und die Hauptkellerei in Koblenz zusammen. In den folgenden Jahren traten weitere Genossenschaften von Mosel, Saar und Ruwer bei, und der Hauptsitz fand in Bernkastel-Kues seinen festen Platz.
Ab dem Jahr 2000 wuchs Moselland über die Mosel hinaus. Zunächst wurden Mitglieder der Nahe Winzer eG aus Bretzenheim aufgenommen. Es folgten Kooperationen mit der Rietburg-Genossenschaft in Rhodt unter Rietburg (Pfalz) und der Genossenschaft in Nierstein (Rheinhessen), die in Fusionen mündeten – 2011 mit Rietburg, 2016 mit Nierstein. 2018 feierte Moselland sein 50-jähriges Bestehen. An der Spitze steht seit dem Ruhestand von Henning Seibert Mitte 2024 Marc Felten als Vorstandsvorsitzender, gemeinsam mit Finanzvorstand Klaus Traut.
Lage & Terroir
Das Herz der Genossenschaft schlägt an der Mittelmosel rund um Bernkastel-Kues. Hier windet sich der Fluss in engen Schleifen durch das Schiefergebirge, und die Reben stehen an steilen, nach Süden ausgerichteten Hängen. Der devonische Schiefer speichert die Tageswärme, gibt sie nachts an die Reben ab und sorgt für gute Drainage. Das kühle Klima verlängert die Reifezeit – ideal für Riesling mit feiner Säure und moderatem Alkohol.
Die Mitglieder bewirtschaften Weinberge entlang der gesamten Mosel sowie an Saar und Ruwer, von flacheren Lagen bis zu arbeitsintensiven Steillagen. Durch die Fusionen kamen ganz andere Terroirs hinzu: die vulkanisch geprägten Böden der Nahe, die Kalk- und Lössböden Rheinhessens und das nahezu mediterrane Klima der südlichen Pfalz. So kann Moselland neben klassischem Mosel-Riesling auch Burgundersorten und Rotweine aus wärmeren Gebieten anbieten.
Stil & Philosophie
Moselland versteht sich als Vollsortimenter für den deutschen und internationalen Lebensmittelhandel, ohne den Anspruch an Herkunft aufzugeben. Die Trauben der Mitglieder werden in der zentralen Kellerei erfasst, nach Qualität getrennt und überwiegend im Edelstahl ausgebaut, um Frucht und Frische des Rieslings zu erhalten. Stilistisch deckt das Haus die ganze Mosel-Palette ab: trockene und feinherbe Rieslinge, klassische fruchtsüße Kabinett- und Spätlese-Weine, dazu Müller-Thurgau, Silvaner und Spätburgunder.
Marken und Linien
Die Vielfalt der Genossenschaft spiegelt sich in mehreren Marken:
- Moselland – die Hauptmarke für Weine von der Mosel
- Goldschild – die Premiumlinie aus ausgewählten Spitzenlagen
- Rietburg Weingenossenschaft – Weine aus der Pfalz
- Niersteiner Weingenossenschaft – Weine aus Rheinhessen
- Nahetal – Weine von der Nahe
- Nigra – Sekte aus der eigenen Sektmanufaktur
Ergänzt wird das Sortiment durch Bio-Weine, Secco und Perlwein, Glühwein und Traubensaft.
Bekannte Lagen & Weine
Aushängeschild ist die Linie Goldschild, für die nur rund zehn Hektar in renommierten Mosellagen herangezogen werden – darunter das Erdener Treppchen und der Ürziger Würzgarten mit seinem roten Schiefer- und Vulkangestein. Zum 50-jährigen Jubiläum 2018 legte die Genossenschaft einen trockenen Spitzen-Riesling aus besten Mosellagen auf. Daneben sind feinherbe und fruchtsüße Goldschild-Rieslinge sowie die Sekte der Linie Nigra die bekanntesten Weine des Hauses. Vinotheken gibt es in Bernkastel-Kues, Ernst, Wiltingen, Nierstein und Rhodt unter Rietburg.
Auszeichnungen
Als Großerzeuger stellt Moselland seine Weine regelmäßig bei Wettbewerben wie der Landesweinprämierung Rheinland-Pfalz und der DLG-Bundesweinprämierung an, wo einzelne Weine immer wieder Medaillen erhalten. Die größere Bedeutung liegt jedoch in der Struktur: Für viele kleine Familienbetriebe an der Mosel sichert die Genossenschaft den Fortbestand des Weinbaus – gerade in arbeitsintensiven Steillagen, die ohne gemeinsame Vermarktung kaum wirtschaftlich zu bewirtschaften wären.
