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Weingut · Frankreich

Jean Geiler – Winzergenossenschaft aus Ingersheim mit zehn Grands Crus und Crémant d'Alsace

Jean Geiler in Ingersheim bei Colmar: Elsässer Winzergenossenschaft seit 1926, rund 450 Hektar, zehn Grand-Cru-Lagen und Crémant d'Alsace. Geschichte, Stil, Steckbrief.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 11926 als Cave Vinicole d'Ingersheim gegründet – seit 2026 feiert die Genossenschaft ihr hundertjähriges Bestehen.
  2. 2Rund 200 Winzerfamilien bewirtschaften etwa 400 bis 470 Hektar Reben im Haut-Rhin rund um Colmar.
  3. 3Parzellen in zehn Grand-Cru-Lagen, darunter Florimont, Sommerberg, Brand, Hengst, Mambourg und Wineck-Schlossberg.
  4. 4Crémant d'Alsace ist ein Aushängeschild – von Brut und Rosé bis zur Jubiläumscuvée „1926“.
  5. 5Benannt nach Johannes Geiler von Kaysersberg, dem berühmten elsässischen Prediger und Humanisten des 15. Jahrhunderts.

Zusammenfassung

Jean Geiler ist die Marke der Cave Vinicole d'Ingersheim, einer Winzergenossenschaft mit Sitz in Ingersheim unmittelbar vor den Toren von Colmar im Elsass. Gegründet 1926, gehört sie heute zu den großen Akteuren des elsässischen Weinbaus: Rund 200 Winzerfamilien bewirtschaften etwa 400 bis 470 Hektar Reben im Haut-Rhin, darunter Parzellen in zehn Grand-Cru-Lagen wie Florimont, Sommerberg, Brand, Hengst und Mambourg. Das Sortiment reicht von zugänglichen Rebsortenweinen über Terroir- und Grand-Cru-Weine bis zu Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles; ein Schwerpunkt liegt auf Crémant d'Alsace. Ihren Namen verdankt die Genossenschaft dem Prediger und Humanisten Johannes Geiler von Kaysersberg – ein Bekenntnis zur elsässischen Kultur, das auch das 2026 gefeierte hundertjährige Jubiläum prägt.

Geschichte

Die Genossenschaft entstand 1926, in einer Zeit, in der der elsässische Weinbau nach dem Ersten Weltkrieg, der Rückkehr zu Frankreich und den Folgen der Reblaus einen Neuanfang suchte. Eine Gruppe Ingersheimer Winzer – je nach Quelle 16 oder 36 Gründungsmitglieder – schloss sich zur Cave Vinicole d'Ingersheim zusammen, um Trauben gemeinsam zu keltern, zu lagern und zu vermarkten. Für kleine Familienbetriebe war das damals oft die einzige Möglichkeit, dem Preisdruck des Handels etwas entgegenzusetzen.

Über die Jahrzehnte wuchs die Genossenschaft mit den Nachbargemeinden, und in den 1980er Jahren gab sie ihren Weinen einen Namen mit Strahlkraft: Jean Geiler, nach Johannes Geiler von Kaysersberg (1445–1510). Der im nahen Kaysersberg aufgewachsene Theologe war der berühmteste Prediger am Straßburger Münster und gilt als eine Leitfigur des elsässischen Humanismus – ein Namenspatron, mit dem sich die Genossenschaft bewusst in die Kulturgeschichte der Region stellt.

Heute zählt Jean Geiler rund 200 Mitgliedsfamilien und etwa 65 Beschäftigte und wird zu den fünf großen Akteuren der elsässischen Weinwirtschaft gerechnet. Zum hundertjährigen Bestehen 2026 präsentierte sich das Haus mit einer neuen visuellen Identität – bei ausdrücklichem Festhalten an den genossenschaftlichen Werten der Gründerzeit.

Lage & Terroir

Ingersheim liegt am Ausgang des Münstertals, wo die Fecht aus den Vogesen in die Rheinebene tritt, nur wenige Kilometer nordwestlich von Colmar. Die Gegend gehört zu den trockensten Frankreichs: Die Vogesen fangen die atlantischen Regenwolken ab, sodass in Colmar und Umgebung im Jahr oft nur rund 450 Millimeter Niederschlag fallen. Viel Sonne, ein halbkontinentales Klima mit warmen Sommern und kühlen Nächten sowie ein langer, trockener Herbst ermöglichen Weißweine mit reifer Frucht und zugleich lebendiger Säure – und in guten Jahren die Edelfäule für Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles.

Die Parzellen der Mitglieder verteilen sich über ein Mosaik von Böden, das für das Elsass typisch ist: Granit an den steilen Hängen von Sommerberg, Brand und Wineck-Schlossberg, Mergel und Kalk im Florimont, Hengst, Mambourg und Marckrain, dazu Kalkkonglomerate und Kiesel in Eichberg und Pfersigberg. Dieses Nebeneinander auf engem Raum ist der Grund, warum eine einzige Genossenschaft Riesling in so unterschiedlichen Ausprägungen erzeugen kann – mineralisch-straff vom Granit, kräftig und würzig vom Kalkmergel.

Stil & Philosophie

Als Genossenschaft bündelt Jean Geiler die Trauben vieler kleiner Betriebe und muss dabei zwei Ansprüche versöhnen: Verlässlichkeit in der Breite und Profil in der Spitze. Die Basis bilden sortenreine Elsässer Weine aus den sieben klassischen Rebsorten, die den fruchtbetonten, meist trocken ausgebauten Elsässer Stil zugänglich machen. Darüber stehen die Terroir- und Grand-Cru-Weine, bei denen die Genossenschaft die Herkunft in den Vordergrund rückt – Riesling vom Granit des Sommerbergs, Gewürztraminer vom Mergelkalk des Florimont.

Ein zweites Standbein ist der Crémant d'Alsace, der in klassischer Flaschengärung entsteht und in mehreren Stilen angeboten wird – Brut, Prestige, Rosé, Demi-Sec und als Jubiläumscuvée „1926“. Hinzu kommt eine eigene Bio-Linie mit Weinen und Crémants aus den biologisch beziehungsweise biodynamisch arbeitenden Mitgliedsbetrieben, außerdem die süßen Spezialitäten der „Collection Douceurs“ mit Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles.

Sichtbares Symbol der Kellertradition ist der große Eichenholz-Foudre mit rund 354 Hektolitern Fassungsvermögen, der als größtes Fass seiner Art im Rheintal gilt. Die Genossenschaft betreibt am Sitz zudem ein kleines Weinbaumuseum und öffnet ihre Räume für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Bekannte Lagen & Weine

Jean Geiler verfügt über Parzellen in zehn Grand-Cru-Lagen der Umgebung, die nahezu das gesamte Spektrum Elsässer Terroirs abdecken:

  • Florimont (Ingersheim/Katzenthal) – mergelig-kalkiger, steiniger Boden; Heimat kräftiger, würziger Gewürztraminer
  • Sommerberg (Niedermorschwihr/Katzenthal) – bis zu 45 Grad steile Granithänge auf etwa 400 Metern; Riesling von großer Frische und Mineralität
  • Brand (Turckheim) – Zweiglimmergranit in sonnenexponierter Lage, die „Feuererde“ des Elsass; Riesling und Pinot Gris
  • Wineck-Schlossberg (Katzenthal/Ammerschwihr) – Granitlage in geschütztem Mikroklima, urkundlich schon im 13. Jahrhundert erwähnt
  • Kaefferkopf (Ammerschwihr) – 2007 als 51. Grand Cru anerkannt; Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling, auch als Cuvée
  • Hengst (Wintzenheim) – Mergelkalk; konzentrierte, würzige Weine mit Kraft
  • Mambourg (Sigolsheim) – kalkhaltige Böden mit maximaler Sonnenexposition; große Gewürztraminer
  • Marckrain (Bennwihr/Sigolsheim), Eichberg und Pfersigberg (Eguisheim) – Kalk- und Mergelböden für Pinot Gris und Gewürztraminer

Daneben tragen die Crémants d'Alsace und die edelsüßen Vendanges Tardives aus Pinot Gris und Gewürztraminer das Renommee des Hauses.

Auszeichnungen

Jean Geiler ist seit Jahren regelmäßig im Guide Hachette des Vins vertreten, wo zahlreiche Weine mit Sternen bedacht wurden – zuletzt etwa ein Pinot Gris Vendanges Tardives 2015 und ein Gewürztraminer Vendanges Tardives 2022. Die Crémants und Rebsortenweine erhalten zudem regelmäßig Medaillen bei nationalen Wettbewerben wie dem Concours Général Agricole in Paris. Vor allem aber steht das Haus für das, was eine gut geführte Genossenschaft leisten kann: verlässliche Elsässer Weine in der Breite und ernsthafte Grand-Cru-Weine in der Spitze – zu Preisen, die den Einstieg in die großen Lagen rund um Colmar erschwinglich machen.

Häufige Fragen

Wofür ist Jean Geiler bekannt?

Jean Geiler ist die Marke der Cave Vinicole d'Ingersheim, einer der bedeutenden Winzergenossenschaften des Elsass. Bekannt ist das Haus für ein breites Sortiment aus den sieben Elsässer Rebsorten, für Weine aus zehn Grand-Cru-Lagen rund um Colmar sowie für seine Crémants d'Alsace, die zu den Klassikern des Sortiments zählen.

Wo liegt die Cave Jean Geiler?

Der Sitz ist Ingersheim, ein Winzerdorf unmittelbar nordwestlich von Colmar im Haut-Rhin. Die Reben der Mitglieder verteilen sich über die umliegenden Gemeinden der Elsässer Weinstraße, etwa Katzenthal, Niedermorschwihr, Turckheim, Wintzenheim, Ammerschwihr, Sigolsheim und Eguisheim.

Ist Jean Geiler ein Weingut oder eine Genossenschaft?

Jean Geiler ist eine Winzergenossenschaft: Rund 200 Familienbetriebe liefern ihre Trauben an die gemeinsame Kellerei in Ingersheim, wo Ausbau, Flaschengärung für den Crémant und Vermarktung zentral erfolgen. Der Betrieb hat einen festen Sitz, eigene Keller und Zugriff auf klar verortete Lagen.

Woher kommt der Name Jean Geiler?

Der Name erinnert an Johannes Geiler von Kaysersberg (1445–1510), den berühmten Münsterprediger von Straßburg und eine Leitfigur des elsässischen Humanismus, der im nahen Kaysersberg aufwuchs. Die Genossenschaft übernahm den Namen in den 1980er Jahren als Marke für ihre Weine.

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