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Weingut · Italien

Guerrieri Rizzardi – Gräfliches Familiengut zwischen Gardasee und Valpolicella

Guerrieri Rizzardi in Bardolino: seit 1649 in Familienhand, rund 100 Hektar in Bardolino, Valpolicella und Soave, Amarone Calcarole & Villa Rizzardi im Porträt.

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Eines der ältesten Weingüter Venetiens: Die Rizzardi bauen seit 1649 in Negrar Wein an, die erste Abfüllung ist für 1678 belegt.
  2. 21913 vereinte die Heirat von Carlo Rizzardi und Giuseppina Guerrieri die Güter in Valpolicella und Bardolino – 1914 kam der erste gemeinsame Jahrgang.
  3. 3Rund 100 Hektar eigene Reben auf drei Gütern: Bardolino am Gardasee, Pojega in Negrar (Valpolicella Classico) und Costeggiola in Soave.
  4. 4Einzellagen-Weine als Markenzeichen: Amarone Calcarole, Ripasso Pojega, Bardolino Tacchetto und Soave Costeggiola.
  5. 5Villa Rizzardi mit dem 1783 von Luigi Trezza entworfenen Giardino di Pojega – einer der berühmtesten historischen Gärten Italiens.

Zusammenfassung

Guerrieri Rizzardi ist eines der traditionsreichsten Familienweingüter Venetiens. Der Hauptsitz liegt in Bardolino am Ostufer des Gardasees, doch das Gut vereint gleich drei klassische Anbaugebiete der Provinz Verona: Bardolino, das Valpolicella Classico rund um Negrar und Soave. Auf rund 100 Hektar eigenen Reben entstehen ausschließlich Weine aus eigenem Anbau und eigener Abfüllung – vom leichten Chiaretto über den Bardolino Classico bis zu langlebigen Amarone-Crus wie dem Calcarole. Die Wurzeln der Grafen Rizzardi in Negrar reichen bis ins Jahr 1649 zurück, und mit der Villa Rizzardi und ihrem berühmten Garten von Pojega verbindet das Haus Weinkultur mit venezianischer Baukunst.

Geschichte

Die Geschichte des Guts ist die Geschichte zweier alter Familien aus dem Veronesischen. Die Rizzardi erwarben 1649 den kleinen Weiler Pojega in Negrar mitsamt Keller und Weinbergen; die erste eigene Abfüllung ist für 1678 belegt. In Bardolino wiederum wurzelt das Gut noch tiefer: Dort hatten die Rambaldi schon im Mittelalter Reben gepflanzt, und im späten 18. Jahrhundert brachte die Heirat von Agostino Guerrieri mit der letzten Rambaldi-Erbin die Weinberge am Gardasee in den Besitz der Guerrieri.

Der entscheidende Schritt kam 1913: Graf Carlo Rizzardi heiratete Giuseppina Guerrieri – in der Familie bis heute als „Grande Dame“ verehrt –, und die beiden Güter in Valpolicella und Bardolino wurden unter dem Namen Guerrieri Rizzardi zusammengeführt. 1914 erschien der erste gemeinsame Jahrgang. In den 1970er-Jahren kam mit Costeggiola ein Gut in Soave hinzu. Seit den späten 1990er-Jahren führt die Geschwistergeneration um Giuseppe, Agostino und Olimpia Rizzardi das Unternehmen, das weiterhin vollständig in Familienbesitz ist und als Mitglied der Hénokiens – der Vereinigung von Familienunternehmen mit mehr als 200 Jahren Geschichte – zu den ältesten Weinhäusern Italiens zählt.

Lage & Terroir

Guerrieri Rizzardi bewirtschaftet drei sehr unterschiedliche Terroirs. In Bardolino und dem Nachbarort Cavaion liegen rund 45 Hektar in etwa 35 Parzellen auf 70 bis 190 Metern Höhe. Die Böden sind teils sandig, teils kiesig und stellenweise kalkreicher; das Klima ist gemäßigt und wird vom nahen Gardasee ausgeglichen. Neben Corvina und Rondinella stehen hier auch Merlot, Sangiovese sowie weiße Sorten wie Garganega und Moscato Bianco.

Das Gut Pojega in Negrar umfasst rund 25 Hektar im Herzen des Valpolicella Classico. Die Reben wachsen im Schnitt auf etwa 200 Metern auf Lehm- und Kalkböden; viele Stöcke sind rund 40 Jahre alt. Der Cru Calcarole oberhalb der Villa gilt als ungewöhnlich warme, nach Südwesten ausgerichtete Lage, aus der das Spitzen-Amarone stammt. In Soave schließlich, am Fuß der mittelalterlichen Burg, liegen gut 15 Hektar in rund 33 kleinen Parzellen, darunter die Crus Costeggiola und Tenda mit der Lage Ferra.

Stil & Philosophie

Der Leitgedanke des Hauses lautet: Jeder Wein soll das jeweilige Gut ausdrücken, aus dem er stammt. Deshalb verarbeitet Guerrieri Rizzardi ausschließlich eigene Trauben und füllt ausschließlich auf den eigenen Gütern ab. Tradition und Herkunft stehen im Mittelpunkt, ohne auf moderne Kellertechnik zu verzichten – die neue Kellerei wird nach Angaben des Guts vollständig mit Solarstrom betrieben.

Stilistisch setzt das Gut auf Eleganz statt Wucht. Der Amarone Calcarole wird oft als frischer, feiner Vertreter seiner Gattung beschrieben: Die Trauben trocknen mehrere Monate auf natürliche Weise, die Weine reifen anschließend rund drei Jahre in kleineren und mittelgroßen Holzfässern. Die Bardolino- und Chiaretto-Weine sind bewusst leicht, fruchtig und trinkfreudig, der Soave Classico Costeggiola zeigt die mineralische Seite der Garganega. Auch der Verzicht auf Zukäufe ist Teil der Philosophie: Lieber weniger Wein, dafür ausschließlich aus den Lagen, die die Familie seit Generationen kennt.

Bekannte Lagen & Weine

Das Sortiment folgt den drei Gütern und ist von Einzellagen-Weinen geprägt:

  • Calcarole – Amarone della Valpolicella Classico DOCG aus dem gleichnamigen Cru oberhalb von Negrar; das Flaggschiff des Hauses
  • Villa Rizzardi – Amarone della Valpolicella Classico Riserva
  • 3Cru – Amarone aus Corvinone, Corvina, Rondinella, Barbera und Sangiovese, rund 36 Monate im Holz gereift
  • Pojega – Valpolicella Classico Superiore Ripasso vom Gut in Negrar
  • Tacchetto – Bardolino Classico DOC, ein Einzellagen-Bardolino aus Corvina, Rondinella und Merlot
  • Keya – Bardolino Chiaretto Classico, einer der meistausgezeichneten Rosés Venetiens
  • Munus – Rosso Veronese IGT vom Gut Bardolino
  • Costeggiola – Soave Classico DOC aus der gleichnamigen Lage

Auszeichnungen

Guerrieri Rizzardi sammelt regelmäßig Bestnoten in italienischen und internationalen Führern. Der Amarone Calcarole 2016 erhielt bei Vinous 96 Punkte, bei Bibenda die Höchstnote von fünf Grappoli und bei Gambero Rosso Due Bicchieri Rossi; der Villa Rizzardi Amarone Riserva 2016 kam bei Vinous auf 95 Punkte. Der 3Cru Amarone gewann bei der International Wine Challenge 2020 eine Goldmedaille mit 95 Punkten, und der Chiaretto Keya wurde vom Führer Vitae 2023 als bester Rosé Venetiens ausgezeichnet. Das Gut ist zudem Träger des Preises „Best of Wine Tourism“, und Maria Cristina Rizzardi Loredan wurde vom italienischen Staatspräsidenten zum Cavaliere del Lavoro ernannt.

Häufige Fragen

Wofür ist Guerrieri Rizzardi bekannt?

Guerrieri Rizzardi steht für Weine aus ausschließlich eigenen Lagen in Bardolino, Valpolicella und Soave. Am bekanntesten sind der Amarone della Valpolicella Classico Calcarole aus einer warmen Einzellage oberhalb von Negrar, der Ripasso Pojega, der Bardolino Classico Tacchetto und der Soave Classico Costeggiola. Dazu kommt die Villa Rizzardi mit ihrem historischen Garten von Pojega.

Wo liegt das Weingut Guerrieri Rizzardi?

Der Hauptsitz und die Kellerei liegen in Bardolino am Ostufer des Gardasees in der Provinz Verona. Weitere Güter befinden sich in Negrar im Valpolicella-Classico-Gebiet (Pojega mit der Villa Rizzardi) und in Costeggiola am Fuß der Burg von Soave.

Wer führt Guerrieri Rizzardi heute?

Das Gut ist bis heute vollständig in Familienbesitz. Seit den späten 1990er-Jahren leitet die Geschwistergeneration der Grafen Rizzardi – vor allem Giuseppe und Agostino Rizzardi, dazu Olimpia Rizzardi – Weinbau, Keller und Vermarktung.

Kann man Guerrieri Rizzardi besuchen?

Ja. Das Gut betreibt Wine Shops in Bardolino, Cavaion Veronese und Negrar, bietet Kellerführungen mit Verkostung an und öffnet den Giardino di Pojega in der Saison von etwa April bis Oktober für Besucher. Die Villa Rizzardi wird zudem für Veranstaltungen genutzt.

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