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Dessertweine zu Weihnachtsgebäck: Das perfekte Pairing

18. Dezember 2025
6 Min. Lesezeit
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Welcher Dessertwein passt zu Vanillekipferl, Lebkuchen & Co.? Entdecke die perfekten Pairings von Eiswein, Auslese bis Portwein für Weihnachtsgebäck.

Es gibt wenige Dinge, die so sehr nach Weihnachten schmecken wie frisch gebackene Plätzchen. Und es gibt wenige Genussmomente, die so unterschätzt werden wie der richtige Wein zu Weihnachtsgebäck. Während wir bei Hauptgängen oft akribisch den passenden Wein wählen, greifen viele bei Plätzchen und Stollen einfach zu Kaffee oder Tee.

Dabei können Dessertweine das Geschmackserlebnis von Vanillekipferl, Lebkuchen und Zimtsternen auf ein komplett neues Level heben. In diesem Guide zeige ich dir, welche Dessertweine zu welchem Weihnachtsgebäck passen, worauf du bei der Kombination achten solltest und welche überraschenden Pairings absolut genial funktionieren.

Die Grundregel: Wein süßer als das Gebäck

Die goldene Regel beim Pairing von Dessertwein und Süßspeisen lautet: Der Wein muss süßer sein als das Gebäck. Warum? Weil ein Wein neben süßem Gebäck sonst sauer und unangenehm schmeckt.

Die Süße-Hierarchie deutscher Dessertweine

Von mild bis intensiv süß:

  1. Spätlese – dezente Süße, noch relativ leicht
  2. Auslese – deutlich süßer, aber noch fruchtig-frisch
  3. Beerenauslese – konzentrierte Süße, honigig
  4. Trockenbeerenauslese – extrem süß, sirupartig
  5. Eiswein – intensive Süße mit knackiger Säure

Diese Hierarchie hilft dir, den passenden Süßegrad für dein Gebäck zu wählen.

Klassisches deutsches Weihnachtsgebäck: Die perfekten Pairings

Vanillekipferl und Butterplätzchen

Diese zartes, buttrige Gebäck ist relativ dezent süß. Hier funktionieren:

Riesling Spätlese aus der Mosel oder Rheingau ist perfekt. Die fruchtige Süße mit Noten von Apfel und Pfirsich harmoniert wunderbar mit der Butterigkeit, ohne das Gebäck zu überwältigen.

Gewürztraminer Spätlese bringt exotischere Aromen von Litschi und Rosenblättern mit. Das passt besonders gut zu Vanillekipferl, da die Vanille mit den blumigen Noten tanzt.

Zu Butterplätzchen empfehle ich einen deutschen Riesling Spätlese – die Kombination aus Butteraromen und fruchtiger Weinsüße ist ein Traum!

Zimtsterne und Spekulatius

Gewürzgebäck braucht einen Wein, der aromatisch mithalten kann.

Gewürztraminer Auslese ist hier die erste Wahl. Die Rebsorte selbst ist würzig und bringt Noten von Nelken, Zimt und exotischen Gewürzen mit – perfekt für Zimtsterne!

Muskateller Auslese funktioniert ebenfalls fantastisch. Die intensive Muskatwürze ergänzt die Weihnachtsgewürze wunderbar.

Alternativer Tipp: Ein gereifter Sherry (Amontillado oder Oloroso) bringt nussige, karamellisierte Aromen, die mit Spekulatius genial harmonieren. Das ist allerdings schon eher ein Insider-Pairing für Experimentierfreudige.

Lebkuchen und Pfeffernüsse

Das intensive, würzige Aroma von Lebkuchen und Pfeffernüssen fordert einen Wein mit Charakter.

Gewürztraminer Beerenauslese hat die nötige Power. Die konzentrierte Süße und die würzigen Aromen halten den intensiven Gewürznoten stand.

Portwein – besonders Tawny Port – ist meine absolute Geheimwaffe zu Lebkuchen. Die Aromen von getrockneten Früchten, Nüssen und Karamell passen wie Faust aufs Auge zum honigsüßen, würzigen Lebkuchen.

Glühwein als Alternative: Ja, tatsächlich! Ein guter, selbstgemachter Glühwein harmoniert perfekt mit Lebkuchen, weil beide die gleichen Gewürze teilen.

Marzipan und Nussgebäck

Mandelgebäck und Marzipan brauchen Weine mit nussigen, cremigen Noten.

Sherry (Amontillado oder Oloroso) ist unschlagbar. Die nussigen Aromen gereifter Sherrys ergänzen Mandeln und Nüsse perfekt.

Vin Santo aus der Toskana bringt Aromen von gerösteten Mandeln, getrockneten Aprikosen und Honig mit – himmlisch zu Marzipanstollen oder Nussecken.

Riesling Auslese funktioniert auch, besonders wenn das Marzipan nicht zu süß ist. Die Fruchtsäure des Rieslings bringt Balance.

Kokosmakronen

Die Süße und das exotische Aroma von Kokosmakronen fordern einen speziellen Partner.

Eiswein ist hier mein Favorit. Die konzentrierte Fruchtsüße mit knackiger Säure schneidet durch die Kokosfettigkeit und bringt Balance. Besonders ein Riesling Eiswein mit Noten von Mango und Ananas passt perfekt.

Muskateller Beerenauslese bringt die nötige exotische Würze mit und harmoniert fantastisch mit Kokos.

Schokoladenplätzchen

Schokolade ist eine besondere Herausforderung beim Weinpairing.

Für Milchschokolade: Süße Weißweine wie Auslese oder Beerenauslese funktionieren gut. Die Süße des Weins sollte die der Schokolade übersteigen.

Für Zartbitterschokolade: Hier brauchst du schweres Geschütz. Portwein (Ruby oder Vintage Port), noble süße Muskateller oder sogar eine Banyuls aus Frankreich sind ideal. Die dunklen Fruchtaromen und die Tiefe dieser Weine ergänzen die Kakao-Bitterkeit perfekt.

Insider-Tipp: Vin Santo zu dunkler Schokolade mit Nüssen ist göttlich!

Besondere Dessertwein-Stile für Weihnachtsgebäck

Eiswein: Der elegante Allrounder

Eiswein ist mein persönlicher Favorit für Weihnachtsgebäck. Die konzentrierte Süße wird durch eine brillante Säure balanciert, die verhindert, dass das Pairing zu schwer wird.

Passt besonders gut zu:

  • Fruchtigen Plätzchen (Himbeerherzen, Zitronenplätzchen)
  • Kokosmakronen
  • Leichten Gebäcken ohne intensive Gewürze

Empfehlung: Ein deutscher Riesling Eiswein aus Rheinhessen oder der Pfalz. Preislich zwischen 15-30 Euro für eine halbe Flasche.

Portwein: Der kräftige Begleiter

Portwein ist unterschätzt zu Weihnachtsgebäck. Besonders Tawny Port mit seinen Nuss- und Karamellaromen passt hervorragend.

Passt besonders gut zu:

  • Lebkuchen
  • Nussgebäck
  • Schokoladenplätzchen
  • Stollen

Empfehlung: Ein 10 Jahre alter Tawny Port für ca. 15-20 Euro. Brands wie Graham's, Taylor's oder Sandeman sind zuverlässig.

Sherry: Der nussige Geheimtipp

Gereifter Sherry (Amontillado, Oloroso) ist mein Geheimtipp für Kenner. Die nussigen, oxidativen Aromen sind einzigartig.

Passt besonders gut zu:

  • Mandelgebäck
  • Nussecken
  • Spekulatius
  • Marzipan

Empfehlung: Ein Amontillado von Lustau oder Barbadillo, ca. 12-18 Euro.

Vin Santo: Italienische Eleganz

Der toskanische Klassiker aus luftgetrockneten Trauben bringt Aromen von Honig, getrockneten Früchten und Mandeln.

Passt besonders gut zu:

  • Cantuccini (traditionell!)
  • Marzipan
  • Nussgebäck

Empfehlung: Ein Vin Santo del Chianti, ca. 15-25 Euro für 0,375 l.

Praktische Tipps für die perfekte Kombination

Serviertemperatur

  • Eiswein, Auslese, Beerenauslese: 8-10 Grad
  • Portwein: 16-18 Grad (leicht gekühlt)
  • Sherry: 12-14 Grad
  • Vin Santo: 10-12 Grad

Zu kalt serviert gehen die Aromen verloren, zu warm wirken die Weine zu alkoholisch und schwer.

Portionsgrößen

Dessertweine sind konzentriert und süß – kleine Portionen reichen völlig. 50-80 ml pro Person sind perfekt für ein Pairing mit Gebäck.

Timing

Serviere den Dessertwein nicht parallel zum Kaffee oder Tee. Die Gerbstoffe im Kaffee und die Aromen im Tee stören die Weinwahrnehmung. Entweder oder – aber nicht beides gleichzeitig.

Anzahl der Sorten

Wenn du verschiedene Gebäcksorten servierst, beschränke dich auf 2-3 Weine. Mehr verwirrt den Gaumen.

Meine Empfehlung für einen Plätzchenteller:

  1. Riesling Auslese für die milderen Plätzchen (Vanillekipferl, Butterplätzchen)
  2. Tawny Port für Lebkuchen und Schokolade
  3. Eiswein als Special für Kokosmakronen und fruchtiges Gebäck

Budget-Tipps: Gute Dessertweine unter 20 Euro

Du musst kein Vermögen ausgeben für ein tolles Pairing:

Unter 15 Euro:

  • Deutsche Auslese (Riesling oder Gewürztraminer) von Weingütern wie Lenz Moser, Villa Wolf oder Schloss Vollrads
  • Basis-Portwein von Sandeman oder Cockburn's
  • Ungarischer Tokaji Aszú 3 Puttonyos

15-25 Euro:

  • Deutscher Eiswein (halbe Flasche)
  • 10-jähriger Tawny Port
  • Italienischer Vin Santo
  • Österreichischer Trockenbeerenauslese

Über 25 Euro:

  • Premium Eiswein
  • Vintage Port
  • Sauternes aus Bordeaux (passt ebenfalls hervorragend!)

Mein Budget-Tipp: Deutsche Auslese bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 8-12 Euro bekommst du fantastische Qualität.

Häufige Fehler beim Pairing

Fehler 1: Wein nicht süß genug

Wenn der Wein nicht süßer ist als das Gebäck, schmeckt er sauer und unangenehm. Lieber eine Stufe süßer wählen.

Fehler 2: Zu viel Wein

Dessertweine sind konzentriert. Kleine Gläser und kleine Portionen sind perfekt. Es geht um Genuss, nicht ums Volltrinken.

Fehler 3: Falsche Temperatur

Zu kalter Wein zeigt keine Aromen, zu warmer wirkt alkoholisch und schwer. Das Thermometer ist dein Freund.

Fehler 4: Zu komplexe Kombination

Nicht jedes Gebäck braucht den teuersten, komplexesten Wein. Manchmal ist eine einfache Auslese die bessere Wahl als ein hochpreisiger Eiswein.

Mein persönlicher Favorit

Meine absolute Lieblings-Kombination ist Gewürztraminer Auslese zu Zimtsternen. Die würzigen Aromen des Weins – Litschi, Rosen, Nelken – tanzen förmlich mit den Weihnachtsgewürzen. Dazu die butterige Textur der Zimtsterne und die samtige Süße des Weins – das ist Weihnachten im Glas!

Ein weiterer Geheimtipp: 10-jähriger Tawny Port zu selbstgemachtem Lebkuchen. Die karamellisierten Noten des Ports, die nussigen Aromen und die Würze passen so perfekt zusammen, dass ich regelmäßig mehr Port als Lebkuchen konsumiere.

Fazit: Dessertwein macht Plätzchen zum Erlebnis

Weihnachtsgebäck und Dessertwein sind eine unterschätzte Kombination, die jeden Adventsabend aufwertet. Ob klassische deutsche Auslese, kräftiger Portwein oder eleganter Eiswein – für jedes Gebäck gibt es den perfekten Partner.

Die wichtigsten Punkte:

  • Der Wein muss süßer sein als das Gebäck
  • Gewürzgebäck braucht aromatische Weine
  • Nussgebäck liebt nussige Weine wie Sherry
  • Kleine Portionen bei richtiger Temperatur servieren

Statt also beim nächsten Plätzchen-Nachmittag automatisch zur Kaffeekanne zu greifen, probiere es mal mit einem guten Dessertwein. Deine Gäste werden staunen – und deine Vanillekipferl werden plötzlich in einem ganz neuen Licht erstrahlen.

Prost und fröhliches Naschen!

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