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Côte Chalonnaise - Burgunds Geheimtipp

11. Dezember 2025
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Côte Chalonnaise: Unterschätzte Burgund-Region mit Mercurey, Givry, Rully. Exzellente Pinot Noir & Chardonnay zu fairen Preisen.

Côte Chalonnaise - Burgunds Geheimtipp

Zusammenfassung / Auf einen Blick

Die Côte Chalonnaise ist Burgunds bestgehütetes Geheimnis für Preis-Leistungs-bewusste Weinliebhaber. Zwischen der prestigeträchtigen Côte d'Or im Norden und dem volksnahen Mâconnais im Süden gelegen, produziert diese Region authentische burgundische Weine zu erschwinglichen Preisen. Die fünf Hauptdörfer - Bouzeron, Rully, Mercurey, Givry und Montagny - bieten elegante Pinot Noir und Chardonnay Weine, die stilistisch zwischen ihren berühmteren Nachbarn liegen.

Quick Facts:

  • Lage: Südlich der Côte d'Or, zwischen Chagny und Saint-Gengoux-le-National
  • Größe: Ca. 2.500-4.000 Hektar Rebfläche (Quellen variieren)
  • Klima: Semi-kontinental, etwas wärmer als Côte d'Or
  • Hauptrebsorten: Pinot Noir (75%), Chardonnay (25%)
  • Weinstile: Elegante Rotweine, frische Weißweine
  • Besonderheit: Beste Preis-Leistung im Burgund, unterschätzte Premier Crus

Geographie und Klima

Die Côte Chalonnaise erstreckt sich über etwa 25 Kilometer von Chagny im Norden bis Saint-Gengoux-le-National im Süden. Anders als die zusammenhängende Côte d'Or sind die Weinberge hier fragmentiert - Rebflächen wechseln sich mit Wäldern, Weiden und Feldern ab. Die Landschaft ist sanfter und hügeliger als im Norden.

Das Klima ist semi-kontinental, aber etwas wärmer und sonniger als an der Côte d'Or. Die Vegetationsperiode ist länger, die Ernte früher. Dies führt zu vollreiferen Trauben mit niedrigerer Säure und höherem Alkoholgehalt. Gleichzeitig bedeutet die fragmentierte Topografie viele Mikroklimata - die besten Lagen profitieren von Hanglage, Exposition und guter Drainage.

Die Böden variieren stark: Im Norden (Rully) dominieren Kalkstein und Mergel, ähnlich der Côte de Beaune. Im Süden (Montagny) nehmen lehmigere Böden zu. Diese Vielfalt erklärt die stilistischen Unterschiede zwischen den fünf Dörfern.

Die geologische Bruchlinie, die sich durch die Region zieht, schuf unterschiedliche Höhenlagen und Bodenformationen - ein Segen für Terroir-Vielfalt, aber ein Fluch für Marketing (schwieriger zu kommunizieren als die klare Struktur der Côte d'Or).

Rebsorten

Pinot Noir

Pinot Noir dominiert mit etwa 75% der Rebfläche und ist die Stärke der Côte Chalonnaise. Die Weine zeigen einen Stil zwischen Côte d'Or und Mâconnais: fruchtiger und zugänglicher als klassische Côte de Nuits Weine, aber strukturierter und ernster als einfache Mâcon Rouges.

Typische Aromen umfassen rote Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, erdige Noten und florale Akzente. Die Tannine sind fein und seidig, die Säure lebendig. Der Ausbau erfolgt meist in Barriques (15-30% neu), was Struktur und Komplexität bringt, ohne die Frucht zu überdecken.

Mercurey produziert die kraftvollsten, strukturiertesten Pinot Noirs der Region - dunkler, tanninbetonter, langlebiger. Givry zeigt mehr Eleganz und Finesse, mit floralen Noten und seidigen Tanninen. Rully Rouge ist leichter und zugänglicher, ideal für frühen Genuss.

Chardonnay

Chardonnay macht etwa 25% der Fläche aus und produziert hervorragende Weißweine. Der Stil liegt zwischen der straffen Mineralität von Chablis und der opulenten Cremigkeit von Meursault - eine perfekte Balance.

Rully ist berühmt für elegante, mineralische Chardonnays mit knackiger Säure und Zitrusfrüchten. Montagny produziert ausschließlich Weißweine - vollmundiger und fruchtbetonter als Rully, mit Aromen von reifen Äpfeln, Birnen und Honig.

Die besten Chardonnays werden in Barriques ausgebaut (20-40% neu) mit malolaktischer Gärung und gelegentlicher Battonage. Dies verleiht ihnen Cremigkeit und Komplexität, während die lebendige Säure Frische bewahrt.

Aligoté

Eine Besonderheit ist Bouzeron, die einzige AOC-Appellation in ganz Burgund, die ausschließlich für Aligoté reserviert ist. Die Weine sind frisch, zitrusartig und mineralisch - perfekte Sommerweine und die klassische Basis für Kir (mit Cassis-Likör).

Weinstile

Die Côte Chalonnaise folgt der burgundischen Qualitätspyramide, allerdings ohne Grand Crus:

  • Bourgogne Côte Chalonnaise: Regionale Appellation für Weine aus mehreren Gemeinden
  • Village-Weine: Weine aus den fünf Hauptdörfern (z.B. Mercurey, Rully)
  • Premier Cru: Lagenweine von klassifizierten Weinbergen (insgesamt ca. 80 Premier Crus)

Das Fehlen von Grand Crus bedeutet nicht mangelnde Qualität - viele Premier Crus aus Mercurey oder Givry können mit Côte d'Or Village-Weinen mithalten. Der Hauptunterschied ist Preis und Prestige, nicht Qualität.

Die Weine sind generell zugänglicher und früher trinkbar als Côte d'Or Weine. Einfache Village-Weine sind mit 3-5 Jahren optimal, Premier Crus können 10-15 Jahre reifen. Der Stil tendiert zu Frucht und Eleganz statt Kraft und Konzentration.

Top Weingüter in der Côte Chalonnaise

Domaine Michel Juillot (Mercurey)

  • Adresse: Grande Rue, 71640 Mercurey
  • Website: domaine-michel-juillot.fr
  • Spezialität: Mercurey Premier Cru Les Champs Martin, Corton Grand Cru
  • Auszeichnungen: Referenz für klassischen Mercurey-Stil
  • Laurent Juillot führt das Familienweingut mit Präzision. Die Premier Crus sind kraftvoll, strukturiert und langlebig - das Beste, was Mercurey bieten kann.

Domaine Faiveley (Mercurey)

  • Adresse: 8 Rue du Tribourg, 21700 Nuits-Saint-Georges
  • Website: domaine-faiveley.com
  • Spezialität: Mercurey Clos des Myglands (Monopole), Mercurey Premier Crus
  • Auszeichnungen: Eines der größten Négoce-Häuser des Burgunds
  • Faiveley besitzt bedeutende Flächen in Mercurey und produziert konstant hochwertige Weine mit ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Domaine de Villaine (Bouzeron)

  • Adresse: 2 Rue de la Fontaine, 71150 Bouzeron
  • Website: de-villaine.com
  • Spezialität: Bouzeron Aligoté, Rully Premier Cru
  • Auszeichnungen: Aubert de Villaine ist Co-Direktor von Domaine de la Romanée-Conti
  • Die Aligoté-Weine sind die besten der Welt - komplex, alterungsfähig, weit entfernt von einfachen Sommerweinen. Die Pinot Noirs und Chardonnays sind ebenfalls ausgezeichnet.

Domaine A. & P. de Villaine (Bouzeron)

  • Adresse: 2 Rue de la Fontaine, 71150 Bouzeron
  • Website: de-villaine.com
  • Spezialität: Bouzeron Aligoté, Mercurey, Rully
  • Aubert de Villaines Privatweingut (separat von Romanée-Conti). Biodynamischer Anbau, puristische Weinbereitung, erstklassige Qualität.

Domaine Joblot (Givry)

  • Adresse: 4 Rue Passe-Tout-Grain, 71640 Givry
  • Website: domaine-joblot.com
  • Spezialität: Givry Premier Cru Clos du Cellier aux Moines (Monopole)
  • Auszeichnungen: Biodynamischer Anbau, Kultstatus
  • Juliette Joblot führt das Weingut mit kompromissloser Qualität. Die Givry Premier Crus sind elegant, komplex und langlebig.

Domaine Dureuil-Janthial (Rully)

  • Adresse: 3 Rue de la Buisserolle, 71150 Rully
  • Website: dureuil-janthial.fr
  • Spezialität: Rully Premier Cru blanc, Mercurey
  • Auszeichnungen: Moderner, präziser Stil
  • Raymond Dureuil-Janthial macht sowohl ausgezeichnete Weiß- als auch Rotweine. Die Rully Weißweine sind mineralisch und elegant.

Domaine de la Renarde (Rully)

  • Adresse: 5 Place du Champ de Foire, 71150 Rully
  • Website: domainedelarenarde.com
  • Spezialität: Rully Premier Cru, Mercurey
  • André Delorme gründete dieses Weingut und legte den Grundstein für moderne Qualität in Rully.

Château de Chamirey (Mercurey)

  • Adresse: Rue du Château, 71640 Mercurey
  • Website: domaines-devillard.com
  • Spezialität: Mercurey Premier Cru, historisches Anwesen
  • Auszeichnungen: Größtes Weingut in Mercurey (37 ha)
  • Bertrand Devillard führt das elegante Château. Die Weine vereinen Tradition mit modernem Ausbau.

Die fünf Dörfer der Côte Chalonnaise

Bouzeron (50 ha)

Die kleinste und nördlichste Appellation, ausschließlich für Aligoté reserviert. Dank Aubert de Villaine wurde Bouzeron 1998 zur ersten und einzigen Aligoté-AOC des Burgunds. Die Weine sind frisch, mineralisch und zeigen, dass Aligoté mehr sein kann als Kir-Basis.

Rully (ca. 340 ha, davon 100 ha Premier Cru)

Bekannt für elegante Weißweine (60%) und leichte Rotweine (40%). Rully war früher ein Zentrum der Crémant-Produktion - viele Winzer stellen neben stillen Weinen auch hervorragende Schaumweine her. Die Premier Crus wie Grésigny, Rabourcé und La Pucelle produzieren mineralische, langlebige Chardonnays.

Mercurey (ca. 640 ha, davon 160 ha Premier Cru)

Die größte und bekannteste Appellation der Côte Chalonnaise. 82% Rotweine, die kraftvoller und strukturierter sind als andere Dörfer - der "kleine Pommard" des Südens. Die besten Premier Crus wie Les Champs Martin, Clos des Myglands und Les Velley produzieren langlebige Weine mit Alterungspotenzial von 15+ Jahren.

Givry (ca. 270 ha, davon 80 ha Premier Cru)

Historisch das bevorzugte Weinbaugebiet König Heinrichs IV. von Frankreich. 85% Rotweine, eleganter und femininer als Mercurey, mit floralen Noten und seidigen Tanninen. Premier Crus wie Clos Salomon, Cellier aux Moines und Servoisine sind Geheimtipps für Pinot Noir-Liebhaber.

Montagny (ca. 320 ha)

Die südlichste Appellation, produziert ausschließlich Weißweine aus Chardonnay. Einzigartig im Burgund: Alle Weine mit mindestens 11,5% Alkohol dürfen sich "Premier Cru" nennen - was die Bezeichnung etwas entwertet. Die Weine sind vollmundig, fruchtbetont und zugänglich. Beste Lagen sind Les Bonneveaux und Les Burnins.

Weinbaugeschichte

Der Weinbau in der Côte Chalonnaise reicht bis in die Römerzeit zurück. Im Mittelalter prägten die Benediktiner- und Zisterziensermönche die Region. Das Kloster Cluny besaß bedeutende Weinberge in Givry und Mercurey.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Weine der Côte Chalonnaise am französischen Hof beliebt - insbesondere Givry, das König Heinrich IV. angeblich täglich trank. Die Region belieferte Paris über die Saône, den natürlichen Wasserweg nach Norden.

Nach der Reblaus-Krise Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Region mit Pinot Noir und Chardonnay neu bepflanzt. Im 20. Jahrhundert stand die Côte Chalonnaise lange im Schatten der Côte d'Or - die Weine wurden oft als "kleine" oder "einfache" Versionen wahrgenommen.

Die Qualitätsrevolution begann in den 1980er und 1990er Jahren: Ambitionierte Winzer wie Michel Juillot, Aubert de Villaine und die Familie Joblot zeigten, dass die Region Weltklasse-Weine produzieren kann. Die Einführung von Bouzeron AOC (1998) und die Premier Cru Klassifizierung von Montagny (bestätigt 2000er Jahre) stärkten die Identität der Region.

Heute erlebt die Côte Chalonnaise eine Renaissance: Weinliebhaber suchen nach authentischen burgundischen Weinen zu fairen Preisen, und die Region liefert genau das.

Herausforderungen und Zukunft

Identitätskrise: Die Côte Chalonnaise kämpft mit ihrer Wahrnehmung als "Budget-Burgund". Viele Käufer kennen die Dörfer nicht oder verwechseln sie. Die Region investiert in Marketing, um Bekanntheit zu steigern.

Klimawandel: Wärmere Temperaturen bringen vollreifere Trauben, erhöhen aber das Risiko von Überreife und niedrigen Säurewerten. Winzer experimentieren mit höher gelegenen Lagen und früherer Lese.

Preisdruck: Steigende Immobilienpreise in der Côte d'Or treiben Investoren in die Côte Chalonnaise. Dies erhöht die Weinpreise und bedroht das Preis-Leistungs-Argument der Region.

Generationswechsel: Viele traditionelle Betriebe werden an die nächste Generation übergeben. Junge Winzer bringen neue Ideen: Biodynamie, natürliche Weinbereitung, Diversifizierung (Schaumwein, Rosé).

Crémant-Potential: Rully und Bouzeron haben lange Traditionen in der Schaumweinproduktion. Crémant de Bourgogne wird immer beliebter als erschwingliche Champagner-Alternative - ein wachsender Markt für die Region.

Meine persönliche Empfehlung

Die Côte Chalonnaise ist für mich die klügste Wahl für burgundische Authentizität ohne finanzielle Katastrophe. Die Weine liefern 80% der Qualität der Côte d'Or zu 40% des Preises.

Mein Lieblingsdorf: Givry. Die Weine vereinen Eleganz, Struktur und Trinkfreude perfekt. Sie sind ernster als Beaujolais, aber zugänglicher als Côte de Nuits. Ein Givry Premier Cru von Domaine Joblot (z.B. Clos du Cellier aux Moines) kostet 25-35 Euro und liefert eine Erfahrung, für die man in Pommard 70-100 Euro zahlen würde.

Preis-Leistungs-König: Mercurey Village-Weine von Produzenten wie Faiveley oder Château de Chamirey (15-20 Euro). Diese Weine zeigen authentischen burgundischen Charakter - erdige Pinot Noir-Frucht, feine Tannine, gute Struktur - ohne Prestigeaufschlag.

Weißwein-Geheimtipp: Rully Premier Cru von Dureuil-Janthial oder Vincent Dureuil-Janthial (20-30 Euro). Diese Chardonnays sind mineralisch, elegant und können mit Puligny-Montrachet Village-Weinen mithalten. Perfekte Balance zwischen Frische und Komplexität.

Besuchstipp: Das Château de Mercurey (nicht zu verwechseln mit Château de Chamirey) bietet Weinverkostungen in historischem Ambiente. Die Kellertour zeigt die Geschichte der Region. Kombiniere dies mit einem Mittagessen im Hostellerie du Val d'Or in Mercurey - michelin-empfohlene burgundische Küche mit exzellenter lokaler Weinkarte.

Wandertipp: Der Voie Verte (Grüner Weg) ist ein ehemaliger Bahndamm, der durch die Weinberge von Givry und Mercurey führt - perfekt zum Radfahren oder Wandern. Du durchquerst Premier Cru Lagen, hast spektakuläre Ausblicke und kannst spontan bei Weingütern einkehren.

Food Pairing für Côte Chalonnaise Weine:

  • Mercurey Rouge: Boeuf Bourguignon, geschmortes Kaninchen
  • Givry Rouge: Coq au Vin, gegrilltes Hähnchen
  • Rully Blanc: Escargots, gegrillter Fisch
  • Montagny: Comté-Käse, Tarte aux champignons

Beste Reisezeit: September während der Lese - die Region ist weniger touristisch als Côte d'Or, die Winzer haben mehr Zeit für Besucher. Mai/Juni ist ideal für Wanderungen durch blühende Weinberge ohne Menschenmassen.

Kaufempfehlung: Die Côte Chalonnaise ist Burgunds bestes Preis-Leistungs-Gebiet. Für Einsteiger: Mercurey Rouge von Faiveley (15-20 Euro). Für Fortgeschrittene: Givry Premier Cru von Joblot (25-35 Euro). Für Profis: Bouzeron Aligoté von Domaine de Villaine (20-25 Euro) - zeigt, dass Aligoté Weltklasse sein kann.

Jahrgänge: 2020, 2019, 2022 sind exzellente aktuelle Jahrgänge. 2018 war warm und üppig, ideal für opulente Stile. 2021 war kühl und herausfordernd, aber gute Produzenten machten elegante, frische Weine. Die Region ist weniger jahrgangsabhängig als Côte d'Or - konsistente Qualität über die Jahre.