Weinregionen

Bourgogne - Die Wiege der Terroir-Philosophie

9. Dezember 2025
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Alles über die Weinregion Bourgogne: Legendäre Weingüter wie DRC, Terroir-Vielfalt, Grand Crus und Insider-Tipps für deinen Besuch.

Bourgogne - Die Wiege der Terroir-Philosophie

Zusammenfassung / Auf einen Blick

Das Burgund (Bourgogne) ist weit mehr als eine Weinregion – es ist der heilige Gral für Weinliebhaber weltweit. Nirgendwo sonst wird das Terroir-Konzept so konsequent gelebt wie in diesem 300 Kilometer langen Streifen zwischen Dijon und Lyon. Hier entstehen einige der teuersten und begehrtesten Weine der Welt, allen voran die legendären Pinot Noir und Chardonnay aus Grand Cru-Lagen.

Quick Facts:

  • Lage: Ostfrankreich, zwischen Dijon und Lyon
  • Größe: 28.700 Hektar Rebfläche
  • Klima: Kontinental, kalte Winter, kurze warme Sommer
  • Hauptrebsorten: Chardonnay (45%), Pinot Noir (35%), Gamay, Aligoté
  • Weinstile: Elegante, terroir-geprägte Weine
  • Besonderheit: Komplexeste Lagenhierarchie der Weinwelt

Geographie und Klima

Das Burgund erstreckt sich wie ein schmales Band über 300 Kilometer von Chablis im Norden bis zum Beaujolais im Süden. Die berühmte Côte d'Or – das "goldene Hang" – bildet mit ihren nach Osten ausgerichteten Hängen das Herzstück der Region. Hier liegen die weltberühmten Weinorte Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Pommard und Meursault.

Das kontinentale Klima bringt kalte, meist trockene Winter und vergleichsweise kurze Sommer. Diese nördliche Lage macht das Burgund nur für frühreifende Rebsorten geeignet – Pinot Noir und Chardonnay sind wie geschaffen dafür. Spätfröste im Frühjahr und Regen im Herbst stellen die Winzer vor große Herausforderungen, machen aber auch die Qualitätsunterschiede zwischen den Jahrgängen so spannend.

Die Böden sind extrem vielfältig: Granit und Schiefer, Mergel und Kalkstein, Kies und Ton wechseln sich ab. Wo Kalksteinschichten an die Oberfläche treten, entstehen die besten Lagen Frankreichs. Diese Bodenvielfalt auf engstem Raum ist der Grund für die kleinparzellige Lagenklassifizierung.

Rebsorten

Chardonnay

Mit 45% Flächenanteil dominiert Chardonnay das Burgund. Die Weine reichen von der stahlklaren Mineralität des Chablis über die opulenten Meursaults bis zu den eleganten Puligny-Montrachets. Burgundischer Chardonnay definiert weltweit den Standard für diese Rebsorte.

Pinot Noir

Pinot Noir belegt 35% der Rebfläche und gilt als die kapriziöseste aller Rebsorten. Im Burgund zeigt sie ihre ganze Bandbreite: von der kirschfruchtigen Leichtigkeit eines Bourgogne Rouge bis zur tiefgründigen Komplexität eines Romanée-Conti. Die besten Lagen an der Côte de Nuits produzieren Weine von unvergleichlicher Eleganz und Alterungspotenzial.

Gamay

Gamay spielt vor allem im südlichen Beaujolais die Hauptrolle, wo sie fruchtige, zugängliche Weine hervorbringt – ein erfrischender Kontrast zur burgundischen Seriosität.

Aligoté

Aligoté ist die zweite weiße Rebsorte der Region. Sie liefert knackige, säurebetonte Weißweine, die traditionell für den Kir (mit Cassis-Likör) verwendet werden.

Weinstile

Die burgundische Weinphilosophie basiert auf Transparenz: Der Wein soll sein Terroir authentisch widerspiegeln. Typisch ist ein reduzierter Ausbau – die Weine reifen zwar oft in Holzfässern, aber der Holzeinsatz bleibt dezent, um die Frucht und Mineralität nicht zu überdecken.

Die Qualitätshierarchie ist legendär komplex:

  • Bourgogne AOC: Einfache Guts- und Regionalweine
  • Village-Weine: Weine aus einem bestimmten Ort
  • Premier Cru: Hochwertige Einzellagen
  • Grand Cru: 33 beste Lagen mit eigenem AOC-Status

Ein Grand Cru wie Romanée-Conti oder Montrachet kann in Spitzenjahrgängen 20.000 Euro pro Flasche kosten – ein Indiz für die weltweite Wertschätzung burgundischer Spitzenweine.

Top Weingüter

Domaine de la Romanée-Conti (DRC)

  • Adresse: Rue Derrière-le-Four, 21700 Vosne-Romanée
  • Website: romanee-conti.fr
  • Spezialität: Romanée-Conti Grand Cru, La Tâche
  • Besonderheit: Das teuerste und begehrteste Weingut der Welt
  • Produziert nur 6.000-8.000 Kisten jährlich; Flaschen erreichen bei Auktionen über 20.000 US-Dollar

Domaine Leflaive

  • Adresse: Place des Marronniers, 21190 Puligny-Montrachet
  • Website: leflaive.fr
  • Spezialität: Puligny-Montrachet, Biodynamischer Weinbau
  • Auszeichnungen: Weltklasse-Chardonnays, Familie seit 1717 in der Region
  • Die elegantesten Chardonnay-Interpretationen des Burgunds

Domaine Coche-Dury

  • Adresse: 9 Rue Charles Giraud, 21190 Meursault
  • Spezialität: Corton-Charlemagne Grand Cru
  • Besonderheit: Extrem begehrte Weine mit jahrzehntelanger Warteliste
  • Bekannt für messerscharfe Mineralität, Dichte und Langlebigkeit

Domaine Armand Rousseau

  • Adresse: 1 Rue de l'Aumônerie, 21220 Gevrey-Chambertin
  • Website: domaine-rousseau.com
  • Spezialität: Chambertin Grand Cru, Chambertin-Clos de Bèze
  • Auszeichnungen: Legendärer Pinot Noir-Produzent
  • Familienbesitz seit 1954, gehört zur absoluten Elite der Côte de Nuits

Domaine Leroy

  • Adresse: 21700 Vosne-Romanée
  • Spezialität: Biodynamischer Weinbau, extrem niedrige Erträge
  • Besonderheit: Gegründet von Lalou Bize-Leroy (Ex-Co-Direktorin DRC)
  • Produziert einige der konzentriertesten und langlebigsten Pinot Noirs

Domaine d'Auvenay

  • Adresse: 21190 Meursault
  • Spezialität: Chardonnay und Pinot Noir in biodynamischer Perfektion
  • Lalou Bize-Leroys Privatdomaine – extrem rare, astronomische Preise

Unterregionen

Das Burgund gliedert sich in fünf Hauptbereiche:

Chablis

Das nördlichste Gebiet, berühmt für stahlklare, mineralische Chardonnay-Weine. Die Kimmeridge-Kalkböden verleihen den Weinen ihre charakteristische Austernschalen-Mineralität.

Côte de Nuits

Das Rotwein-Herz von Dijon bis Corgoloin. Hier liegen Vosne-Romanée, Gevrey-Chambertin, Chambolle-Musigny – die größten Pinot Noir-Lagen der Welt.

Côte de Beaune

Von Ladoix bis Santenay, bekannt für großartige Weiß- und Rotweine. Puligny-Montrachet und Meursault produzieren legendäre Chardonnays, Pommard und Volnay kraftvolle Pinot Noirs.

Côte Chalonnaise

Südlich der Côte d'Or, erschwinglichere Alternative mit solidem Preis-Leistungs-Verhältnis. Mercurey und Givry sind die bekanntesten Appellationen.

Beaujolais

Ganz im Süden, dominiert von Gamay. Die zehn Cru-Lagen (Morgon, Fleurie, Moulin-à-Vent etc.) produzieren ernstzunehmende, alterungsfähige Weine.

Weinbaugeschichte

Der Weinbau im Burgund reicht bis in die Römerzeit zurück, aber die eigentliche Prägung erfolgte durch Zisterzienser-Mönche im Mittelalter. Sie erkannten als erste die feinen Terroir-Unterschiede und legten die Grundlagen für die heutige Lagenklassifizierung.

Die Französische Revolution brachte einen Wendepunkt: Der Kirchenbesitz wurde aufgeteilt, was zur extremen Parzellierung führte. Ein Winzer mit fünf Hektar kann Rebflächen an 20 verschiedenen Orten besitzen – oft nur wenige Reihen pro Lage. Diese Fragmentierung macht burgundische Weine so komplex: Derselbe Weinberg gehört oft Dutzenden Eigentümern, die unterschiedliche Qualitäten produzieren.

Im 20. Jahrhundert revolutionierten Winzer wie Henri Jayer den burgundischen Weinbau mit späteren Ernten, längeren Maischestandzeiten und minimaler Intervention im Keller.

Herausforderungen und Zukunft

Klimawandel: Die Erwärmung bringt reifere Trauben und vollere Weine – nicht unbedingt zum Vorteil der burgundischen Eleganz. Säurewerte sinken, Alkoholgehalte steigen. Viele Top-Winzer experimentieren mit späteren Entrappungen und kühleren Gärtemperaturen.

Preisentwicklung: Die Nachfrage aus Asien und den USA hat die Preise explodieren lassen. Selbst einfache Village-Weine kosten oft über 30 Euro. Für Normalsterbliche wird burgundischer Spitzenwein zunehmend unerschwinglich.

Biodynamie-Trend: Immer mehr Top-Domaines wie Leroy, Leflaive und Trapet arbeiten biodynamisch. Die Überzeugung: Nur gesunde, lebendige Böden können Terroir authentisch ausdrücken.

Frost und Hagel: 2016, 2017 und 2021 erlebte das Burgund verheerende Frostschäden. Winzer investieren in Frostschutzmaßnahmen wie Heizöfen und Windmaschinen – mit bescheidenem Erfolg.

Meine persönliche Empfehlung

Das Burgund ist die anspruchsvollste, aber auch lohnendste Weinregion der Welt – wenn man bereit ist, tief einzutauchen.

Mein Lieblingsweingut: Domaine Hubert Lignier in Morey-Saint-Denis bietet außergewöhnliche Qualität zu (noch) bezahlbaren Preisen. Die Weine verbinden Kraft mit Eleganz, und das Weingut ist offen für Besucher. Ein echter Geheimtipp im Schatten der Mega-Namen.

Weinwanderung: Die Route des Grands Crus von Dijon nach Santenay ist ein Muss! Ich empfehle die Etappe von Gevrey-Chambertin nach Vosne-Romanée (ca. 10 km) – du läufst durch Chambertin, Clos de Vougeot, Romanée-Conti. Stopp bei Domaine Geantet-Pansiot in Gevrey – familiäres Weingut mit großartigen Weinen und herzlicher Verkostung.

Geheimtipp: Aligoté von Ponsot aus Morey-Saint-Denis. Aligoté hat den Ruf einer einfachen Rebsorte, aber in den Händen von Ponsot wird daraus ein mineraldurchzogener, kompromissloser Weißwein mit Alterungspotenzial. 15 Euro, die dein Aligoté-Bild für immer verändern.

Beste Reisezeit: September während der Lese oder November beim Hospices de Beaune – die legendäre Weinauktion für wohltätige Zwecke. Die Stimmung ist elektrisierend, und du erlebst die burgundische Weinwelt in Feierlaune.

Budget-Tipp: Weine aus der Côte Chalonnaise (Rully, Mercurey) oder Mâconnais bieten authentisches Burgund-Erlebnis für 15-25 Euro. Produzenten wie Domaine Faiveley oder Domaine de Villaine (ja, DRC-Besitzer Aubert de Villaine!) machen dort großartige Weine.

Wichtig: Im Burgund gilt mehr als anderswo – der Produzent ist wichtiger als die Lage. Ein Premier Cru von einem mittelmäßigen Winzer ist schlechter als ein Village-Wein von einem Top-Produzenten!