Rebsorten

Assyrtiko

4. Dezember 2025
weissweingriechenlandtrockenmineralisch

Assyrtiko von Santorini begeistert mit knackiger Säure, salziger Mineralität und Zitrusfrische. Entdecke Griechenlands Weißwein-Juwel.

Säure
sehr hohe Säure
Süße
trocken
Körper
vollmundiger Körper
Tannine
keine Tannine
Alkohol
13-15 % Alk.

Typische Aromen

  • ZitroneZitrone
  • MineralischMineralisch
  • salinesaline
  • Grüner ApfelGrüner Apfel
  • FeuersteinFeuerstein

Assyrtiko Charakteristik: sehr hohe Säure, trocken,vollmundiger Körper, keine Tannine, Alkoholgehalt 13-15%. Typische Aromen: lemon, minerals, saline, green-apple, flint.

Einleitung

Assyrtiko ist der strahlende Stern am griechischen Weißweinhimmel – eine Rebsorte, die auf den vulkanischen Böden von Santorini zu unvergleichlicher Größe heranreift. Mit seiner messerscharfen Säure, salzigen Mineralität und der Fähigkeit, selbst bei mediterraner Hitze Frische zu bewahren, zeigt dir Assyrtiko, was Weißwein sein kann, wenn Tradition auf Terroir trifft. Diese uralte Rebsorte der Kykladen ist Griechenlands Antwort auf Chablis und Riesling – und steht ihnen in nichts nach.

Auf einen Blick

  • Herkunft: Santorini, Kykladen (Griechenland), über 3.000 Jahre Anbaugeschichte
  • Hauptanbaugebiete: Santorini (PDO), Chalkidiki, Makedonien, Drama
  • Charakteristik: Brillante Säure, intensive Mineralität, salzige Noten, voller Körper
  • Alkoholgehalt: 13-15% (ungewöhnlich hoch für säurebetonte Weißweine)
  • Stilvielfalt: Trocken (stahltank oder barrique), Vinsanto (Süßwein)
  • Lagerpotenzial: 5-20 Jahre bei Spitzenweinen von Santorini
  • Besonderheit: Ungrafted vines (wurzelechte Reben) auf Santorini – phylloxerafrei

Geschmacksprofil & Charakteristik

Assyrtiko ist eine Rebsorte der Kontraste und Extreme. Im Glas präsentiert sich der Wein in strahlendem Hellgelb bis leuchendem Gold, oft mit grünlichen Reflexen in der Jugend.

Was Assyrtiko so außergewöhnlich macht, ist die Kombination aus rasierklingenscharfer Säure und vollem, fast öligem Körper – eine Eigenschaft, die man selten in dieser Form findet. Die Säure ist elektrisch und lebendig, erinnert an die besten Rieslinge oder Chablis, doch anders als diese leichtfüßigen Weine bringt Assyrtiko eine kraftvolle Struktur und Fülle mit, die ihm Gewicht und Präsenz verleiht.

Das Geschmacksprofil wird dominiert von intensiven Zitrusaromen – Zitrone, Limette und Grapefruit – die nie süßlich, sondern immer präzise und fast schon herb wirken. Dazu gesellt sich eine ausgeprägte Mineralität, die je nach Herkunft unterschiedliche Facetten zeigt: Auf Santorini sind es rauchige, vulkanische Noten von nassem Feuerstein und Meersalz, auf dem Festland eher kalkige, steinige Nuancen.

Besonders faszinierend ist die salzige, fast jodige Komponente, die Assyrtiko von Santorini auszeichnet. Diese Salzigkeit kommt von den starken Winden, die salzige Meeresgischt über die Weinberge treiben und den Trauben ihr unverwechselbares Terroir-Profil verleihen. Im Mund fühlt sich der Wein saftig und konzentriert an, mit einem langen, mineralischen Abgang, der noch Minuten nach dem Schluck nachklingt.

Mit dem Alter entwickelt Assyrtiko zusätzliche Komplexität: Honignoten, Bienenwachs und geröstete Mandeln kommen hinzu, während die Säure sich zwar etwas abrundet, aber nie ihre Frische verliert. Hochwertige Assyrtiko-Weine aus Santorini können problemlos 10-20 Jahre reifen und gewinnen dabei an Tiefe und Eleganz.

Herkunft & Geschichte

Die Geschichte des Assyrtiko reicht zurück bis in die Antike. Auf Santorini wird seit über 3.000 Jahren Weinbau betrieben – die Rebsorte könnte zu den ältesten noch kultivierten Sorten der Welt gehören. Die minoische Zivilisation baute hier bereits Wein an, lange bevor die Phönizier den Weinbau im Mittelmeerraum verbreiteten.

Der Name "Assyrtiko" wird von einigen Forschern mit dem assyrischen Handel in Verbindung gebracht, andere sehen den Ursprung im griechischen Wort "ασύριτος" (asyrítos), was "ungemischt" bedeutet – ein Hinweis darauf, dass die Rebsorte traditionell sortenrein ausgebaut wurde.

Die einzigartige Geschichte von Santorini hat Assyrtiko geprägt: Der verheerende Vulkanausbruch im 16. Jahrhundert v. Chr., der die minoische Zivilisation auslöschte, hinterließ die bizarren vulkanischen Böden, auf denen Assyrtiko heute gedeiht. Die Isolation der Insel und die extremen Bedingungen führten dazu, dass sich die Rebsorte perfekt an Trockenheit, starke Winde und intensive Sonneneinstrahlung anpasste.

Ein besonderes Geschenk der Isolation: Die Reblaus (Phylloxera), die Ende des 19. Jahrhunderts fast alle europäischen Weinberge zerstörte, erreichte Santorini nie. Deshalb stehen hier noch heute wurzelechte Reben – einige davon über 100 Jahre alt – die direkt ohne Unterlage in den vulkanischen Sand gepflanzt sind. Ein lebendiges Weinbau-Museum.

Heute werden etwa 1.200 Hektar Assyrtiko in Griechenland angebaut, der Großteil davon auf Santorini. Doch auch auf dem Festland – in Chalkidiki, Makedonien und Drama – zeigt die Rebsorte zunehmend ihr Potenzial, wenn auch mit anderem Charakter.

Anbau & Terroir

Assyrtiko ist eine robuste, an extreme Bedingungen angepasste Rebsorte, die gerade in unwirtlichen Lagen ihre größte Qualität entfaltet.

Klimabedingungen: Die Rebsorte liebt Hitze und Trockenheit. Auf Santorini gibt es kaum Regen (nur 400mm pro Jahr), dafür starke Nordwinde (Meltemi) und intensive Sonneneinstrahlung. Die Reben überleben dank nächtlichen Tau und Feuchtigkeit aus den Meeresbrisen. Diese extremen Bedingungen führen zu konzentrierten Trauben mit hohem Zuckergehalt und gleichzeitig hoher Säure – eine seltene Kombination.

Bodenanforderungen: Auf Santorini wachsen die Reben in reinem Vulkansand, Bimsstein und vulkanischer Asche – praktisch ohne Humus. Diese äußerst nährstoffarmen, wasserdurchlässigen Böden zwingen die Reben, tief zu wurzeln und wenig Ertrag zu bringen. Das Resultat: hoch konzentrierte Trauben mit intensiver Mineralität. Auf dem Festland gedeiht Assyrtiko auch auf Kalkstein und Lehm, was zu etwas zugänglicheren Weinen führt.

Erziehungssystem "Kouloura": Auf Santorini werden die Reben in einzigartigen, korbförmigen Nestern am Boden erzogen. Die Triebe werden spiralförmig geflochten und bilden einen geschützten Korb, in dem die Trauben im Inneren vor Wind und Sonne geschützt reifen. Dieses uralte System ist eine geniale Anpassung an die extremen Windbedingungen der Insel.

Wichtige Weinregionen:

  • Santorini PDO: Das Epizentrum und die Seele des Assyrtiko. Weine von hier sind unverwechselbar mineralisch, salzig und komplex. Die besten Lagen befinden sich in höheren Lagen um Pyrgos und Megalochori.
  • Chalkidiki: Auf dem Festland, besonders um die Halbinsel Sithonia, entstehen zugänglichere, fruchtigere Assyrtikos mit etwas weniger Mineralität.
  • Drama & Makedonien: Kühlere Regionen Nordgriechenlands, wo Assyrtiko elegante, säurebetonte Weine hervorbringt.
  • Paros: Weitere Kykladen-Insel mit wachsendem Assyrtiko-Anbau.

Weinstile & Varianten

Assyrtiko zeigt sich in verschiedenen Gewändern, vom knochentrocken bis zum opulent süß:

Klassischer trockener Assyrtiko (Stahltank): Die puristische Variante zeigt die Rebsorte in Reinform. Im Edelstahltank ausgebaut, bewahrt der Wein maximale Frische, knackige Säure und klare Frucht. Zitrusaromen, Mineralität und Salzigkeit stehen im Vordergrund. Perfekt als Aperitif oder zu Meeresfrüchten (13-14.5% Alkohol).

Barrique-gereifter Assyrtiko: Immer mehr Winzer experimentieren mit Holzfass-Ausbau. Das Ergebnis sind kraftvolle, komplexe Weine mit cremiger Textur, Vanillenoten und gerösteten Mandeln. Die Säure und Mineralität bleiben erhalten, erhalten aber mehr Tiefe und Struktur. Diese Weine können gut 10-15 Jahre reifen (14-15% Alkohol).

Vinsanto: Die süße Antwort Santorinis auf Portwein oder Sauternes. Aus sonnengetrockneten Assyrtiko-Trauben (oft mit Aidani und Athiri verschnitten) entsteht ein oxidativer Süßwein mit Aromen von getrockneten Feigen, Karamell, Kaffee und Nüssen. Mindestens 3 Jahre im Fass gereift, können große Vinsantos Jahrzehnte überdauern.

Wild Ferment & Natural Wines: Moderne Winzer produzieren zunehmend spontan vergorene Assyrtikos mit längerer Maischestandzeit oder Ausbau in Amphoren. Diese Weine sind texturiert, komplex und zeigen eine zusätzliche Dimension.

Regionale Unterschiede: Santorini-Assyrtiko ist das Maß aller Dinge – intensiv, mineralisch, salzig, mit beeindruckender Alterungsfähigkeit. Festland-Assyrtiko ist zugänglicher, fruchtiger und weniger salzig, dafür oft mit schöner Zitrusfrische und floralen Noten.

Cuvée-Partner: Während Assyrtiko oft sortenrein brilliert, wird er auf Santorini traditionell mit Aidani (bringt Blütigkeit und Eleganz) und Athiri (fügt Frucht und Rundung hinzu) verschnitten. Moderne Verschnitte mit Sauvignon Blanc oder Malagousia auf dem Festland sind ebenfalls interessant.

Typische Aromen

Primäraromen (aus der Traube)

Zitrone & Limette: Das Rückgrat des Assyrtiko-Profils. Intensive, fast konzentrierte Zitrusaromen dominieren, nie süßlich, sondern immer frisch und präzise. Auf Santorini mit einer fast herben, zitronenschaligen Note.

Grüner Apfel: Besonders in kühleren Jahren oder bei jüngeren Weinen zeigen sich knackige Noten von grünem Apfel und Birne, die zusätzliche Frische bringen.

Mineralität & Feuerstein: Die Signatur von Santorini-Assyrtiko. Nasse Steine, rauchiger Feuerstein, nasser Schiefer – diese mineralischen Noten sind so ausgeprägt, dass man den Vulkan förmlich schmecken kann.

Salzigkeit & Jodnoten: Die berühmte salzige Komponente kommt von der Meeresgischt, die über die Weinberge weht. Eine subtile, aber charakteristische Note, die an Austernschalen oder Meeresbrise erinnert.

Weiße Blüten & Kräuter: Zarte Noten von Lindenblüte, Kamille und mediterranen Kräutern (Oregano, Thymian) verleihen Komplexität und unterstreichen die mediterrane Herkunft.

Sekundäraromen (durch Weinbereitung)

Hefenoten & Brioche: Bei längerer Hefelagerung ("sur lie") entwickeln sich cremige, briochige Noten, die dem Wein mehr Textur und Fülle verleihen – besonders bei hochwertigen Santorini-Weinen.

Vanille & Geröstete Mandeln: Bei Barrique-Ausbau kommen diese Aromen hinzu, ohne die charakteristische Mineralität zu überdecken. Der Holzeinsatz sollte subtil sein, um die Rebsorte nicht zu dominieren.

Butter & Rahm: Bei malolaktischer Gärung (selten, aber manchmal bei barriqueausgebauten Weinen) entwickeln sich cremige, buttrige Noten.

Tertiäraromen (durch Reifung)

Honig & Bienenwachs: Mit 5-10 Jahren Reife entwickeln hochwertige Assyrtikos diese edlen, wachsigen Noten, die Tiefe und Komplexität signalisieren.

Getrocknete Früchte & Nüsse: Gereifte Weine zeigen Aromen von getrockneten Aprikosen, kandierten Zitronen und gerösteten Haselnüssen – Zeichen für edles Alter.

Petrol & Kerosin: Ähnlich wie bei Riesling können sehr alte Assyrtikos (15+ Jahre) feine Petrolaromen entwickeln, die von Kennern geschätzt werden.

Lagerfähigkeit: Assyrtiko gehört zu den langlebigsten Weißweinen der Welt. Einfache Festland-Weine sollten jung (2-4 Jahre) getrunken werden. Hochwertige Santorini-Assyrtikos aus Stahltank entwickeln sich über 8-12 Jahre, barriqueausgebaute Spitzenweine können problemlos 15-20 Jahre reifen. Vinsanto kann sogar 30-50 Jahre und mehr auf dem Buckel haben.

Food Pairing

Perfekte Kombinationen

Meeresfrüchte & Fisch (roh, gegrillt oder gebraten): Hier spielt Assyrtiko seine größte Stärke aus. Die salzige Mineralität harmoniert perfekt mit rohen Austern, Seeigel oder Sashimi. Zu gegrilltem Oktopus, gebratenem Wolfsbarsch oder Garnelen mit Zitrone ist ein klassischer Santorini-Assyrtiko eine Offenbarung. Die Säure schneidet durch das Öl, die Salzigkeit ergänzt das Meer.

Griechische Mezze & Vorspeisen: Tzatziki, Taramosalata, gegrillter Feta, Dolmades, frittierte Calamari – Assyrtiko ist der perfekte Begleiter zur griechischen Vorspeisenkultur. Die Säure balanciert cremige Dips, die Mineralität ergänzt salzige Komponenten, und die Fülle des Weins steht herzhaften Aromen in nichts nach.

Ziegenkäse & frische Käsesorten: Ein barriqueausgebauter Assyrtiko ist spektakulär zu cremigem Ziegenkäse, Feta oder jungem Pecorino. Die Säure schneidet durch die Cremigkeit, die Mineralität harmoniert mit der salzigen Note des Käses.

Geflügel & Schweinefleisch (mediterran zubereitet): Zitronenhähnchen, mit Kräutern gebratenes Schweinefleisch oder gefüllte Calamari mit Reis finden im vollmundigen Assyrtiko einen kraftvollen Partner. Die Zitrusaromen des Weins spiegeln sich in der Zubereitung, die Säure bringt Frische.

Pro-Tipp: Vinsanto ist ein absoluter Geheimtipp zu Blauschimmelkäse (Roquefort, Gorgonzola), getrockneten Feigen oder Nusskuchen. Die oxidativen Noten und die konzentrierte Süße harmonieren perfekt mit intensiven Aromen. Ein gereifter, barriqueausgebauter Assyrtiko kann sogar zu leichteren Fleischgerichten wie Kalbsschnitzel oder Hühnchen in Rahmsauce serviert werden – seine Fülle trägt die reicheren Texturen.


Assyrtiko ist Griechenlands stolzeste Weißwein-Rebsorte – ein Beweis dafür, dass extremes Terroir außergewöhnliche Weine hervorbringt. Von den windgepeitschten Vulkanböden Santorinis bis auf dein Weinglas: Entdecke die elektrisierende Kraft dieser uralten mediterranen Sorte.